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Full text: Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

Die Thonwaaren-Induftrie. 
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Die fchon genannte Societe anonyme des terres plaftiques 
ct produits re frac taires d’Andenne ftellte vorzüglich Intereffantes aus. 
Abgefehen von den gewöhnlichen feuerfeften Produkten von fehr dicht und rein 
gearbeiteten, dünnwandigen Gasretorten und ihren anerkannt guten feuerfeften Zie 
geln zum Preife von 35 Francs für 1000 Kilogramm, fürBeffemer- und Siemensöfen, 
brachte die Fabrik Condenfationscylinder von 1 Meter Höhe auf 1 Meter Durch- 
meffer aus fteinzeugartiger Maffe zum Preife von 85 Francs das Stück, dann eine 
fehr fchon gearbeitete Salpeterfäure-Cascade für die Schwefelfäure-Fabrication 
zu dem fehr billigen Preife von 130 Francs. Ueberhaupt zeichnen fich belgifche 
feuerfefte Waaren durch befondere Billigkeit aus, die ihnen den weiterten Markt 
und einen ganz bedeutenden Export fichert. Alljährlich bezieht auch die Wiener 
Gasfabrik den gröfsten Theil ihrer Retorten aus Belgien. 
Smal-Smal & Comp., gleichfalls in der Provinz Namur gelegen, brachten 
Probeftücke enormer Hohöfen-Geftellfteine zur Anficht, die hart und feft von 
der Aufsenfeite, homogen und fcharfkörnig an der Bruchfläche fleh zeigten. 
Noch feien erwähnt: DieFabricate von de Lattre&Comp. zu Seilles bei 
Charleroi und eine kleine Sammlung von Zinkdeftillations-Retorten, erzeugt auf 
der hydraulifchen Preffe von J. N. D o r, dem Dire&or der Fabriken zu Ampfin. 
Gröfsere Dauerhaftigkeit, refpedtive Dichte des Produktes, Billigkeit und 
Schnelligkeit der Erzeugung find Vortheile diefes zwar neueren, aber fchon 
praktifch vielfach erprobten Verfahrens zur Herftellung diefer Retorten. 
England hatte von feiner hervorragenden Induftrie in feuerfeften Thon 
waaren fo gut wie gar nichts gefendet. 
Die grofsartigen fchottifchen Fabriken waren ferne geblieben und die 
Dinasfteine von Glamorganfhire fehlten gänzlich. Die grofsen Diftridte von 
Stourbridge und Newcaftle, die allein jährlich 120 Millionen Stück feuerfefter 
Ziegel erzeugen, waren nicht vertreten. 
Und doch ift Englands Import an folchen Waaren nach Oefterreich nicht 
unerheblich, und find namentlich deffen Dinasfteine für unfere modernen Stahl- 
Schmelzproceffe fall immer noch die einzig brauchbaren. 
Dulton & Watts brachten Proben ihrer Schmelztiegel aus fibirifchem 
und öfterreichifchem Graphit für die höchften Hitzegrade, und ftellten folche 
gebrauchte Stucke aus, die bereits 10 bis 15 Mal die Stahlfchmelzung beftan- 
den hatten. 
Die Zufammenfetzung derfelben variirt natürlich je nach der beabfichtigten 
Verwendung und wird vom Fabrikanten derfelben genau angepafst. 
Ueberhaupt verdrängt der Graphittiegel rafch alle anderen bisher gebrauch 
ten Sorten von Thontiegeln und folche von Eifen. Gleichförmige Wandftärke, 
Dichtigkeit der Maffe und gutes Wärme-Leiftungsvermögen find die vorzüglichften 
Eigenfchaften von Dulton’s Tiegelfabricaten. 
In gleicher Weife, und wohl von derfelben Qualität, wenn auch verfchieden 
in der Zufammenfetzung, find die bekannten Schmelztiegel vonjohn Hynam in 
Deptford, welche namentlich zum Schmelzen von Gold und Silber treffliche 
Eignung zeigen. 
Fall unbegreiflich ift es, warum Oefterreich nicht ernftlich an die Fabri- 
cation der Graphittiegel gehen will. Das gröfste, zwingendfte Bedürfnifs danach 
liegt vor, treffliches Rohmateriale in Hülle und Fülle bleibt unbenützt. Erinnern 
wir nur an die in Gruppe I ausgeftellt gewefenen Graphite Böhmens, Mährens, 
Steiermarks und Niederöfterreichs. A. G e n th e in Liechtenau bei Gföhl, Fürft 
Schwarzenberg in Schwarzbach (Böhmen), Eggert & Comp, in Mugrau 
(Böhmen), Fr. Freiherr v. Kaiferftein in Raabs, Gewerkfchaft „Seegen 
Gottes“ in Kunftadt (Mähren), Graf Twerke in Hochtauern Oberftein, die 
St. Lorenzer Graphitgewerkfchaft und der Kal 1 wanger Bergbau in Leoben 
(Steiermark), feien in bunter Reihe hier nur angeführt, um das Gefügte zu illuftriren.
	        
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