Der Schreibunterricht.
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Dafelbft fanden wir „Fink’s Schreibfchule“ aus den dreifsiger Jahren Wiens.
Wir wollen auch hier von den Zierfchriften abfehen, die fich denn mehr oder
weniger überall gleich bleiben und nur erwähnen, dafs fowohl die deutfche als
lateinifche Schrift methodifch vorfchreitend, vielleicht allzu minutiös bei der Zer
gliederung der Buchftabenformen einen ausgezeichneten Schreiber und trefflichen
Lehrer documentiren. Von Uebertreibungen ift F ink’s Methode frei. Die Latein-
fchrift befonders ift kräftig und edel. . 41 , .
Ein anderes kalligraphifches Klofterprodu<ft bot die „Additionelle Abtliei-
hing“ in den fpärlichen fchriftlichen Arbeiten der Urfolinerinen aus Kuttenberg in
Böhmen. Die Methode ift manierirt und eine Unzahl von langen fpiefsähnlichen und
ganz überflüffigen „Zügen“ bedecken die fonft nicht ungefälligen Schriftformen.
Schriftmufter für Techniker jeder Art nebft wundervollen kalligraphifchen
Arbeiten exponirte J. Schrotter, zum Theile in der Abtheilung für gra-
phifche Kunft. J. W i n k 1 e r in Wien wurde durch eine Schülerin-Schrift repräfen-
tirt; wenn man aus den Refultaten auf die Motoren zu fchliefsen berechtigt ift, fo
ift diefer Schreibmeifter aller Anerkennung werth, fowohl was die Formgebung,
als die gefchmackvolle Dispofition betrifft, W, Albel’s Vorfchriften documen
tiren einen tüchtigen Fachmann und guten Deutfchfchreiber; deffen Latemfchrift
fteht nicht auf der Höhe der Kunftfchriften. Friedrich Sandtner’s Vorlagen
boten nichts Bemerkenswerthes. Muck’s Schreibhefte zeichnen fich durch gutes
Papier und hübfches Format aus. Die Schreibhefte mit Vorlagen von J. F itchs
find billig, doch von fehr mittelmäfsigem Papie'r. Die Schreibhefte von Muffil
empfehlen fich durch gar nichts. ..
\n Schulbänken fanden wir mehrere Mufter. Die preiswürdigfte iftunftreitig
die von Ernft Gatter aus Simmering bei Wien, deffen Schulbank, was Zweck-
mäfsigkeit und vielfeitige Brauchbarkeit betrifft, ein wahres „en tout cas“ ift.
Das Staats-Gymnafium in der Rofsau exponirte eine treffliche Schulbank
für erwachfene Schüler; nur fcheint uns die Schreibplatte für die Hand etwas zu
hoch zu liehen. „ , , _ , .
Eine fehr empfehlenswerthe Arbeit ift die Volksfchul Bank aus Theesdorf
in Oberöfterreich. Dasfelbe gilt von der Mufter-Schulbank J. Grüllmeyer’s
aus Wiem ^ gchulbank mi( . trefflicher Vorrichtung zum Höher- und Tieferfchrauben
der Schreibplatte von den Gebrüdern Ofterfetzer in Wien ausgeftellt, wurde
die Ehre zu Theil, vom Unterrichtsminifterium angekauft zu werden.
Von Schreibtafeln für Schulkinder find befonders hervorzuheben die Spar
hefte von J Fuch s und P. A. K r u f s in Wien. Ferner die elaftifchen Schiefertafeln
von L. Hardtmuth & Comp, in Wien, ebenfo die eigens von diefen drei Aus-
ftellern hergerichteten Sparftifte, die weich und weifs angehen.
S tahl-Schreib fe dem. In der XI. Gruppe fanden wir als einzigen Aus
Heller von fabriksmäfsig felbfterzeugten Stahl-Schreibfedern und Federnhalter
die gefchmackvoll arrangirte Expofition von Carl Kuhn & Comp, in Wien.
Wir Hellen die Fabricate des Herrn Kuhn unbedenklich nicht nur neben,
fondern zum Theil über die englilchen Stahlfedern. Die Aluminiumfedern, die
Federn Greiner, Klaps, Dörfler, die Correfpondenzfedern fuchen ihresgleichen,
und die enorme Auswahl an Gattungen bietet jeder Hand und gewohnten
Haltung jedem Temperament fo gediegene, elaftifche und dauerhafte Schreib-
federn dafs einmal verfocht, fich kaum Jemand entfchliefsen wird, es mit anderen
Federn zu verbuchen. Aufser der Iridium-Goldfeder kennen wir kein Fabncat, das
fich mit dem Kuhn’fchen an Dauerhaftigkeit meffen könnte, da bei einer etwas
vorfichtigen Behandlung (und vorfichtig miiffen ja auch die fogenannten Goldfedern
behandelt werden) eine einzige Feder durch 8 bis io Tage dienen kann, während
die gewöhnlichen Dutzendfabricate kaum für einen, höchftens zwei Tage aus
reichen. Leider findet man von diefem trefflichen Fabricate eine Unzahl von
Imitationen oder gefälfchten Nachahmungen, die meift etwas billiger als das