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Full text : Der Schreibunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Der  Schreibunterricht.

D

Bedürfnifs  hinausgehend  fich  manifeftirt.  In  beiden  Fällen  jedoch  läfst  lieh  ihr
ein  rührender  Zug  und  ein  Ringen  nach  dem  Bellen  nicht  abfprechen.  Mögen
die  Nordamerikaner  noch  fo  gute  kaufmännifche  Rechner  fein,  für  Schule  und
Erziehung  leiften  fie,  gleichviel  aus  welchen  Urmotiven,  wahrhaft  Herzerfreuendes.
Beweis  deffen  das  amerikanifche  Schulhaus.  Ich  hoffe,  die  geehrten  Lefer
werden  es  mir  verzeihen,  dafs  ich  von  meinem  Gegenwände  abzukommen
fcheine;  ich  glaube  nicht,  dafs  diefes  der  Fall  fein  wird,  und  doch,  wie  wird
das  Gemüth  und  die  Seele  eines  alten  Schulmannes  erregt,  wenn  er  diefe  durchaus ­
  comfortable  Einrichtung,  mit  vielen  der  unferigen,  befonders  in  Kleinftädten
und  auf  dem  Lande  vergleicht!  Trotz  des  unbeftreitbaren  Anlaufs  zum  Beffern,
welches  unfer  gefammtes  Schulwefen  unter  einer  erleuchteten  Regierung  in  den
letzten  Jahren  genommen,  wie  viel  bleibt  uns  noch  zu  thun  und  zu  fchaffen
übrig,  bevor  wir,  Regierung  und  Volk,  dahin  gelangt  fein  werden,  und  zwar
nicht  blofs  in  Oeflerreich  allein,  fondern  in  Europa  überhaupt,  das  vorgefchrittene
  Deutfchland  nicht  ausgenommen,  unferen  gröfsten  Stolz  in  unfere
Schulen  zu  fetzen,  und  wären  die  Motive  unferer  diefsbezüglichen  Anftrengungen
  anfangs  auch  keine  rein  ethifchen,  fondern  einfache,  wohlberechnende
kaufmännifche  S  p  e  cul  ati  o  n.
Wir  opfern  ohne  Bedenken,  blofs  dem  natürlichen  Impulfe  unferer  felbftlofen
  elterlichen  Liebe  folgend  und  freudig  Hunderte  von  Gulden,  wenn  eines
unferer  theueren  Kinder  erkrankt,  aber  mit  der  Schule  knaufern  wir  noch  immer
entfetzlich,  und  doch  find  es  nicht  wenige  der  Kinderkrankheiten  und  oft
weit  über  die  Kinderjahre  hinausgreifend,  die  fich  die  Kleinen  eben  in  den
überfüllten  und  zu  wenig  beachteten  Schulen  holen.  Würden  wir  nur  den  vierten
Theil  von  dem  für  Schule  und  Erziehung  opfern,  was  wir  jährlich  für  durchaus ­
  leicht  entbehrliche  Bedürfniffe  ausgeben,  wahrlich  wir  könnten  Paläfle
unferen  Kindern  bauen,  und  die  bewährteften  Lehrkräfte  nicht  nur  angemeffen.
fondern  glänzend  honoriren.  Wer  dabei  am  meiften  gewänne?  Der  Staat  als
Ganzes  und  wir  felber,  jeder  Einzelne.
Die  Schreibtheken  haben  durchwegs  gutes  halbglattes  Papier  und  find
theils  mit  Vorfchriften  und  Lineatur  verfehen,  theils  nicht.  Eine  gewiffe  Sorgfalt ­
  für  die  Bedürfniffe  des  Schreibers  ift  überall  wahrzunehmen.  Der  Gebrauch
der  Goldfeder  fcheint  nach  den  Refultaten,  wie  fie  fich  in  den  maffenhaft
exponirten  Schriftproben  der  Schüler  und  Schülerinen  der  nordamerikanifchen
Schulen  manifeftirt,  ziemlich  verbreitet  zu  fein,  da  die  Goldfedern  ziemlich  hartfpitzig
  und  lange  nicht  fo  elaftifch  find,  wie  z.  B.  die  englifchen  Stahlfedern,
oder  gar  das  Wiener  Fabricat  von  Carl  Kuhn.
C.  Southerland  aus  Baltimore  brachte  fehr  nette  linirte  Schülerhefte
mit  Vorfchriften  unter  dem  Titel:  Patent  Copy  Buk.  Die  Methode  ift  die  des
National-Syftems.  Das  Papier  ift  weifs,  halbglatt  und  die  Schriftmufter  tadellos
ausgeführt.
Schiefertafeln  waren  in  mehreren  Gattungen  gut  vertreten.
J.  L.  Rafs  aus  Bofton  ftellte  eine  Colledlion  verfchieden  linirter  Schul-Schiefertafeln
  mit  auf  den  hölzernen  polirten  Einfaffungsrahmen  angebrachten  unverlöfchlichen
  Vorfchriften,  Zahlen  und  verfchiedenen  Zeichnungen  als  verkäuflich
aus.  24  Stück  zu  14  fl.  öfterreichifcher  Währung.  Der  Gedanke  ift  neu  und  praktifch,
fowolil  für  das  lernende  als  fpielende  Kind.  Das  Material  ift  fehr  gut
präparirt.
F.  Soehner  aus  Hamilton  (Ohio)  ftellte  gute  Schiefertafeln  mit  einem
finnreich  ausgedachten  Patentlineal  aus.  Diefes  befteht  in  einer  Vorrichtung,  die
es  ermöglicht,  viele  theils  einfache,  theils  doppelte  Linien  auf  einmal  über  die
Tafel  zu  ziehen,  und  da  die  Zeilenfurcher,  die  in  convex  nach  aufsen  gebogenen
Drähten  beftehen,  feft  find,  fo  geben  fie  Zeilen  von  ftets  gleichen  Diftanzen.
Die  Schreibfedern  betreffend,  haben  die  Vereinigten  Staaten  nur  ihre
Gold-Schreibfedern-Erzeugniffe  zur  Weltausftellung  gebracht  und  zwar  waren  meh-
            
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