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Full text: Der Schreibunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

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J. Hüpfcher. 
Sogenannte Zierfchriften bringt der letzte Lithographen-Lehrling mit 
grofser Fertigkeit zu Stande; aber nur der gebildetfte Gefchmack eines Meifters 
fchreibt und flicht eine tadellofe Lateinfchrift. 
Sämmtliche fogenannte National-Handfchriften haben denfelben Werth 
wie etwa National-Münzen, Gewichte, Mafse und Coflüme; fie kommen meifl 
theuerer zu flehen als die allgemeine Tracht. 
Sprache und Kunfl find und müffen mannigfaltig fein, da der Menfchengeift 
in feinen unendlichen Geflaltungen fich in denfelben offenbart; aber die con- 
ventionellen Zeichen zur Lautfixirung, die reiner Mechanismus find, könnten wahr 
haftig ebenfo einfach, einheitlich und wahr fein wie die Photographie. 
Schreiben ifl ein Handwerk, und kann und foll wie jede andere mechanifche 
Fertigkeit fauber und gefällig ausgeführt werden; aber von der echten Kunfl des 
Zeichnens ifl die Kalligraphie eben fo weit entfernt wie die Photographie und 
andere Reprodudlionsarten. 
Nichts wäre daher gebotener, fowohl im Intereffe der Jugendbildung als 
der allgemeinen Lehreinheit, als in einem Generalcongreffe die Schriftzeichen 
ein für allemal zu fixiren, und nur nach diefem Normal-Schreibalphabete in fämmt- 
lichen Lehranflalten zu unterrichten. Nur fo könnte dem Unfug der ungezügelten 
Buchflabenkünflelei kräftig gefleuert und eine gediegene, praktifche, allgemein 
leicht leferliche Schreibfchrift erzielt werden. 
Wir haben beifpielsweife, von den Unterarten abgefehen, eine deutfche, 
englifche, nordamerikanifche, fpanifche und franzöfifche Lateinfchrift. Welch’ ver 
wirrender, nutzlofer Luxus ! Dann kommt die deutfche Current-, die griechifche und 
ruffifche Schrift — da gehört ja ein Viertel Lebenszeit dazu, um nur allein die 
europäifchen Schriftarten geläufig lefen zu lernen. 
Bevor wir auf die eigentlichen Schreibmethoden und deren Refultate, die 
Schülerfchriften eingehen, müffen wir von den Inflrumenten, Objedlen und Behelfen 
fprechen, welche die moderne Induflrie der fchreibenden Welt darbietet. Denn 
die Auswahl der Mittel und Werkzeuge find beim Schreiben ebenfo entfcheidend 
wie bei jeder anderen mechanifchen Fertigkeit auch. Und gerade beim Untertüchte 
ifl die Anleitung zu einer richtigen Abfehätzung und Auswahl der Werkzeuge von 
unbeflreitbar geifliger und formaler Bildung. 
Schliefslich wollen wir dabei der mehr oder minder gelungenen Verfuche 
gedenken, die von mafsgebender Seite gemacht wurden, um das ganze heutige 
Schreibverfahren zu vereinfachen, oder radical auf phoneto-flenographifchem Wege 
zu reformiren, beziehungsweife umzugeflalten. 
Subfellien. 
Die humanitäre Richtung, welche fich durch unfer gefammtes modernes 
Unterrichtswefen hindurchzieht, offenbart fich auch in den vielfachen Verände 
rungen und Verbefferungen bei Anfertigung von Schulbänken, Schreibpulten etc. 
Mit den Rückenlehnen haben die Schulbänke-Fabrikanten jedenfalls mehr 
dem Bedürfniffe entfprochen, als mit den Pulten oder Schreibplatten, die beinahe 
durchwegs zu fchräge gebaut find. Durch die lang andauernde fchräge Haltung 
der Hand, befonders beim Schnellfchreiben müffen die Finger durch den 
erfchwerten Blutzudrang nothwendiger Weife bald ermatten und fich überanflrengen, 
was bei einem planen oder nur wenig geneigten Pulte nicht der Fall ifl. Die 
Erleichterung, welche hiedurch dem Auge gewährt wird, ifl aber nur eine problema- 
tifche, und jedenfalls keine entfeheidende, da dem Uebelflande von „näher“ und 
„ferner“ auf fo kurze Diflanzen, als die Schreibzeilen find, durch das mäfsige und 
rhythmifche Vorneigen des freifitzenden Oberkörpers leicht abgeholfen werden 
kann. Das Kerzengrad- und Nagelfeflfitzen beim Schreiben ifl überhaupt nicht 
natürlich, fehr ermüdend für das Rückgrat und verleitet den Schreiber, bewufst
	        
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