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Full text: Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

Die Thonwaaren-Induftrie. 
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bunter Farbe bemalt und defimirt. Der Effecl ifl ein vorzüglicher und weitaus 
beffer als der des Pompadourroth, das ähnlich verwendet wird, und jedenfalls 
auch mit eine feiner feinflen Farben darflellt. Ein fo zartes, milchiges Rofen- 
roth, wie auf den beiden kleinen ausgeftellten Vafen dürfte kaum noch gefun 
den werden. 
Erwähnenswerth ifl endlich noch ein Verfahren der Vergoldung des 
Porzellans, welches, wenn deffen Herflellung durch Verbefferung des technifchen 
Proceffes billiger zu flehen kommen wird, von bedeutendem Vortheile für das 
Nutzgefchirr fein kann. Um die Goldfchichte, welche bekanntlich nur allzuleicht 
vom glafirten Untergründe abzuwifchen ifl, auf welchem fie nur oberflächlich auf 
getragen liegt, haltbarer zu machen, wird an den Stellen, welche Vergoldung 
erhalten follen, mit Flufsfäure die Glafur aufgerauht, und fo dem Golde ein 
feiler Boden gefchaffen, in dem es mit Sicherheit fleht. Aber auch neue Effedle 
find mit diefem Verfahren zu erzielen, wenn man die Vergoldung über die 
geätzte Fläche fortfetzt und dann poliert, wobei das tiefer liegende Gold 
auf dem Aetzgrund matt bleibt. 
Der Totaleindruck endlich, den Minton’s Ausflellung macht, ifl ein 
fehr lobenswerther. Abgefehen von der Mannigfaltigkeit der technifchen Pro- 
ceffe, die er, unermüdlich nach Neuem ringend, einbürgert und vorführt, ifl 
deren künfllerifche Verwendung äufserfl gefchickt. Wir befprachen bereits die 
ausgezeichneten künfllerifchen Kräfte, übe* die Minton verfügt, wir können 
aber hinzufetzen, dafs er geradezu aus der ganzen Welt feine Modelle und 
Zeichnungen fammelt und befchafft. Gewifs untadelhaft flilvoll find wenige 
feiner Erzeugniffe, aber fie machen alle den wohlthuenden Eindruck eines in 
den richtigen aeflhetifchen Grenzen gehaltenen Naturalismus, aus welchem am 
eheflen vielleicht Moufille mit feinen Malereien heraustritt. Trivialität und 
ganz Unverflandenes wird aber auch an diefen Erzeugniffen niemals nachzu 
weifen fein. 
Immer mehr entledigt fich zuerft Minton, dann aber auch Worcefler 
des franzöfifchen Einfluffes, der von Sövres mächtig geübt, feit den Zeiten 
Georg IV., wo das S&vresporzellan zuerft nach England gelangte und dort clie 
verdiente Werthfehätzung fand, bis in die jünglte Zeit beftimmend auf die 
Stilrichtung wirkte. Wir haben fchon oft auf die gröfsere Selbflfländigkeit hinge- 
wiefen, mit der die englifchen Künfller eine eigene Richtung des decorativen 
Verfahrens einfchlagen. Was von der Farbe gefagt wurde, gilt auch von der Form, 
die meifl originell, nicht immer lobenswerth, aber doch nie geiftlos copirt 
erfcheint. Dafs diefe Sucht nach Emancipation, wefentlich unterflützt durch den 
Charakter des englifchen Volkes und deffen unleugbare Vorliebe für das Aufser- 
gewöhnliche und Bizarre, ab und zu auf Abwege führen mufs, ifl felbflvertländlich. 
Nur fo ifl es auch zu erklären, wie die unfehönen eckigen Formen gewiffer 
japanefifcher und chinefifcher Gefäfse und Nippes von Minton, mehr aber noch 
von der Worcefler Fabrik nachgebildet werden konnten, wobei aufserdem hierauf 
ein Fleifs verwendet erfcheint, der wahrlich einer befferen Sache werth 
gewefen wäre. 
Doch wenden wir uns zu dem reich gefüllten Glasfchrank der letzt 
genannten Fabrik. 
Die Royal porcelain works in Worcefler, wohl eines der älteflen 
englifchen Etabliffements, gegründet von Dr. Wall um 1751, alfo noch vor 
Wedgewood, flellten unter der Leitung Mr. Binns, des artiflifchen Diredlors, 
eine Reihe der verfchiedenflen Arbeiten aus, bei denen in ihrer Gefammtheit 
fchon fofort eine treffliche Formgebung und feine Ausführung des Modelles 
auffällt. Zwei grofse Vafen, die letzten Werke des bereits verflorbenen, in England 
hochgefchätzten Künfllers Bott, von denen wir bereits eine auf der Ausflellung 
im Jahre 1871 zu London fahen, find ganz ausgezeichnete Leillungen der Limoge- 
malerei, jener berühmten franzöfifchen Technik des XV. Jahrhunderts, weifs auf
	        
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