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Full text : Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

Die  Thonwaaren-Induftrie.

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Medaillons  in  der  Mitte,  mehrere  Vafen  waren  zur  Illuftration  des  hübfchen  Verfahrens ­
  ausgeftellt.  Dabei  bringt  Farina  auch  noch  eine  neue  Decorationsweife
mit  an,  die  freilich  dem  Stile  zuwiderläuft.  Auf  die  weifse  Engobage  zeichnet  er
mit  einem  rothen  Farbftift  vor  der  Glafur  Porträts  und  Ornamente,  welche  ganz
den  Eindruck  einer  Kreidezeichnung  machen  und  deckt  das  Bild  mit  der  Glafur.
Ein  Toilettetifch  in  Majolica  war  recht  gelungen,  gut  in  Modellirung  und
Farbe.
Recht  verftändig  war  die  Anwendung  des  Metallluftre  auf  einigen  Tellern,
worunter  beifpielsweife  jener  mit  einem  Porträtkopf,  der  von  einer  mehrfachen
Reihe  Pfauenaugen  umgeben  war,  erwähnt  fein  mag.
Giovanni  Spinacci  in  Gubbio  verlieht  es  freilich,  feinen  Luftrefarben  mehr
Glanz  und  Feuer  zu  geben  als  Farina,  bleibt  hinter  diefem  aber  zurück  in  der
Wahl  feiner  Vorbilder.  Während  Erfterer  meift  freier  componirt,  imitirt  Letzterer
fklavifch.  An  zwei  grofsen,  bemerkenswerthen  Vafen  und  einigen  Tellern  mit  befonders
  gelungenem  Roth  erfchien  leider  die  blaue  Farbe  weniger  gut  geflohen.
Mindeftens  gleichwerthig,  wo  nicht  beffer,  war  die  Ausftellung  von  An  g  e  1  o
Minghetti  &  Sohn  in  Bologna.
Diefe  Firma  legt  das  Hauptgewicht  auf  die  Nachbildung  der  Robbiawaare
und  der  Majoliken  fpäterer  Zeit.  Ein  grofses  Medaillon,  die  heilige  Familie  darilellend,
  mit  gut  modellirtem  Fruchtkranz,  deffen  Farben  auch  gut  geftimmt  waren,
verdient  trotz  feiner  etwas  rohen  Ausführung  erwähnt  zu  werden.
Eine  koloffale  Vafe,  in  fehr  bunter  und  bemalter  Majolica,  war  äufserft  reich
mit  ftark  outrirten,  plaftifchen  Figurendarftellungen  geziert,  anerkennenswerth
hinfichtlich  der  technifchen  Ausführung  und  der  zwar  unvollkommenen,  aber
relativ  zu  andern  Leiftungen  doch  immerhin  nennenswerthen  Modellirung.  Eine
kleine  dofenförmige  Vafe  mit  braunvioletter  Engobage  zeigte  eine  gute  Anwendung
der  Sgraffiato-Technik.
Torquato  Caftellani  in  Rom  brachte  Bauernmajoliken  in  der  Manier
alter  Urbiner  Meifter.  Auf  einer  Engobage  von  weifsem  Thon  wird  die  Mineralfarbe
aufgetragen,  die  Glafur  aufgefetzt  und  mit  einem  Male  eingebrannt.  Alle  Uebelftände
eines  folchen  Verfahrens,  namentlich  aber  die  ftets  matten  Farbentöne,  welche  die
Verwendung  gepulverter  Mineralien  anftatt  künftlich  bereiteter  Metallfarben  nach
fleh  zieht,  zeigten  fleh  an  diefen  Erzeugniffen,  die  nur  einen  gewiffen  Reiz  naiver
Urfprünglichkeit  fleh  bewahrt  haben.
Wir  haben  während  der  Betrachtung  der  genannten  vier  Ausftellungen  die
im  Mittelpunkte  des  Raumes  etablirte  grofsartige  Gruppe  der  Produdle  von
Lorenzo  Ginori  in  Doccia  bei  Florenz,  umkreift.
Das  Gefammtbild,  welches  diefe  Ausftellung  bot,  war  ein  entfehieden
günftiges.  Ginori  arbeitet  mit  grofsen  Mitteln  und  hatte  viel  gebracht.  SeineFarbenpalette
  ift  reich,  feine  Arbeiter  find  gefchult,  aber  der  Charakter  feiner  ganzen
Ausftellung  vermochte  oft  nicht  zu  befriedigen.  Wenn  Ginori  fleh  nicht  diredl  an
die  Werke  alter  Meifter  anlehnt,  fo  verfällt  er  meift  in  einen  wüften  Naturalismus,
deffen  Prototyp  das  Mittelftück  feiner  Aufftellung,  die  grofse  Vafe  mit  dem  von
Benaffai  gemalten  Prairienbrand,  bildete.  Dabei  ftört  noch  die  überaus  glänzende, ­
  firnifsartige  Glafur,  welche  alle  feine  Fayencen  tragen.
Ginori  arbeitet  nach  der  Weife  der  alten  Urbiner  Meifter  feit  1848,  wo
er  das  Verfahren  wieder  erfand,  auf  der  Emailfchicht  diredl  zu  malen.  Der
gebrannte  Scherben  wird  mit  einer  zinnhältigen  weifsen  Emailmaffe  überzogen,
auf  diefe  fofort  gemalt,  etwas  verglüht  und  dann  in  die  bleihältige  Oberflächen-Glafur
  getaucht.  Mit  einem  Male  wird  fcbliefslich  Alles  zufammen  eingebrannt.
Auch  die  grofsen  Porträts  in  Robbia-Manier,  welche  Ginori  doch  vielfach ­
  früher  fchon  mit  Erfolg  imitirte,  imponirten  nur  durch  ihre  Gröfse.  Wie  fchon
erwähnt,  waren  feine  Vafen,  Gefäfse  und  Teller  nach  Art  der  Urbiner  Meifter  das
Belle  unter  dem  Gebrachten.  Gewöhnlich  entbehrt  die  Modellirung,  befonders  die
der  flguralen  Theile,  eines  gewiffenhaften  Studiums.
            
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