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Full text : Der Unterricht in der Geschichte (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Der  Unterricht  in  der  Gefchichte.

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quellen,  „Monumenta  Germaniae“,  diente  dazu,  diefes  Bewufstfein  unter  den
Gebildeten  zu  nähren.  Mit  Vorliebe  warfen  fich  diefe  Kreife  auf  die  deutfcbe
Gefchichte  und  Literatur.  Das  Mittelalter,  die  Blüthezeit  des  deutfchen  Reiches
und  Volkes,  wurde  nach  allen  Richtungen  durchforfcht,  die  Quellen  hiezu  forgfältig
  gefammelt.  Pertz,  Böhmer,  Jaffe,  Potthart  edirten  das  kritifchgeficlitete
  Quellenmateriale.  Sollte  die  Jugend  nicht  auch  Kunde  erhalten  von  den
Gefchichtsquellen  ihrer  eigenen  Nation?  Es  war  und  ift  nur  ein  billige  Forderung,
dafs  auch  die  deutfche  Gefchichte  queIlenmäfsig  behandelt  werde.  Es
erfchienen  defshalb  die  Scriptores  rerum  germanicarum  in  usum
scholarum  von  Pertz  in  lateinifchen  und  die  Gefchichtsfchr  eib  er  der
deutfchen  Vorzeit  von  Grimm,  Pertz  und  Lachmann  in  deutfcher
Bearbeitung.  Auch  verfafste  Afsmann  in  Braunfchweig  ein  Handbuch  der  allgemeinen ­
  Gefchichte,  in  welcher  die  deutfche  Gefchichte  befonders  ausführlich  mit
Hinweis  auf  die  Quellen  abgefafst  ift.  Ob  aber  an  den  deutfchen  Gymnafien
wirklich  die  vorhandenen  Hilfsmittel  zur  quellenmäfsigen  Behandlung  der  vaterländifchen
  Gefchichte  benützt  werden,  und  welcher  Erfolg  auf  diefe  Weife  erzielt
„  wird .  ift  eine  Frage,  deren  Beantwortung  aus  den  zur  Ausftellung  gelangten
Berichten  nicht  erfichtlich  ift.  Doch  dürfte  die  Behauptung  nicht  irrig  fein,  dafs
es  in  Prima,  für  welche  das  Mittelalter  und  die  Neuzeit  und  iiberdiefs  eine  Repetition ­
  des  Alterthums  mit  Herbeiziehung  der  Quellen  vorgefchrieben  find,  an
Zeit  mangeln  dürfte,  auch  die  Quellen  des  Mittelalters  gebührend  zu  würdigen.

Frankreich.
Frankreich  hatte  feine  Lehrmittel  in  folcher  Weife  angeordnet,  dafs
man  mit  Leichtigkeit  einen  Ueberblick  über  diefelben  gewinnen  konnte.  So’  grofs
aber  die  Zahl  der  ausgeftellten  Lehrmittel  war,  fo  wenig  erfährt  man  über  deren
Benützung  und  die  mit  ihnen  erzielten  Erfolge.
Was  den  Unterricht  in  der  Gefchichte  anbelangt,  fo  wird  diefer
in  Frankreich  höchft  einfeitig  betrieben.  Man  fcheute  fielt  nicht  die,  Thatfache
zu  Gunften  Frankreichs  zu  fälfehen  und  erzeugte  dadurch  jene  Selbftüberhebung
der  Franzofen,  von  der  fie  felbft  durch  die  letzten  fchweren  Schläge  nur  zum
kleinften  Theil  geheilt  fcheinen.  Doch  bricht  fich  fchon,  wie  wir  aus  einzelnen
Verordnungen  der  letzten  Jahre  erfehen,  die  belfere  Einficht  Bahn.
In  den  öffentlichen  Primärfchu  1  en  (Enfeignement  primaire
public)  war  in  der  Kaiferzeit  kein  gefchichtlicher  Unterricht  vorgefchrieben,  es
war  nur  geftattet,  wo  örtliche  Verhältniffe  es  erlaubten,  die  Elemente  franzöfi
  fcher  Gefchichte  zu  lehren.  Doch  die  letzten  Ereigniffe  riefen  einen  voll
ftändigen  Umfchwung  hervor.  Ein  Circular  aus  dem  Jahre  1872  von  Gerard,  das
den  Lehrern  der  Volksfchulen  die  Matieres  d’Enfeignement  auseinanderfetzt,
fordert  nicht  blofs  eine  der  erften  Bildungsftufe  angemeffene  Behandlung  der
fränzöfifchen  Gefchichte,  fondern  fchiefst  weitüber  das  Ziel  hinaus,  indem  es  dem
Lehrer  zur  Pflicht  macht,  der  Jugend  die  Urfachen  der  Begebenheiten  entdecken
und  ihre  Folgen  ausfindig  machen  und  würdigen  zu  lehren  (lemaitre  s’efforcera
  d’en  faire  decouvrir  les  caufes  aux  eleves,  illeur  en  fera
egale  ment  rechercher  et  apprecier  les  confequences).  Die  Jugend
foll  das  mündlich  Mitgetheilte  fchriftlich  wiedergeben  und  der  Lehrer  foll  auf  der
Tafel  die  Karten  Frankreichs  in  den  wichtigften  Epochen  der  fränzöfifchen
Gefchichte  zeichnen,  eine  Forderung,  die  gewifs  nicht  leicht  zu  erfüllen  ift.  Wir
erblickten  mehrere  Lehrbücher  für  franzöfifche  Gefchichte  in  den  Volksfchulen,
fo  G.  Ducoudray  „premi&res  leqons  d’hiftoire  de  France“,  M.  A.  Mazin
„hiftoire  de  France  abregee“  in  neuer  Auflage  von  Condorcet  und  Petite
hiftoire  de  France“  par  M.  H.  Pigeonneau,  die  fpeciell  für  die  Volksfchulen
der  Stadt  Paris  bearbeitet  wurde.  —  Dafs  die  biographifche  Methode  fchon  in
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