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Full text: Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2), offficieller Ausstellungs-Bericht

Die Thonwaaren-Induftrie. 
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würfe. Wenn nicht immer das Richtige dabei getroffen wird, fo liegt viel Schuld 
an der Sucht flets Neues zu bringen und der herrfchenden Gefchmacksrichtung, 
jeder momentan herrfchenden Mode des Londoner Publicums Rechnung zu 
tragen. 
Als dritter im Bunde unter den hervorragendften englifchen Firmen ift 
Copeland and Sons in Stoke upon Trent zu nennen. 
Das Streben nach der vorzüglichften Modellirung ift in allen Erzeugniffen 
diefer Firma anzuerkennen. Die ganz unübertroffenen Leiftungen derfelben in 
Parianmafie haben wir anderen Ortes wiederholt zu würdigen gefucht und erwäh 
nen hier nur noch, dafs auch fein Porzellanbisquit diefelben Vorzüge in der Form 
gebung aufweift. Die Sicherheit in der Behandlung des Figuralen veranlafst aber 
auch zur häufigften Anwendung desfelben bei allen Gelegenheiten als Decorations- 
moment für Gefäfse, Jardini^ren. Lampenvafen u. f. w. die meift nach Zeichnungen 
und Modellen von Abraham ausgeführt find. 
Ganz befonders fein find die Farben, welche Copeland auf feinem Porzellan 
anwendet, und die, wenn auch nicht immer gleich gut nuancirt wie die von Minton, 
doch ftets fehr rein im Ton und vorzüglich ffchön und gleichförmig im Aufträge 
find. Die farbige Decoration der Arbeiten Copelands, fobald es fich nicht um das 
Ueberziehen ganzer Flächen handelt, befchränkt fich im Wefentlichen auf Blumen 
malerei. Hurten ift einer der beften Maler diefes Genres. 
Lobenswerth ift endlich das Mafshalten bei Anbringung der Vergoldung, 
die ziemlich frei von jenen Fehlern ift, die wir gleich Eingangs als nur zu häufig 
vorkommend, zu tadeln hatten. Jedenfalls ift Müller, der Leiter der Vergolder 
arbeiten, von einem feinen Verftändniffe für die Anwendung diefes, fonft doch fo 
brauchbaren Zierathes für das Porzellan, begabt. Aufser den decorativen Gegen- 
ftänden bringt Copeland auch eine reiche Auswahl von fehr fchön gearbeiteten 
Kaffee-, Ihee- und Speifefervicen, die durch das ausgezeichnet feine und zart 
geformte Porzellan intereffiren, wenn darin auch fchon hinfichtlich der künft- 
lerifchen Behandlung nichts von Bedeutung geleiftet wird. Auch einige Porzellan- 
Verkleidungsplatten, fo namentlich ein Panneaux mit Blumenbouquets auf 
meergrünem Grunde find zu erwähnen, wie denn überhaupt nur die Decoration 
mit Pflanzenornament bei Copeland verdienftlich erfcheint, während alle andere 
Malerei, namentlich des figuralen Theiles fchwach genug ift. 
Die ganze Ausftellung Copeland’s macht einen freundlichen, eleganten 
Eindruck und erfreut, ohne die Kritik durch ein Verfolgen gewiffer bizarrer 
Richtungen herauszufordern. Ein felbftftändiges, bahnbrechendes Vorgehen, wie 
wir es bei Minton oder Worcefter fanden, ift nicht Copeland’s Sache, der' fich 
überhaupt gerne an die Erzeugniffe und die Technik der erftgenannten Firmen 
anlehnt. 
Einen guten Ueberblick über die Leiftungen der eben befprochenen 
drei Fabriken gab die Ausftellung von John Mort lock, welcher, felbft nur 
Händler, nicht unwefentliche Verdienfte um Hebung der englifchen Thonwaaren- 
Induftrie fich erworben hat, indem er für den ausgedehnteften Abfatz, nament 
lich der befferen, künftlerifch durchgebildeten Arbeiten thätig war. Manche 
Anregung zu Neuem, Vollkommenerem ift fo von ihm ausgegangen und war er 
in doppelter Hinficht den Firmen, die er vertritt von Nutzen. Seine Vitrine 
zeigt uns eine ausgewählte Colletftion, unter der wir die beften der vorhin 
befprochenen Erzeugniffe, fowohl in Porzellan als auch in Fayence fahen. Jeden 
falls wandert das Neuefte und Befte aus der Hand des Fabrikanten fofort in 
die Mortlocks. 
Eine andere Richtung fchlägt A. B. Dan i eil & Sohn ein, der mehr die 
currente Waare führt und hauptfächlich Coalport - Porzellan führt, deffen alt 
bewährter Ruf fortdauert. Seit 1751 exiftirt die Fabrication diefes Porcellans 
bei Brofely in Shropfhire und fchon um 1772 brachte Thomas Turner aus den 
damals fchon berühmten Worcefter Works die Kunft der Imitation des alt
	        
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