Die Thonwaaren-Induftiie.
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Aufser den beiden genannten Fabriken befchäftigt fich in Deutfchland
keine mit deren Erzeugung, weder in nennenswerther Quantität noch in gleicher
Güte. Die nöthigen mafchinellen Einrichtungen, die Schwierigkeit der Thon-
zufammenfetzung, welche bei verfchiedenfter Färbung doch gleiche Härte im
höchften Feuer erhalten müffen und gleichförmig dabei zu fcliwinden haben, um
lieh nicht von einander zu trennen, — Alles das find Bedingungen, welche nur
fchwer zu erzielen find und die grofse Erfahrung und ein eingehendes Studium
der zu verarbeitenden Thone erheifchen. Auch in diefer Induftrie wurde von
Boch der Verfuch gemacht die Gasfeuerung einzuführen. Die Schwierigkeiten,
welche hiebei zu überwinden find, müffen bedeutende fein, da wie verlautet,
vorderhand trotz mannigfacher Opfer kein günfliges Refultat erzielt werden
konnte.
Nicht in derfelben Weife, doch auf ähnlichem Wege erzeugen die Englän
der ihre fogenannten Enkauftik tiles, welche ihre Verwendung, fowie die Mett
lacher Platten weniger zur Wandverkleidung als zum Fufsboden-Beleg finden.
Leider ift die Ausflellung von manchen hervorragenden Plattenfabrikanten
nicht befchickt worden, fo blieb ihr Maw & Comp, ferne, der nach Minton wohl
die bette Waare, jedenfalls aber auch bedeutendere Mengen als erftere davon
erzeugt.
Die jüngften Verfuche im South-Kenfington-Mufeum haben die Vortreff
lichkeit der Mi nt o n’fchen Fabricate gezeigt. Auf dem Fufsboden der Eingangs
halle an den Tourniquets war, nachdem Hunderttaufende von Befuchern fie betre
ten hatten, keine Spur der Abnützung feiner Platten zu fehen, fie haben fich nicht
glatt gefchliffen und haben die aller anderen Fabriken überdauert.
Minton Hollins & Comp, erzeugen heute in ihrer feit zwei Jahren im
Betriebe flehenden neuen Plattenfabrik zu Stoke upon Trent Millionen von
Enkauftik tiles, deren Hauptmaffe aus Cornifh und Devonkaolin und einem feld-
fpathhaltigen Geftein, dem fogenannten Cornifh-Stone befteht. Unflreitig ift die
Präcifion der Arbeit, die Nettigkeit des Deffins von den Deutfchen noch
lange nicht erreicht. Während dort hydraulifche Preffen angewendet werden,
um die halbfeuchte pulverige Maffe zu comprimiren, wenden die englifchen Fabri
ken nur Spindelpreffen hiezu an, ähnlich jenen, die in dem Mafchinenraume der
Ausflellung (landen. Meift find die verwendeten Thone gelblichweifs und roth-
braun gefärbt, doch waren auch viele andere Farben auf den ausgeflellten Platten
zu fehen, welche jedoch alle die Bedingung hoher Feuerbeftändigkeit zu erfüllen
haben. Gute Effekte werden erzielt, wenn die fo eingelegten Platten mit einer
Glafur überzogen werden, welche den etwas matten Erdfarben erhöhtes Feuer
verleiht.
Robert Minton Taylor ift gleichfalls Specialift in der Erzeugung folcher
eingelegter Platten. Beide Firmen erzeugen neben diefen auch noch die bekann
ten Majolicaplatten, die anderen Orts zu erwähnen find. Hier fei nur auch noch
deren Mofaikwürfel gedacht, die in ähnlicher Weife, wie die Enkauftik tiles auf
kleinen Spindelpreffen aus faft ganz flaubtrockener Maffe geprefst und fofort in
Kapfeln gebrannt werden. Solche Mofaikwürfel bilden das Material zu dem foge
nannten permanent Fresco, von dem eine der allerbedeutendflen Ausführungen
«Tin grofsen Friefs der Albert-Plalle in London zu fehen ift. Es war vorzüglich das
Verdienft von Herbert Minton, das Verfahren vonProffer angewendet und vervoll
kommnet zu haben. Nur durch Proffer’s Methode der Preffung der Thone auf
trockenem Thone ift deren Schwindung, welche jede Platte beim Trocknen erlei
den mufs, zu umgehen, und die Möglichkeit geboten, einen fehr fetten, plaftifchen
Thon zu verarbeiten. Auf dem angedeuteten Wege gelingt es eben Platten her-
zuflellen, welche wie aneinander gefchliffen erfcheinen, die fcharfkantig und völlig
eben und, was mit die Hauptfache ift, von abfolut genau gleicher Gröfse find.
Natürlich vertheuert die koftfpielige Zubereitung des Thones und die forgfältige
Fabrication das Product. Zu Imitationen der glafirten Enkauftik tiles wurde