Der Schreibunterricht.
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Leider ifl es uns nicht gegönnt, uns über das ausgedehnte Culturfeld, welches diefes
Land vor unferen Augen entrollt, weitzu verbreiten, und wirmüffen in denbefcheidenen
Kreis unferer abgegrenzten Pflicht zurückkehren. Spanien hat feine eigene
Schreibmethode und hat fie ga^iz gut zur Anficht gebracht. Wir find mit den fpanifchen
Schriftformen aber nicht einverftanden, weil fie durch die abweichende Bildung
der lateinifchen Grundformen nicht die Lefe-Einheit befördern, fondern fo wie
die Franzofen mit ihrer Ronde bedeutend flören, ein Vergehen, das aller Nationalhochmuth
nicht ausgleichen kann; aber Methode, Entwicklung, Anordnung und
Gefchmack trotz der bizzaren Formen ihrer fogenannten efcritura iluftrada mufs
den fpanifchen Schreiblehrern durchaus vindicirt werden. Die mönchifchen Verkrüppelungen
der lateinifchen Druckfchrift haben auch die Spanier fchon
längft aufgegeben und bedienen fleh feit lange keiner ,.Fra<5lurfchrift“ mehr, diefe
Formenthorheiten uns Deutfchen iiberlaffend, die wir uns noch, weifs Gott was,
darauf einbilden. Die folgenden Herren Schreiblehrer betheiligten fleh an der
Weltausflellung theils mit ihren Vorfchriften allein, theils mit in den Schulheften
entwickelten Schreibmethoden: Die Patres der öffentlichen Unterrichtsanftalten in
Yeöta; diefe Herren verquicken Schreiben und Zeichnen auf eine rügenswerthe
Weife. S. de Vicente y Odone, Profeffor und Dire<5lor der Schreibakademie (?!)
in Madrid. Herr Odone ifl; löblich bemüht, die lateinifche Curflvfchrift einzuführen,
und feinen Landsleuten mundgerecht zu machen, Reforma de Letras und Mercantilfchrift
benannt. Joaquim Aleixandre, Direktor einer Privat-Lehranflalt in
Madrid. Xifra N. Gero na mit einer mittelmäfsigen Methode der neugriechifchen
Schrift. D. P. Solls aus Valencia. Julian Vihas und Juan Gangoiti aus
Madrid. Pablo Urunuela in Madrid, eine der bellen Methoden und corredteften
Schriftformen. Francisco Ruiz Morota, fehr gute Methode, fchöne Schrift.
Antonio Caftilla in Madrid, Methode und Schrift gleich brav. Francisco Paula
G o n z a 1 e s aus Valencia, Mufteranordnungen für Schriftftücke, ein Unterrichtszweig,
der nicht genug zu empfehlen ifl, da oftmals die bellen Schüler in Verlegenheit
gerathen, wenn fie einen einfachen Brief zu fchreiben haben* oder ein
Conto auffetzen follen.
Schreibpapiere von ausgefprochen guter Qualität und verhältnifsmäfsig
billigem Preife Heilte Spanien in der füdlichen Quergalerie in ziemlich reicher
Auswahl aus. Trotzdem fanden wir die meillen Schreibtheken aus inferiorem
P'abricate gefertigt, was bei dem Gebrauche der fpanifchen Schriftformen freilich
wenig verfchlägt, da fie nur.mit ftumpffpitzigen Federn gefchrieben werden können.
Für die gewöhnliche lateinifche Curflvfchrift werden indeffen durchwegs beffere
Papierforten verwendet.
Subfellien fanden fleh nur in Abbildung von Manuel da Sure da; fie
boten nichts Bemerkenswerthes und glichen in der Hauptfache den portugiefifchen.
Mit hoher Befriedigung und dem Wunfche, es möge fleh die lateinifche
Curflvfchrift bald allenthalben Bahn brechen, verliefsen wir die lehrreichen Räume
des fpanifchen Pavillons.
Schweden und Norwegen.
Gefegnet fei das Volk, welches feine höchfle Miffion begreift, und nicht
nur begreift, fondern fleh löblich fl bemüht, dem Begriffe die dhat, foweit feine
Kräfte reichen, frifch und freudig folgen zu laffen. Und welch höheie Miffion
könnte ein denkendes Volk haben, als diejenige für die fletig fortfehreitende
geiftige Entwicklung feiner felbfl und feiner Kinder zu forgen? Darin liegt die
Kraft, der Wohlfland der künftigen Gefchlechter, darin im wahren Sinne des
Wortes die hohe Idee der Unflerblichkeit des Geifies. Denn nicht durch die
natürliche Abftammung fühlen fleh die künftigen Gefchlechter mit den dahingegangenen
verbunden, fondern durch den Geifl und deffen hohes Wollen und edles