50
Dr. Emil Teirich.
Simpfon & Comp, in London, deffen ganze Ausftellungin das englifche Com-
miffionshaus verlegt wurde, wohin fie einen mit Majolicaplatten verkleideten
Kamin geliefert hatten, war damit eigentlich fo gut wie gar nicht repräfentirt. Das,
was diefe relativ junge Firma in der Decoration folcher Platten zu leiften vermag’
und das den Befuchern der letzten Londoner Ausftellung wohl noch im beften
Gedächtniffe fein wird, läfst nur bedauern, dafs wir hier nicht mehr von deren
Arbeiten zu fehen bekamen.
Wir halten Simpfons Decorationsatelier in London für eines der vorzüg-
lichften und bedeutendften.
An die meiften Fortfehritte in der modernen Fayencetechnik F r ank r e i ch s
knüpft fich der Name von Th. Deck in Paris, der einen mehr oder minder
direkten Einflufs bei jeder neuen Errungenfchaft diefes Induflriezweiges nach
weislich genommen hat. Denn raftlos und felbftthätig vorwärts ftrebend, ift er
theils durch Anregung neuer, theils durch glückliche Vollendung fchonangebahnter
Verfahrungsweifenzuganz vorzüglichen Refultaten gelangt. Man könnte Deck, deffen
Fabrication freilich dem Umfange nach ohne jede grofse Bedeutung ift, in feiner
künftlerifchen und technifchen Richtung den Minton Frankreichs nennen. Nament
lich um Einführung und Imitation der orientalifchen Fayencen hat fich Deck die
gröfsten Verdienfte erworben. Gefchmackvoll und edel in feinen Formen, verfügt
er über eine Pracht der Farben wie kein Anderer. Durch Ueberfangen derfelben
mit einer äufserft brillanten, ftark alkalinifchen Glafur erhöht er noch ganz wefent-
lich deren Feuer und Wirkung. Die Mannigfaltigkeit des Ausgeftellten erfchwert
ein detaillirtes Eingehen auf die einzelnen hochintereffanten Leiftungen, unter
denen ein grofses Prachtftück, eine Jardiniöre nach dem Entwürfe Reiber’s vor
Allem durch feine Dimenfionen auffiel. Auch hier waren die Motive dem orientali
fchen Stile entnommen und die Ausführung im Detail ganz ausgezeichnet fchön.
Mit dem ganzen Enfemble der Compofition können wir uns freilich nicht fo
ganz zufrieden erklären.
Deck ift perfönlich in feiner Fabrik als ausübender Künftler thätig. Er
entwirft namentlich ornamentale Gegenftände und lehnt fich dabei fall immer an
den perfifchen Stil an, der, wie wir fchon bemerkten, auf diefer Weltausftellung
in allen Induftriezweigen faft in Mode gekommen ift.
Treffliche Kräfte find in Deck’s Atelier zudem thätig, unter denen wohl
Anker als Porträt- und Genremaler den erften Rang einnimmt. Wer erinnert fich
nicht feiner trefflichen Porträt- und Studienköpfe, die mit einem Effedt behandelt
find, der feiten nur in gleicher Vollendung erreicht wird. Nicht minder reizend
find Legrains Putten, die Genrebildchen trefflicher Compofition von Renvier,
die grofsen Hiftorienbilder von Gluck u. f. w.
Auch Deck wurde mit dem Ehrendiplome ausgezeichnet, das ihm wohl
um fo eher zukommt, als er es durch perfönlichen Fleifs und emfiges Studium, als
unbedeutender Gehilfe beginnend, in relativ wenigen Jahren zum Rufe eines der
bedeutendften Induftriellen gebracht hat.
In ganz anderer Richtung arbeitet E. Collinot in Paris, der uns eine
äufserft gut zufammengeftellte Suite von perfifchen und japanefifchen Imitationen
brachte, von denen die grofsen Wand-Verkleidungsplatten mit dem paftofen Email-
auftrage wirklich fehr überrafchten. Die äufserft fchwierige Bewältigung grofser
Emaillagen und vorzügliches Einfchmelzen derfelben ift technifcherfeits, die guten,
wirklich im Geilte des Orientes ftudirten Decorationsweifen von künftlerifchem
Standpunkte fehr anerkennenswerth.
Auch hier wurden faft durchgehends orientalifche Motive bei der Compo
fition benützt. Die grofsen Panneaux, fogenannte Cloifonnee-Emails, bei denen das
dick und überhöht aufgetragene, ftark zinnhaltige Email in kleinen Flächen von
der umgebenden Contour zurückweicht und erft auf diefem, gewiffermafsen fo
modellirten weifsen Untergrund der Auftrag der anderen Farben erfolgt,