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Full text : Leder (Gruppe VI, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

Leder.

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Gerberei  geprüft  werden  könnten,  womit  gleichzeitig  eine
Bildungsanftalt  für  angehende  Gerber  zu  verbinden  wäre,  die
tüchtige  und  gebildete  Gerber  fc  hoffen  würde,  diewiffenfchaftlich
  und  praktifch  ausgebildet,  neuen  Ideen  zugänglich,  auch
die  Fähigkeit  haben  würden,  fe  1  b  e  praktifch  zu  verwerthen.
Sollte  diefe  Idee  zweckmäfsig  ins  Leben  gerufen  werden,  fo  dürfte  wohl
bei  einer  nächften  Weltausftellung  der  Bericht  über  die  Ledererzeugung  anders
lauten  als  bisher,  wo  es  in  jedem  Berichte  hiefs,  es  wird  beffer  zugerichtet,  es  wird
fchöner  gearbeitet  als  früher,  aber  heute  wird  noch  gegerbt  wie  vor  hundert  Jahren,
und  heute  wie  vor  hundert  Jahren  gilt,  um  gut  zu  arbeiten,  der  Grundfatz:  Viel  Zeit
und  viel  Lohn.
Die  als  Lohproben  ausgeftellten  Rinden  gehören  in  die  Gruppe  II,  die
uncomplete  Sammlung  von  Vallonea  und  Knoppern  in  dem  Pavillon  des  Welthandels
gleichfalls.  Was  fonft  an  Gerbematerialien  der  exotifchen  Länder  ausgeftellt  war,
hat  für  unfere  Verhältniffe  wenig  Werth.  Unverftändlich  in  ihrer  Form,  felbft
in  Namen  oft  nicht  richtig  angegeben,  kennen  wir  deren  Wirkung  nicht  und
waren  auch  nicht  im  Stande,  folche  auf  der  Ausheilung  zu  unterfuchen.
Wenn  wir  fomit  auf  die  Berichterftattung  über  ausgeftellt  gewefene  Gerbematerialien ­
  verzichten  müffen,  fo  können  wir  doch  nicht  umhin,  bei  der  grofsen
Bedeutung,  welche  diefe  Erfindung  für  die  gelammte  Lederinduftrie  hat,  auf  das
von  der  königlich  preufsifchen  Staatsforft-Verwaltung  ausgeftellt  gewefene  Modell
des  Jofef  Mai  t  re  ’fchen  Dampfentrindungs-Apparates  und  auf  die  Proben  von  mit
demfelben  gewonnenen  Rinden  und  insbefondere  auf  die  beigegebene  Brochure
des  Profeffors  Dr.  C.  Neub  au  er  in  Wiesbaden  aufmerkfam  zu  machen.
Bereits  auf  der  Parifer  Weltausftellung  war  der  Mai  tre’fche  Apparat  ausgeftellt ­
  und  erregte  gerechtes  Auffehen,  jedoch  in  fehl*  verfchiedener  Richtung.
Während  die  Einen  darin  eine  complete  Umwälzung  des  bisherigen  Schälverfahrens
erblickten,  hielten  Andere  die  Erfindung  für  reinen  Schwindel.
In  richtiger  Würdigung  der  Wichtigkeit  der  Sache  liefs  die  königlich
prcufsifche  Regierung  zu  Wiesbaden  eine  genaue  Prüfung  derfelben  anftellen,  deren
Ergebnifs  das  erwähnte  Werk  ift.  Es  heifst:
Die  Schälung  von  Eichenrinden  zu  jeder  Jahreszeit,  vermitteln  Dampf  nach
dem  Syftem  von  J.  Mai  tre.  Im  Aufträge  der  königlich  preufsifchen  Regierung
zu  Wiesbaden  forfttechnifch,  chemifch  und  durch  Gerbverfuche  geprüft  von  Dr.  C.
Neubauer,  Profeffor  in  Wiesbaden,  W.  Wohmann,  kaiferlicher  Forftmeifter  zu
Metz  und  C.  A.  Lotichius,  Lederfabrikanten  zu  St.  Goarshaufen  am  Rhein.
Wiesbaden  C.  W.  Kreidl’s  Verlag.
Die  Refultäte  diefer  Unterfuchungen  ,  welche  namentlich  bezüglich  der
chemifchen  Unterfuchungv  viel  Intereffantes  und  Neues  bieten,  ftellen  feft,  dafs
1.  die  chemifchen  und  praktifchen  Refultate  bezüglich  des  Gerbeftoff-Gehaltes
  der  Eichenrinden  (ich  in  Uebereinftimmung  befinden,  dafs  nämlich  die
Qualität  des  Leders  dem  durch  chemifche  Unterfuchungen  feftgeftellten  Gerbeftoff-Gehalte
  der  Rinden  entfpricht;
2.  der  Gerbftoff-Gehalt  diefer  Rinden  während  der  verfchiedenen  Jahreszeiten ­
  keinen  fo  erheblichen  Schwankungen  unterliegt,  dafs  diefelben  bei  der
Lederfabrication  in  die  Wagfchale  fallen;
3.  der  Gerbftoff-Gehalt  durch  das  Schälbarmachen  der  Rinde  durch  Dampf
nach  den  chemifchen  Unterfuchungen  fowohl  als  nach  den  Gerbverfuchen,  namentlich ­
  auch  von  dem  im  Winter  gefällten  und  im  darauffolgenden  Frühjahre
gefchälten  Holze,  keine  Einbufse  erleidet;  fomit
4.  die  Dampf-Schälmethode  nach  diefen  Richtungen  hin  für  die  Lederfabrication ­
  keinen  Bedenken  unterliegen  kann.
Die  mit  Dampf  gefchälten  Rinden  gegerbten,  mit  ausgeftellten  Leder  waren
fehr  fchön  gegerbt.
            
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