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Full text : Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

Die  Thonwaaren-Induftrie.

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für  den  von  Alters  her  diefe  Ziergegenftände  gedacht  und  componirt  wurden.  Durch
ihre  Farbenpracht  follten  lie  wirken,  Tifch  und  Schrank  zieren  und  den  Mangel
an  auszuftellendem  Gold-  und  Silber-Prachtgeräthe  im  bürgerlichen  Haushalte
orfetzen.  Ihr  urfprünglicher  Zweck  ift  ihnen  bis  heute  geblieben,  und  ein  Aufwand ­
  von  künftlerifchem  Fleifs  wird  diefen  Thonwaaren  zugewendet,  weitaus
gröfser  und  erfolgreicher  als  diefs  bei  Schaffung  von  Nutz  und  Hausgeräthen  für
den  eigentlichen  Gebrauch  gefchieht.
Eine  tüchtige  Schulung  der  englifchen  Künftler,  die  Verwerthung  eingehender ­
  Stilftudien  könnte  hier  von  enormem  Einfluffe  werden,  und  im  Vereine
mit  der  wirklich  fehr  weit  vorangefchrittenen  Technik  ganz  bedeutende  Erfolge
erzielen.
Das  vorzügliche,  plaftifche  und  beim  Brennen  trotzdem  gut  haltbare  Rohmaterial ­
  geftattet  die  Anfertigung  der  gröfsten  Stücke,  feine  helle  Farbe  erleichtert ­
  die  Glafur,  der  fie  nie  ein  flörender  Untergrund  wird.  Die  Emailfarben,  im
Wefentlichen  diefelben,  wie  fie  auf  dem  weichen  Porzellan  verwendet  werden,  find
von  feltener  Kraft  und  Feuer,  das  Glas  felbft,  meift  gleichförmig  im  Flufs,  freilich
nicht  immer  ohne  Haarriffe  und  Fehlftellen.  Die  Farbe  wird  theils  unter,  theils
über  der  Glafur  verwendet.  Vielfachen  Erfolg  hat  das  Umdruckverfahren  vom
lithographifchen  Stein  und  Kupfer,  namentlich  für  die  currente  Waare  zu  erzielen
gewufst,  doch  ift  die  Benützung  von  Farben  bei  diefem  Verfahren,  welches  dort
ftets  unter  der  Glafur  angewendet  wird,  auf  jene  geringere  Anzahl  befchränkt,
welche  eben  auch  diefe  Anwendung  bei  hoher  Temperatur  vertragen;  alle  anderen
Farben  müffen  nach  der  Glafur  von  Hand  in  die  fchwarz  unterdrückten  Contouren
ausgefüllt  und  dem  neuerlichen  Muffelfeuer  ausgefetzt  werden.
Auf  deutfchen  Erzeugniffen,  auf  den  Produkten  der  Rheinifchen  Fabriken
wird  das  Druckverfahren  jedenfalls  in  vollkommener  Art,  mit  einer  reicheren,
ja  überreichen  Farbenpalette  geübt,  und  über  die  Glafur  gedruckt,  wodurch  einerfeits
  ein  bedeutend  brillanterer  Effedt,  anderfeits  eine  wefentliche  Vereinfachung
und  Billigkeit  erzweckt  wird.  Von  Oefterreich,  von  unferer  alten,  leider  zu  früh
zu  Grabe  getragenen  Porzellanfabrik  ging  mit  der  Anftofs  zur  Verallgemeinerung
und  Vervollkommnung  diefer  Technik  aus.  Der  frühere  Chemiker  diefer  Anftalt,
Franz  Kofch,  hat  Vieles  hinzugefügt,  das  Ganze  der  Technik  wefentlich  vereinfacht, ­
  gewiffermafsen  fichergeftellt.
Die  öfterreichifche  Ausftellung  brachte  eine  kleine,  aber  hoch  intereffante
Mufterfammlung  feiner  Umdrucktechnik  auf  der  Glafur.
Der  englifche  Fabrikant  hilft  fich  mit  dem  Vordrucken  ichwarzer  Con
touren  und  dem  nachträglichen  Auftrag  der  Farbe  mit  dem  Pinfel  von  Hand,  eine
koflfpielige  und  zeitraubende  Procedur,  deren  Erfolg  beifpielsweife  die  Technik
Kofch’s  mit  einem  Male  erzielt.
Eine  befonders  häufige  Anwendung  findet  das  Umdruckverfahren  auf  die
Herftellung  fchön  decorirter  Wandverkleidungs  -  Platten.  Die  Erzeugung  diefer
Waaren  wird  in  Egland  namentlich,  dann  aber  auch  in  Frankreich,  am  Rhein,  in
Spanien  und  Italien  mehr  oder  minder  geübt,  ganz  abgefehen  davon,  dafs  der
heutige  Orient,  dem  diefe  ganze  Technik  der  Fliefen  ja  entflammt,  noch  fortfährt,
feine  primitiven  und  zum  Theile  kaum  mehr  an  die  alte  Formenfchönheit  auch
nur  anklingende  Plattendecorationsweife  zu  üben.
In  vielfacher  Weife  wurde  das  Umdruckverfahren  als  unkünftlerifch  kritifirt
  und  verworfen.  Wir  vermögen  uns  diefer  Anficht  nicht  anzufchliefsen.  Hier
wie  bei  der  direölen  Glafurmalerei  kann  die  Hand  des  Künfllers,  kann  der  Stempel ­
  der  Orginalität  dem  decorirten  Stücke  gewahrt  bleiben;  wird  doch  die  Zeichnung, ­
  wenn  fie  der  Künftler  direkte  auf  den  Stein  zeichnet,  mit  minutiöfer
Genauigkeit  auf  dem  Bisquit  wiedergegeben,  ja  Kofch  und  theilweife  in  neuerer
Zeit  Minton  geht  in  feiner  Technik  hier  fo  weit,  durch  geeignete  Behandlung
des  Umdruckes  auf  der  Glafur  die  täufchendfle  Aehnlichkeit  mit  einem  paflofen
Pinfelauftrag  zu  erzielen.
            
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