Der Unterricht in der Gefchichte.
für den Gefchichtsunterricht, aber ein Werk, das eine Sammlung von Fragen
bildet, die ein Candidat des Lehramtes zu beantworten hat. The elementary and
complete Examiner or Candidates Affiftant bylfaacStone (New-York 1873)
enthält im neunten Abfchnitte Fragen aus der allgemeinen Gefchichte, und zwar
find diefelben nach Willard’s Univerfal Hiftory zufammengeftellt, fo dafs
diefe und die mit ihr auf gleicher Stufe flehenden Werke die Quellen fein dürften,
aus welchen die Lehramts-Candidaten ihr Wilfen zu fchöpfen haben. Als folche
ift zunächft zu nennen Willards United States Hiftory, fowie die Univerfal
hiftory mit Bildern, Karten und Fragen ausgeftattet. In derfelben Sammlung
erfcheint neben Berard’s hiftory of England, Ricord’s hiftory of Rome und
Alison's hiftory of Europe, auch Hanna’sBible hiftory undMarfh’s Ec de-
siafticalHiftory,fo dass wir voraussetzen dürfen, dass die Lehramts-Candidaten
der Bibel und Kirchengeschichte besondere Aufmerksamkeit zuwenden muffen.
Unferen M i 11 e lf c hu 1 e n entfprechen die Grammar Schools und
die Colleges, auch HighSchools. Die Pläne der Schulen von New-York
und Baltimore zeigen uns, wie der Gefchichtsunterricht auf die einzelnen Jahrgänge
vertheilt wird. In der achtjährigen Grammar School wird erft in der vierten Claffe
der Gefchichtsunterricht begonnen. In dem Normal College for Female in New-
York, das fechs Jahrgänge umfafst, wird Gefchichte nur in den erften drei Jahr
gängen gelehrt. In dem Plan des männlichen College of the City of New-York,
das zehn Claffen in fünf Stufen aufweift, erfcheint die Gefchichte nur auf der
zweiten und dritten Stufe. In der erften Stufe (Introductory department) wird
keine Gefchichte gelehrt und in den zwei oberften Stufen (Junior dass und Senior
Class) treten an die Stelle der Gefchichte Orationes. Auf die zwei mittleren Stufen
wird die Gefchichte derart vertheilt, dafs auf der zweiten Stufe (Frefhman
Class) im erften Term drei Stunden alte Gefchichte, im zweiten Term in eben
fo viel Stunden Mittelalter, auf der dritten Stufe (SophomoreClass)im erften
und zweiten Term mit je zwei Stunden Gefchichte der Neuzeit gelehrt wird.
Als Lehrmittel in der Gefchichte werden für die unteren Stufen der
GrammarSchools diefelben Lefebücher benützt, die bei der oberen Stufe der
Primary School erwähnt'wurden.
In den höheren Claffen der Grammar Schools und Colleges wird befonders
häufig das Werk Outlines of Hiftory by M. Wilfon (Ivifon Blakern and Taylor)
New-York 1872 gebraucht, was eben darum unfere Aufmerkfamkeit in hohem
Grade in Anfpruch nimmt. Die Anlage desfelben ift wefentlich von der unferer
Lehrbücher verfchieden. In denbeidenerften Abfchnitten wird ausfchliefslich
politifche Gefchichte behandelt. Gelegentlich, namentlich in der alten Gefchichte
werden Quellen angeführt. Karten und Zeichnungen find in den Text aufgenommen.
Befonders betont erfcheint die alte, dann die englifche und amerikanifche
Gefchichte, während Deutfchland fehr ftiefmütterlich bedacht ift. Der dritte
Theil des W T erkes führt den Titel „Outlines of the philofophy of hiftory“
und enthält vorherrfchend Culturgefchichte, fo z B. Civilifation der Egypter,
Affyrier, Babylonier, Griechen und dergl. Auffallend und zugleich bezeichnend
für die freifinnige Denkungsweife der Amerikaner ift der Eingang in diefe Philo
fophie der Gefchichte. Sie fcheuen fich nicht, an die Stelle der Bibel, die bei uns
noch in den meiften Lehrbüchern den Eingang in die Gefchichte bildet, die Refultate
der neuen Forfchung auf dem Gebiete der praehiftorifchen Zeit zu fetzen und
eröffnen die Culturgefchichte mit einer Schilderung der „Antediluvian World“.
Referent ift nicht in der Lage, die Trennung der Culturgefchichte von der
politifchen Gefchichte zu befürworten, da beide nur in ihrer Wechfelwirkung
verftändlich erfcheinen, aber dafs die Gefchichte nicht mit der Mythe eines ein
zelnen, uns fremdartigen Volkes, fondern mit den durch mühfame Forfchung
gewonnenen unwiderleglichen Refultaten der Naturwiffenfchaft über Entwicklung
der Erde und ihrer Bewohner zu beginnen habe, mufs jeder Unbefangene als
richtig anerkennen. Eine Beftätigung hiefür liefert die Thatfache, dafs ein d'eutfcher