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Dr Emanuel Hannak.
Oefterreichifch-ungarifche Monarchie.
Oefterreich.
Der Gefchichtsunterriclit nahm in Oefterreich fchon durch die Verfafsungs-
ändeiung im Jahre 1861, namentlich aber durch die im Gefolge der December
verfaffung vom Jahre 1867 erfchienene neue Volksfchul - Gefetzgebung vom
14. Mai 1869 einen gewaltigen Auffchwung.
Vorher war er von den Volks- und Bürgerfchulen und den Lehrerbildungs
anftalten faft ganz ausgefchloffen, und an den Mittelfchulen, wo er aufgenommen
wai, wurde er ungern gelitten oder dazu beftimmt, den Zwecken der Reacftion
zu dienen.
Seitdem aber nach dem Sturze Hohenwart*s das conftitutionelle Leben fich
fertigte und die Schule von dem Einfluffe der Kirche emancipirt wurde, gewann der
Geschichtsunterricht eine erhöhte Bedeutung und zeigte Sich auf diefem Gebiete
ein erfreulicher Fortfehritt. Ehe zur Befprechung der Methode und Hilfsmittel
iiir diefen Zweig des Unterrichtes gefchritten wird, möge noch der Ungleich-
mäfsigkeit der Schulverhälniffe in dem vielfprachigen Oefterreich gedacht werden,
in welchem Sich aber trotz allem Ungleichartigen etwas Gemeinfames, nämlich
der prädominirende Einflufs des deutfehen Bildungswefens nachweifen läfst.
Volks- und Bürgerfchulen.
Durch die neuen Volksfchulgefetze ift in den Volks- und Bürger
fchulen die Gefchichte im Allgemeinen, aber insbefondere die des Vaterlandes in
den Lehrplan aufgenommen, ja für die Bürgerschulen wurde mitErlafs vom 20.Auguft
1870 ein fyftematifcher Lehrgang fvorgefchrieben. In dem 1. Jahre find die wich
tigen Culturerfcheinungen des Alterthums, in dem 2. Gefchiche des Mittelalters mit
befonderer Berückfichtigung der vaterländifchen Gefchichte und im 3. Gefchichte
der Neuzeitbefonders der öfterreichifch-ungarifchen Monarchie zu behandeln.
Die Art und Weife der Behandlung ift aber eine verfchiedene. Zum Theile
wird kein befonderes Lehrbuch für diefen Gegenftand gebraucht und das
Wiffenswürdigfte aus der Gefchichte im Anfchluffe an die Lefebücher gelehrt.
Es mufs conftatirt werden, dafs nicht blofs die in der letzten Zeit erfchienenen
Lehrbücher von Mair, Niedergefäfs, Binftorfer, Deinhardt und Jeffen, Jacobi und
Mehl die Hiftorie reichlich bedachten, fondern dafs auch der k. k. Schulbücher
verlag in feinen Lehrbüchern dem neuen Bedürfniffe Rechnung trug und nament
lich in das 4. Lehrbuch in Gefchichtsbildern eine faft vollftändige Gefchichte
Oefterreichs aufnahm.
Doch find in der letzten Zeit auch befondere Lehrbücher der allge
meinen und öfterreichifchen Gefchichte entftanden. Solcher Art find der Leit
faden zur Gefchichte der Culturvölker des Alterthums von J. Ziegl Wien 1868.
desfelben Verfaffers Leitfaden zur Gefchichte der alterten Völker Europas Wien
1869 und Leitfaden für öfterreichifche Gefchichte Wien 1870; — dann der Leit
faden bei dem erften Unterrichte in der Weltgefchichte von Dr. E. Netoliczka,
Wien 1872 und desfelben Verfaffers Gefchichte der öfterreichifch-ungarifchen
Monarchie in 2. Auflage, Wien 1873■* — Grundrifs der Weltgefchichte von
K. Schubert 2. Auflage, Wien 1871, — Biographifche Bilder aus der Welt
gefchichte von M. Stein, Wien 18731 Gefchichte Oefterreich-Ungarns von
Cf Markus und das (wie Schubert) zunächft für Bürgerfchulen berechnete
Werk von W r . Ern ft, Lehrbuch der Weltgefchichte von dem bisher der
1. Band, der das Alterthum umfafst, erfchienen ift. — Neben den genannten
öfterreichifchen Werken flehen auch die für Mittelfchulen beftimmten
Lehrbücher von Gindely und Hannak, fowie in Deutfchland erfchienene
Leitfäden zum Beifpiel Weiter, Spiefs & Beriet namentlich an Bürger
fchulen in Gebrauch.