74
Dr. Emil Teirich.
Einige kleinere Fabriken, fo die von M o ft au e r in Eger und manche andere
ftellten meift unbedeutendere Gegenftände aus und befchränken fich gewöhnlich
auf die Erzeugung von WafferrÖhren, Abortfchläuchen und Aehnlichem in kleineren
Dimenfionen. Von grofser Bedeutung, namentlich für das nördliche Böhmen, ift
die Erzeugung der fteinernen Mineral-Wafferkrüge, die bei ßilin und Karlsbad
betrieben wird, und ganz erftaunliche Quantitäten zu billigften Preifen an die
Brunnenverwaltungen abgibt. Solche Krüge, aus weifsgrauer Maffe, die fich im
Oxydationsfeuer aufsen etwas roth färbt, find ftets mit Salz glafirt.
DAS PORZELLAN.
Die europäifche Porzellaninduftrie hatte zur Zeit ihres Entftehens nur
japanifche und chinefifche Vorbilder, aus denen der, bei Einführung des neuen
Stoffes herrfchende Rococoftil anfänglich abfolut nichts zu machen wufste. Keine
alte Tradition, kein Kunftftil als Vorgänger, diente zum Anfchluffe an Beftehen-
des. Die erften Porzellangefäfse, die nach Europa kamen und nur kofibare Prunk-
llücke, aber keineswegs Gebrauchsgegenftände waren, blickten fremd in die fie
umgebende europäifche Formenwelt.
Bekanntlich war der Apothekerlehrling Böttcher in Meifsen der Erfinder
des fogenannten rothen Porzellans um 1705 und des harten weifsen vier Jahre
fpäter. Er ifl der Begründer der Meifsner Fabrik, die von Seite des Staats durch
den Kurfürften von Sachfen im Jahre 1710 errichtet wurde.
Acht Jahre fpäter Unterzeichnete Carl VI. am 27. Mai 1718 zu Laxenburg
ein ausfchliefsliches kaiferliches Privilegium, durch welches die drei Inhaber, der
Holländer du Paquier, der ehemalige Werkmeifler Stenzei der Meifsner Fabrik
und ein Kunflarbeiter, Conrad Hunger, berechtigt wurden, „die durch ungemein
heimliche Wiffenfchaft, Mühe, Sorge, Fleifs, Gefahr und Unkoflen, ohne dafs das
Aerar im geringften etwas dazu vorfchiefsen durfte, erzeugte, feingemalte, gezierte
und auf allerhand Art fabricirte Porzellanmajolica und indianifches Geichirr,
Gefäfs und Gezeug, wie folche in Oftindien und anderen fremden Ländern
gemacht werden, allein zu erzeugen und fowohl imGrofsen als im Kleinen in den
gefammten Erbländern zu verkaufen“.
Die Wiener Fabrik begann demnach mit Privatmitteln zu arbeiten, zeigte
fich jedoch bald unrentabel und ging im Jahre 1744 unter Maria Therefia’s
Regierung in die Hände des Staates über. Trotz vieler Mängel, die diefem
Inftitute anhafteten, trotz der geringen Rentabilität feines gefchäftlichen Betriebes,
ift deffen erfolgte Auflaffung im Jahre 1865 tief zu beklagen. Die Wiener Fabrik
war die Pflanzftätte der öfterreichifchen keramifchen Induftrie, das Wiener Por
zellan hatte nicht nur einen eigenen, ganz originellen Stil gefchaffen, der dem
gewundenen Schnörkelwefen des Rococo einen Damm entgegenfetzte, fondern
leiftete in der Decoration der Flächen geradezu Bedeutendes durch Gründung
einer Porzellan-Malerfchule ebenfofehr, wie durch Einführung neuer technifcher
Verfahren. Eine Reihe der heften Kräfte waren fo herangezogen worden, Kunft
und Kunftfinn waren in der Entwicklung begriffen, die Saat früherer Weltausftel-
lungen begann auch in Oefterreich zu keimen und Wiens aufftrebende Architektur
hob und pflegte alles Kunftgewerbe ; man fah, es müffe ein Centrum, eine
Pflanzftätte des künftlerifchen Strebens gefchaffen werden, und man gründete
nach dem Vorbilde des South-Kenfington-Mufeums das öfterreichifche für Kunft
und Induftrie, aber man hob fall zu gleicher Zeit die öfterreichifche k. k. Porzellan-
manufatftur auf, zu einer Zeit, wo fie fo recht erft ihre fegensreiche und eine ton
angebende Thätigkeit unter dem Einfluffe der günftigeren Gefchmacksrichtung
hätte beginnen können.
Für wenige Plündert Gulden wurden die koftbarften Formen und Modelle
an einige Steingut- und Thonwaaren-Fabrikanten hingeworfen, und was noch