Die Thonwaaren-Induftrie.
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europäifchen Markt, wenn nicht verfchliefst, fo doch nur langfam zugänglich
macht. Die geforderten Preife haben eben eine Höhe, an die fich unfere con-
tinentalen Begriffe noch lange nicht gewöhnt haben, und welche durch die etwas
fehr abgerundete Umrechnung der Soveraigns in Gulden bei Feftftellung der
Anfätze auf der Weltausftellung um nichts vermindert wurden.
Es wäre an der höchften Zeit, dafs fich unfere heimifche Induflrie, der in
unferem gefegneten Vaterlande ein unerfchöpflicher Reichthum der geeigneteften
Rohmaterialien zu Gebote fleht, endlich diefem gewifs äufserft lucrativen Gefchäfts-
zweige zuwenden würde, dem in Deutfchland zum mindeften der gleiche Erfolg
wie in England bevorfleht. Wir haben dabei ganz befonders eine Specialität des
englifchenThonwaaren-Marktes im Auge, die Wand- und Fufsboden-Verkleidungs-
platten, von denen mehrere, wenn auch nicht alle bedeutenden Firmen Müller
fandten. Dafs Maw & Comp, darunter fehlte war recht bedauerlich.
Hier war es vorzugsweife die Ausfüllung von Minton Hollins & Comp,
in Stockeupon Trent, die den Eindruck der reichften Mannigfaltigkeit und des
heften Gefchmackes auf uns machte. Wir hatten die Erzeugniffe feines neu
erbauten Etabliffements vor uns, das mit allen bekannten mafchinellen und fon-
fligen Werksvorrichtungen arbeitet und trefflich geleitet ift.
Es würde zu weit führen auf die Details diefer Induflrie neuerdings einzu
gehen, die fich bereits fafl alle Verfahren der modernen englifchen Keramik eigen
und dienftbar gemacht hat.
Unverkennbar ift für die Gefchmacksrichtung hier der Einflufs des Orients
mit dem Owen Jones und Readgrave uns durch ihre trefflichen Publicationen
fo recht eigentlich bekannt gemacht haben. Die richtige Würdigung diefes Stiles,
als des wahren Typus einer Flächendecoration, hat bei Minton Hollins die
reichften Früchte getragen.
Die perfifchen Blumenornamente mit ihrem herrlich combinirten, den Raum
fo trefflich füllenden Rankenwerk, find frei behandelt und fchön ins Moderne
überfetzt. Die meiften der ausgeftellten Platten, fowohl der bedruckten, als auch
der fogenannten Emboffed und Majolica tiles find als vorzügliche Fabricate zu
bezeichnen. Es würde leider den gebotenen Raum für diefe kurze Befchreibung
überfchreiten, wollte man eingehender die einzelnen Deffins charakterifiren, die
äufserft fchönen, und was hervorzuheben ift, in grofsen Flächen ganz gleichtonigen
Farben würdigen. Eine fchöne Wirkung machte jene Suite von Platten mit ein-
geprefster figuraler und ornamentaler Zeichnung. Die Schattenpartien der Deffins
werden in der Platte vertieft und das Ganze mit einer leichtflüffigen, verfchieden
gefärbten Glafurmaffe fo reichlich überzogen, dafs die Vertiefungen davon aus
gefüllt, die erhabenen Stellen jedoch nur leicht gedeckt werden, wodurch die beab-
fiehtigte Modellirung zum Vorfcheine gelangt.
Eine hübfche Decoration gaben auch die reizend gezeichneten, mittelft
Druckverfahren übertragenen kleinen Genrebildchen. Minder gelungen, namentlich
in der Compofition, wollten uns die beiden Kamine erfcheinen, deren einer, zwar
prächtig gemalt, auf grofsen Platten, das Leben der Aphrodite darftellend, der
andere, beftimmt für ein Jagdzimmer, Thiere und Jagdfcenen in Nufsbaumholz-
Rahmenwerk eingepafst zeigte.
Im grofsen Ganzen'befriedigte die Ausfüllung Hollins’ ganz ausnehmend.
Zwar minder mannigfaltig, aber ähnlich gut waren Robert MintonTaylo r’s
Platten aus Fenton bei Stoke upon Trent, bei denen, in grofsen Flächen zufamm-
gefetzt, die hohe Gleichförmigkeit zarter Nuancen überrafchte. Auch hier gute
Müller, gefchmackvolle Wahl der Farben.
Weniger hervorragend nach den Ausftellungen diefer beiden Specialiften
in diefem Fache erfchien die leider nicht fo vollftändige Colledlion von
Platten von M i n t o n & Comp., deren wir bereits erwähnten, meift in Blumen
ornament in Relief geziert, und C o p e lan d’s grofse, gemalte Wand-Verkleidungs
platten
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