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Full text : Der Schreibunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

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J.  Hüpfcher.

Portugal.
Wie  fleh  die  moderne  Idee  von  der  hochwichtigen  Bedeutung  der  Volksfeinde ­
  bei  Regierungen  und  Völkern  fiegreich  Bahn  bricht,  davon  gab  das  portugiefifche
  Schulhaus  einen  fprechenden  Beweis.  Noch  gegen  Ende  des  vorigen
Jahrhunderts  konnten  kaum  zehn  Percent  der  Bevölkerung  lefen  und  der  gefammte
Unterricht  lag  ausfchliefslich  in  den  Händen  desClerus.  Steht  Portugal  auch  heute
noch  nicht  auf  der  hohen  Stufe  der  Volkserziehung,  wie  etwa  die  Schweiz,
Deutfchland  u.  f.  w.,  fo  zeigt  es  doch  Ernft  und  Eifer,  das  Mögliche  zu  thun  oder
wenigftens  anzubahnen.
Schreibmethoden  Heilten  aus:  J.  Wager-Ruffe  1,  Collecgao  de
pantas  Calligraphicos,  methodo  rapido  d’aprender  a  escrever  femmeftre.  Methodifch
  geordnet  ift  diefes  Syftem  nach  unferen  Begriffen  durchaus  nicht;  die  Schrift
ift  gut  und  zeigt  von  grofser  Formgewandtheit  und  bei  einfacher  Behandlung  von
gutem  Gefchmack.  Schriftproben  nach  diefem  Syftem  fanden  fich  in  zu  geringer
Zahl  vor,  um  ein  endgültiges  Urtheil  über  deren  Werth  feftzuftellen.
Godinho  aus  St.  Sebaftian  brachte  Vorlagen  und  Schriftproben  von
Schülern.  Leider  konnten  wir  diefe  Objetfte  nicht  näher  durchfehen,  da  der
Schlüffel  zur  Lafette,  in  welchem  fie  eingefchloffen  waren,  fich  niemals  vorfand.
Schriftproben,  zum  Theil  recht  fliefsend  und  ausdrucksvoll  gefchrieben,
fanden  wir  aus  der  Real  cafa  pia  in  Liffabon,  Afilo  de  Pedro  V.  dafelbft,  Communalfchule
  dafelbft,  National-Lyceum  in  Braga  u.  m.  A.
Schreib-Schiefertafel  von  hübfeh  glatter  Oberfläche  in  Holzrahmen
hat  Francisco  Lopes  dos  Santos  Manilho,  Volongo,  ausgeftellt.  Die  Kork-Feder
  nh  a  11  e  r  mit  Holzkapfel  find  empfehlenswerth.
Schreibpapiere,  zum  Theil  von  fehr  guter  Qualität  brachte  Conto  Joaquim
  de  Sa.  F  eira,  Dias  Manuel  J.  Goes,  Falcad  L.,  F.  P  en  e  11  a,  G.  &  H.
Fr  ad  effo,  Liffabon,  Vi  11  a  No  va  Vicomte  de  la  Rainha,  Liffabon.
Subfellien  mit  abgefonderten,  fetten  Stühlen,  Schublade,  Federnfurche,
verfchiebbarem  Verfchluffe  des  Tintenzeuges  und  einer  Spalte  zum  Hineinftellen
der  Schiefertafel  mit  wenig  geneigter  Schreibfläche  fanden  fielt  im  Schulhaufe.

Spanien.

Gewiffe  Wörter  und  Redensarten  werden  fo  ftereotyp,  dafs  ernfter  Wille
und  Vorurtheilslofigkeit  des  Geiftes  dazu  gehört,  fie  in  ihrer  abgeftandenen  Schalheit ­
  zu  entlarven,  gerade  fo,  wie  Menfchen,  die  fielt  eines  unverdienten  fchlechten
oder  auch  guten  Rufes  erfreuen,  bis  ein  unwiderleglicher  Beweis  das  cerade
Gegentheil  documentirt.  So  ift  bei  uns  das  Wort  fpanifch  rein  zur  Schablone  für
Unverftändliches  und  Unverftandenes  geworden.  Der  Weltausftellung  in  Wien
blieb  es  Vorbehalten,  das  Unhaltbare  unferer  fchiefen  Anfichten  über  diefes  Wunderland ­
  zu  corrigiren,  und  was  den  Hunderten  von  Reifebefchreibungen  nicht
gelang,  das  hat  das  grofse  Wunderwerk  im  Prater  fchlagend  bewiefen.
Spanien,  einer  der  intereffanteften  und  wenigft  gekannten  Culturherde
Europas,  hat  uns  im  wahren  Sinne  überrafcht  durch  die  Grofsartigkeit,  den
Gefchmack,  die  Reichhaltigkeit  und  die  treffliche  Dispofition  feiner  Ausftellung.
So  mancher,  der  mit  einem  gewiffen  Nafenrümpfen  diefe  Räume  betrat,  ift  vollauf
befriedigt  und  reich  belehrt  von  dannen  gegangen  und  Vieles  ift  ihm  eher  „fpanifch.,
vorgekommen,  als  Spanien  felbft.  Freilich  branden  die  Wogen  am  heftigften  da,
wo  ihnen  die  ftairften  Hinderniffe  entgegenragen;  doch  über  den  endlichen  Sieg
im  Kampfe  zwifchen  Geift  und  f  orm  kann  heute  nicht  mehr  geftritten  werden.
            
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