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Full text : Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

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Dr.  Emil  Teirich.

Compofition,  fo  geht  auch  fofort  die  Ueberlegenheit  englifcher  Fabricate  hieraus
hervor.
Die  Erzeugung  glafirter  Stubenöfen  fchliefst  fich  dire<5te  an  die  Plattenfabrication
  an.  Hievon  freilich  finden  wir  weder  aus  England  noch  Frankreich
etwas  zu  berichten;  kehren  wir  nach  Haufe  zurück  und  halten  wir  im  Vaterlande ­
  des  Kachelofens  Rundfchau,  in  Deutfchland.
Die  deutfchen  Leiftungen  auf  diefem  Gebiete  find  zum  Theile  mufterhaft.
Schon  im  Mittelalter  war  diefs  der  Fall  und  die  deutfche  Renaiffance  übte
auch  hier  ihren  bedeutfamen,  der  freien  Formentwicklung  fo  günftigen
Einflufs.
Nächft  Deutfchland  war  es  die  Schweiz,  in  der  die  Töpferei  und  befonders
die  Ofenfabrication  fich  hob.  Schon  in  einem  aus  dem  Jahre  von  820  datirten
Plane  des  Klofters  von  St.  Gallen  finden  fich  Kachelöfen  angedeutet,  doch  find
die  älteflen  uns  bekannten  und  erhalten  gebliebenen  jene,  die  Hefner  Alteneck
aus  dem  Brandfchutte  des  Klofters  Tannberg  fammelte.  Der  Ofen  wird  fall  zum
wichtigflen  Möbel  des  deutfchen  Haufes,  er  beanfprucht  den  beften  und  vornehmften,
  oft  auch  den  gröfsten  Platz  im  Zimmer.  Die  Gefchichte  der  Familie  fpielt
fich  an  feiner  Seite  ab,  er  dient  zum  Kochen  und  feine  lange  anhaltende,  freundliche ­
  Wärme  macht  den  Wohnraum  den  Tag  über  zu  einem  behaglichen.  Rings
herum  auf  feinem  Sockel  läuft  die  Sitzbank  und  hinter  dem  mittleren  Aufbau  und
zwifchen  der  Wand  ift  der  Platz  als  Schlafftelle  benützt.  Was  Wunder,  wenn  ein
fo  wichtiges  Stück  auch  mit  Sorgfalt  erzeugt,  mit  allem  Schmuck  verfehen  wird  1
Nürnberg,  die  alte  Stätte  deutfchen  Gewerbefleifses,  war  berühmt  feiner  Töpferei
wegen,  und  noch  bis  auf  den  heutigen  Tag  fehen  wir  dort  die  Erzeugung  von
Kachelöfen,  freilich  zumeift  nur  fklavifche  Imitation  guter  altdeutfcher  Mufter,
betrieben.
Zumeift  finden  wir  den  altdeutfchen  Ofen  mit  einer  grünen  Kupfer-  oder
dunklen  Braunftein-Glafur,  beide  natürlich  bleihältig,  überzogen.  Der  Aufbau  ift  in
der  beften  Zeit  diefer  Technik  ftets  ein  architektonifcher  gewefen,  was  wir  hier
fofort  im  Gegenfatz  zu  unferem  modernen,  vornehmlich  üfterreichifchen  Ofenftile
hervorheben  müffen.  Dort  durchziehen  kräftige  Gefimfe  Kopf  und  Bafis  des  breiten
Unterbaues,  der  auf  vielfach  geftalteten,  mehr  oder  minder  reich  modellirten  Füfsen
ruht.  Ein  fchmaler,  gleichfalls  gefimsbekrönter  Oberbau  flellt  fich  auf  diefen
hohen  Sockel.  Ueberreich  ift  oft  der  ornamental  plaftifche  Schmuck  des  Ofens.  Karyatiden, ­
  Füllungen  aller  Art  mit  Mufcheln  und  Thiergeftalten  in  Hauterelief,  reiche
Gliederungen  der  einzelnen  Theile  werden  angewendet.  Faft  immer  weifs  der
deutfche  Meifter  die  architektonifche  Form  dem  plaftifchen  Materiale  unter  feinen
Händen  anzupaffen.
Mit  dem  Ende  des  X\T.  Jahrhundertes  beginnt  aber  eine  zweifache  Ver
Änderung  im  deutfchen  Ofenftile.  Es  überwuchert  die  plaftifche  Zierath  und
die  Glafur  wird  polychrom,  mit  malerifcher  Behandlung.
So  lange  nicht  der  Barockftil  fein  ärgftes  Unwefen  im  Rococo  treibt,  hält
trotzdem  die  Töpferfchule  an  der  traditionellen,  immer  doch  mafsvollen  plaftifchen
Ausdrucksweife  fett.  Der  grünen  und  braunen  Glafur  folgte  eine  weifse,  die
Gelegenheit  zur  bunten  Bemalung  der  Bildwerke  gibt,  die  oft  auf  blauen  Grund,
gleich  der  Robbiawaare  gefetzt  werden.  Namentlich  die  Schweiz  ift  reich  an
folchen  Oefen.  Nicht  allzulange  währt  jedoch  der  Höhepunkt  diefer  Kunft.  Bald
verblafst  die  reiche  Palette  des  Künftlers,  und  im  XVIII.  Jahrhunderte  ift  ihr
Farbenfchmuck  auf  Weifs  und  Blau  bereits  reducirt.  Noch  verdanken  wir  dem
Rococoftile  mitunter,  und  das  namentlich  in  Frankreich,  welches  die  Ofentechnik
ohnedem  aus  Deutfchland  importirt  hatte,  gute,  von  richtigen  künftlerifchen
Principien  geleitete  Formen,  meift  aber  weifs  glafirt,  mit  eingefetzten
gemalten  Füllungen,  oft  mit  reicher  Vergoldung.  Die  Luftfchlöffer  in  Frankreich ­
  und  die  ihnen  nachgebildeten  Deutfchlands  enthalten  viele  Mufter  diefer ­
  Art.
            
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