Die Thonwaaren-Induftrie.
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für den von Alters her diefe Ziergegenftände gedacht und componirt wurden. Durch
ihre Farbenpracht follten lie wirken, Tifch und Schrank zieren und den Mangel
an auszuftellendem Gold- und Silber-Prachtgeräthe im bürgerlichen Haushalte
orfetzen. Ihr urfprünglicher Zweck ift ihnen bis heute geblieben, und ein Aufwand
von künftlerifchem Fleifs wird diefen Thonwaaren zugewendet, weitaus
gröfser und erfolgreicher als diefs bei Schaffung von Nutz und Hausgeräthen für
den eigentlichen Gebrauch gefchieht.
Eine tüchtige Schulung der englifchen Künftler, die Verwerthung eingehender
Stilftudien könnte hier von enormem Einfluffe werden, und im Vereine
mit der wirklich fehr weit vorangefchrittenen Technik ganz bedeutende Erfolge
erzielen.
Das vorzügliche, plaftifche und beim Brennen trotzdem gut haltbare Rohmaterial
geftattet die Anfertigung der gröfsten Stücke, feine helle Farbe erleichtert
die Glafur, der fie nie ein flörender Untergrund wird. Die Emailfarben, im
Wefentlichen diefelben, wie fie auf dem weichen Porzellan verwendet werden, find
von feltener Kraft und Feuer, das Glas felbft, meift gleichförmig im Flufs, freilich
nicht immer ohne Haarriffe und Fehlftellen. Die Farbe wird theils unter, theils
über der Glafur verwendet. Vielfachen Erfolg hat das Umdruckverfahren vom
lithographifchen Stein und Kupfer, namentlich für die currente Waare zu erzielen
gewufst, doch ift die Benützung von Farben bei diefem Verfahren, welches dort
ftets unter der Glafur angewendet wird, auf jene geringere Anzahl befchränkt,
welche eben auch diefe Anwendung bei hoher Temperatur vertragen; alle anderen
Farben müffen nach der Glafur von Hand in die fchwarz unterdrückten Contouren
ausgefüllt und dem neuerlichen Muffelfeuer ausgefetzt werden.
Auf deutfchen Erzeugniffen, auf den Produkten der Rheinifchen Fabriken
wird das Druckverfahren jedenfalls in vollkommener Art, mit einer reicheren,
ja überreichen Farbenpalette geübt, und über die Glafur gedruckt, wodurch einerfeits
ein bedeutend brillanterer Effedt, anderfeits eine wefentliche Vereinfachung
und Billigkeit erzweckt wird. Von Oefterreich, von unferer alten, leider zu früh
zu Grabe getragenen Porzellanfabrik ging mit der Anftofs zur Verallgemeinerung
und Vervollkommnung diefer Technik aus. Der frühere Chemiker diefer Anftalt,
Franz Kofch, hat Vieles hinzugefügt, das Ganze der Technik wefentlich vereinfacht,
gewiffermafsen fichergeftellt.
Die öfterreichifche Ausftellung brachte eine kleine, aber hoch intereffante
Mufterfammlung feiner Umdrucktechnik auf der Glafur.
Der englifche Fabrikant hilft fich mit dem Vordrucken ichwarzer Con
touren und dem nachträglichen Auftrag der Farbe mit dem Pinfel von Hand, eine
koflfpielige und zeitraubende Procedur, deren Erfolg beifpielsweife die Technik
Kofch’s mit einem Male erzielt.
Eine befonders häufige Anwendung findet das Umdruckverfahren auf die
Herftellung fchön decorirter Wandverkleidungs - Platten. Die Erzeugung diefer
Waaren wird in Egland namentlich, dann aber auch in Frankreich, am Rhein, in
Spanien und Italien mehr oder minder geübt, ganz abgefehen davon, dafs der
heutige Orient, dem diefe ganze Technik der Fliefen ja entflammt, noch fortfährt,
feine primitiven und zum Theile kaum mehr an die alte Formenfchönheit auch
nur anklingende Plattendecorationsweife zu üben.
In vielfacher Weife wurde das Umdruckverfahren als unkünftlerifch kritifirt
und verworfen. Wir vermögen uns diefer Anficht nicht anzufchliefsen. Hier
wie bei der direölen Glafurmalerei kann die Hand des Künfllers, kann der Stempel
der Orginalität dem decorirten Stücke gewahrt bleiben; wird doch die Zeichnung,
wenn fie der Künftler direkte auf den Stein zeichnet, mit minutiöfer
Genauigkeit auf dem Bisquit wiedergegeben, ja Kofch und theilweife in neuerer
Zeit Minton geht in feiner Technik hier fo weit, durch geeignete Behandlung
des Umdruckes auf der Glafur die täufchendfle Aehnlichkeit mit einem paflofen
Pinfelauftrag zu erzielen.