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Full text : Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

Die  Thonwaaren-Induftrie.

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Oie  B  ar  o  d  a-Arbeiten,  fchwarze  Gefäfse  mit  eingelegtem  Silberornament
verriethen  am  deutlichften  ihren  Urfprung  an  der  Metallotechnik.  Hier  wie  an  den
taufchirten,  fiafchenförmigen  Gefäfsen  find  grofse  Blumen  das  decorative  Motiv.
Eine  ähnliche  Art  der  Verbindung  der  Thonwaare  mit  metallifchem  Zierath
  zeigten  die  braunfchwarzen  Gefäfse  von  Punjab  und  Azimgurh,  woran
meiftTchuppenförmige  Einlagen  von  Silberdrath  zu  finden  waren.
Faft  übereinftimmend  mit  diefer  Technik  fanden  wir  unter  der  fehr  reichhaltigen, ­
  aber  wenig  bedeutenden  Sammlung  von  diverfenThongefchirren,  welche
die  Türkei  fandte,fchwarze  Gefäfse  von  Ruftfchuk,  aus  einem  durch  die  ganze
Maffe  gefärbtem  Thon,  der  auch  vielfach  zur  Erzeugung  der  echten  fchwarzen
Pfeifenköpfe  verwendet  wird,  deren  Imitation  durch  Dämpfen  des  Stückes
beim  Brennen  übrigens  von  den  Fabrikanten  Conftantinopels  ganz  gut  verftanden
  wird.
Die  Ruftfchuk-Gefäfse  find  meift  von  guten,  feinen  Formen,  die  wohl  der
Antike  entlehnt  find  und  fich  traditionell  ernalten  haben  mögen.  Der  Scherben  ift
glänzend  polirt,  fehr  dünn  und  durch  einen  aufgeprefsten  Perlenftab  oder  ein
ähnliches  fortlaufendes  Motiv  profilirt.  Ihren  Hauptreiz  aber  erhalten  diefe
Gefäfse  durch  die  im  feuchten  Zuftande  aufgeprefsten  kleinen  Silberplättchen  und
Silberpunkte„die  zu  Rofetten  in  recht  fchöner  Vertheilung  angeordnet  find.
Im  Uebrigen  zeigt  fich  an  den  meiften  ttirkifchen  Thonwaaren  ein  trauriger
Verfall  der  Technik  fowohl,  als  der  Gefchmacksrichtung.
Der  Sitz  der  alttürkifchen  Thonwaaren-Induftrie,  ja  auch  der  heutigen,  find
vorzüglich  die  Dardanellen.  Dort  blühte  einft  die  berühmte  Fabriksftätte  Kutaja
(Kutahia),  berühmt  ihrer  prächtigen  Wandverkleidungs-Platten  und  architekturalen
Fayencen  wegen,  von  denen  die  alten  Mofcheen  noch  reiche  Ueberbleibfel  enthalten. ­
  Die  heutige  Ausftellung  der  von  der  Regierung  neuerdings  feit  einiger
Zeit  in  Betrieb  gefetzten  Fabrik  ift  intereffant  der  alten,  noch  immer  nicht  ganz
erlofchenen  guten  Motive  wegen,  mit  denen  fie  die  Decoration  ihrer  Fiiefen  vornimmt ­
  und  nach  denen  fie  Fläfchchen  und  Schalen  formt,  aber  doch  noch  von  gar
geringem  Werth.
Nichou,  der  am  gleichen  Orte  die  Thonwaaren-Induftrie  im  gröfseren
Stile  betreibt,  machte  Fortfehritte  in  deren  Ausbildung  gegenüber  feinen  Mitausftellern.
  Blaugrün  glafirte,  langhalfige  Krüge  mit  Reliefs  und  Vergoldung  roh
geziert,  die  blauen  Platten  (Teller),  genannt  Nichane,  die  gedeckten  Jourtfchalen,
diverfe  Sahans  oder  Wafferkrüge,  alfo  durchaus  currente  Waare  wurde  von  ihm
ausgeftellt.
Ganz  ähnlich  wie  diefer  arbeitet  einer  der  vielen  Achmed’s  in  Kalei-Soultanie
  und  Nichane  bei  Bruffa,  von  denen  die  fchon  erwähnten  Efsgefchirre
und  Haushaltungs-Geräthe  für  die  ganze  Türkei  geliefert  werden.  Huffein  auf
den  Infein  bei  Tchanakale  zählte  mit  zu  den  wenigen  ttirkifchen  Fabrikanten,  die
ein  fichtliches  Streben  nach  fauberer,  verftändiger  Arbeit  kundgeben.
Im  Allgemeinen  zeichnet  fich  die  ganze  Thonwaaren-Induftrie  an  den
Dardanellen  durch  eine  äufserft  glänzende  und  farbenprächtige  Glafur  aus,  welche
namentlich  an  jenen  ausgewählten  Stücken  hervortritt,  welche  Hamdy  Bey  ausgeftellt ­
  und  dem  öfterreichifchen  Mufeum  überlaffen  hat.
Aehnlich  meift  in  der  grünen  Glafur  dem  Dardanellengefchirr  find  die
oft  in  den  originellften  Formen  ausgeführten  Blumenftänder  und  Gefäfse  von
Trapezunt.  Diefe,  wie  faft  alle  türkifchen  Gefäfse  charakterifiren  fich  durch  die
Unmöglichkeit,  eine  Reinigung  derfelben  von  Innen  vorzunehmen,  und  fcheint  diefe
Eigenfchaft  im  Zufammenhange  mit  Sitten  und  Gebräuchen  diefer  Völker  des
Orientes  zu  flehen,  von  denen  man  im  grofsen  Ganzen  glaubt,  dafs  die  rituellen
Wafchungen  nicht  immer  mit  der  nothwendigen  Gründlichkeit  vorgenommen  werden.
Zunächftfeffelten  das  Intereffe  die  Gefäfse  aus  Yemeh,  den  Küftenländern  des
rothen  Meeres  und  von  Arabien.  Es  find  diefs  die  Gulleh,  Djerreh  und  Scherbe,
die  Bardak  und  Testis  aus  dem  Euphratthale,  oft  von  charakteriftifchen,  an  die
            
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