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Dr. Emil Teirich.
chinefifchen Porzellans durch tiefblauen Druck. Rofe, der Gründer der Coal
port Technik, war Turners Lehrling, gründete die Jackfield Pottery, vereinigte
fpäter die beiden und vergröfserte diefe durch Einbeziehung der Swanfea Works.
Noch heute ift John Rofe der gegenwärtige Befitzer der Fabriken von Coal-
port, ein hochgeachteter Induftrieller und Keramiker. Sein Porzellan ift treff
lich, meift allerdings für den Hausgebrauch als currente Waare beftimmt. Das
relativ Wenige, was Daniell, der zumeift diefes Coalportporzellan verfchleifst,
brachte, ift zu ungenügend, um einen vollftändigen Ueberblick über die Leiftun-
gen des bedeutenden Gefchäftes zu gewähren. Auffallend ift eine eigentümlich
decorirte Suite von Thee- und Kaffeefervicen, welche ein von Hand gemaltes
und mit vieler Mühe und Sorgfalt ausgeführtes indifches Shawlmufter tragen.
Dafs eine folche Decorationsweife unferen Begriffen einer Verzierung der kera-
mifchen Produdle bei Weitem nicht entfpricht, braucht nach all’ dem bisher
Gefagten wohl keiner weiteren Ausführung. Ebenfo wenig vermögen wir uns
mit der Idee zu befreunden, aus Blumenkelchen Kaffee zu trinken, mögen fie auch
noch fo naturwahr modellirt und colorirt fein. Wir heben hier gerade zwei der
augenfcheinlichften Mifsgriffe der Coalportfabrik hervor, um daran den Wunfch
zu knüpfen, es möge denn auch diefe mehr und mehr eine ftilvolle Decorations
weife adoptiren, was gerade hier am wichtigften wäre, da diefe Erzeugniffe
ihrer Billigkeit wegen am weiteften in alle Schichten der Bevölkerung dringen,
wo dort der gute Gefchmack auch in England feine Zufluchtsftätte ebenfo-
wenig gefunden hat, wie bei uns zu Haufe.
Wir übergehen die wenigen übrigen Ausfteller, von denen z. B. Pellat
and Wood nichts von irgend einer Bedeutung brachte und deren Aufteilungen
nicht einmal das Verdient! haben, ein richtiges Bild der currenten eng-
lifchen Porzellanwaare zu geben, und wenden uns zu Dänemarks Por
zellanen, welche gewiffermafsen zwifchen den englifchen und deutfchen Fabricaten
flehen.
Bing und Gröndahl in Kopenhagen imponirten im Rundgange der
Rotunde durch eine Ausftellung von wenigen Stücken, unter denen die beiden
Engelgeftalten in Bisquit nach Thorwaldfen hinfichtlich der Feinheit in der
Modellirung alles Lob verdienen. Es find diefs bedeutende Arbeiten und zeigen
befonderes Gefchick in Behandlung grofser Maffen. Schade, dafs ihr Bisquit von
einer fo kalten, kreidigen Farbe ift, ohne jede Spur des Warmen, Durchfchei-
nenden, welches uns in erhöhtem Mafse am Parian erfreut.
Zwei Porträtbüften, gleichfalls aus weifser Bisquitmaffe gebrannt, laffen
denfelben Mangel erkennen. Den Mittelpunkt der Ausftellung bildet eine, etwa
4Vs Fufs hohe Vafe von antikifirender, langgezogener Amphorengeftaltung mit
unendlich flau gehaltenem Colorit. Der fchwefelgelbe Körper und blafsviolette
Fufs würden übrigens noch fo ziemlich harmoniren, ftörte nicht das dunkle
Architekturftück den Effedl, welches mit einer ganz wirkungslofen, architekto-
nifchen Goldumrahmung von dem gelben Grund fall unvermittelt fleh abhebt.
Zwar ift das Bild felbft, das Innere der Peterskirche zu Rom darftellend, fehr
gut von Sörenfen gemalt und namentlich die Perfpedlive effektvoll heraus-
gebracht, aber doch trägt die ganze Ausftellung den Charakter einer erftarren-
den, trockenen Nüchternheit.
Einen befferen Eindruck macht die Sammlung des Porzellangefchirres
im Meifsner Gefchmacl^ eine Imitation eines beftehenden alten Services, im
dänifchen Transept. Wären nur die Farben um etwas brillanter gehalten, aber
die ganze Ausftellung macht fall den Eindruck des Ausgewafchenen. Dabei ift
das Porzellan felbft, obwohl von befonderer Weifse, doch etwas zu fchwer und
dick modellirt. Wir erwähnen diefer Uebelftände, ohne den trefflichen Erzeug-
niffen diefer alt renommirten Fabrik unfere volle Anerkennung zu vertagen, die
wir namentlich auch der Imitätion der alten S&vres-Service, blau auf weifs über
der Glafur decorirt, zufprechen. Das Porzellan felbft ift ein hartes.