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Full text: Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

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Dr. Emil Teirich. 
ftützungsvereines, des Penfionsinftitutes für die Beamten, die Erhaltung von 
Spitälern und Schulen für den Gebrauch der Arbeiterbevölkerung, alle diefe und 
noch manche andere intereffante Inftitutionen zeigen, wie die Leitung diefer 
Gefellfchaft fichtlich bemüht ift, ihre Etabliffements an die Spitze der modernen 
induftriellen Unternehmungen in jeder Hinficht zu ftellen. 
Ihr Ausftellungsobjeöl, ein Porticus alsAbfchlufs des Kunfthofes, follte die 
Thätigkeit der Gefellfchaft illuftriren, welche dahin geht, den Roh-Bauftil in 
Oefterreich zu fördern und zu unterftutzen. Im Stile der reinften italienifchen 
Renaiffance gebaut, warenan diefem grofsen Objedle alle Decorationsweifen durch 
geführt, mit denen die moderne Thonwaaren-Induftrie dem Roh-Bauftile zur Ver 
fügung fleht. Eine reiche Sammlung der verfchiedenartigften von Hand und 
Mafchine geprefsten Ziegel aus gefchlämmtem und gefärbtem Thone, Form und 
Verblendfteine, Dachplatten jeder Sorte und Gröfse, Drainage- und Wafferleitungs- 
Röhren, Stallpflafter und Klinkerfleine etc. illuftrirten die mannigfache Thätigkeit 
der gefellfchaftlichen Fabriken. 
Befonders bemerkenswerth waren aber deren Terracotten, welche in den 
gröfsten Stücken ohne fichtliche Schwierigkeiten erzeugt werden und welche ent- 
fchieden durch Trefflichkeit der Modellirung und Behandlung des Thones fich vor 
allen übrigen Ausftellungen diefer Art auszeichneten. Die Giebelgruppe am Porti 
cus aus weifsem Thon, die Reliefs an demfelben aus rother und endlich die vielen 
Figuren aus gelblicher, fleinähnlicher Maffe, zählten mit zu den beflen Leiflungen 
auf der ganzen Ausftellung. Die Combination der rohen Terracotta mit der, in 
den letzten Jahren von der Gefellfchaft eingeführten Majolicatechnik, war an den 
Pilafterfüllungen des Ausftellungsobjedtes zur glücklichen Durchführung gebracht. 
Anderen Ortes muffen wir diefe Technik eingehender befprechen. Die gefell- 
fchaftliche Thonwaaren-Fabrik zu Inzersdorf verlieht faft ausnahmslos den Bedarf 
an Bauornament nicht nur von Wien, fondern faft von ganz Oefterreich, und expor- 
tirt von diefer Waarefogar alljährlich nicht unbedeutende Quantitäten. In Erwägung 
der grofsen Verdienfte, welche fich die Gefellfchaft um die bauliche Entwicklung 
Wiens erworben hat, wurde derfelben von der Jury das Ehrendiplom zuerkannt. 
Die Terracotta-Fabrik von V. Braufe wetter in Wagram bei Leobersdorf 
hat durch ihre diefsmalige Ausftellung ein anerkennenswerthes Streben nach vor 
wärts bekundet. Die vorgeführten Thonwaaren, meift figuralen Genres waren gut, 
wenn auch etwas ftumpf modellirt und aus fehr guter Maffe gebrannt, gleichfarbig 
im Ton und von anerkannter Güte. Weniger gelungen erfchien uns eine Suite von 
Bauornamenten, an denen doch der Mangel an ftilvoller Behandlung zu empfindlich 
wurde. Aufser der eigentlichen Ausftellungsgruppe zierten Braufewetter’s Fabricate 
die Umgebung des Kaifer- und Jurypavillons und manche Theile des Parkes. Ein 
grofser, mit reichem ornamentalem und figuralem Schmuck verfehener Brunnen war 
das Befte, je aus der Fabrik hervorgegangene Werk. Die Preife für die Arbeiten 
find jedoch fehr hohe und die Anwendung diefer Thonwaaren zu Bauzwecken 
daher eine feltene, kaum nennenswerthe. In Erwägung aber der grofsen Ver 
dienfte, welche die Gefellfchaft um die bauliche Entwicklung Wiens fich erwor 
ben hat, wurde derfelben von der Jury das Ehrendiplom zuerkannt. 
Aufser den beiden eben genannten Fabriken, welche fo ziemlich den ganzen 
öfterreichifchen Markt verfehen, ift kaum hie und da ein Beginn zur Erzeugung 
von Terracotten im gröfseren Mafsftabe gemacht worden. 
De Cente in Wiener-Neuftadt, deffen Hauptthätigkeit fich der Ofen- 
induftrie zugewendet hat, brachte die zu wiederholten Malen fchon gefehenen 
kleinen Figurengruppen nach den alten Modellen der aufgelöften Aerarial-Porzellan- 
manufadlur, welche urfprünglich für Bisquit beftimmt, im unedleren Materiale 
auch viel vom Reize der feineren Modellirung eingebüfst haben. Der Thon, aus 
dem diefe Figuren hergeftellt find, ift übrigens eine fehr plaftifche, feine, gelb 
liche Maffe, aus der auch die grofse Porträtbüfte Sr. Majeftät modellirt war, die in 
höchft gefchmacklofer Weife zur Herme gemacht wurde.
	        
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