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Full text: Das Hüttenwesen (Gruppe I, Section 2 und 3), officieller Ausstellungs-Bericht

Das Hüttenwefen. 
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früher an mehreren Orten durchgeführt wurde, ergab keine gewünfchten Refultate, 
weil kein Ofenmaterial gefunden werden konnte, welches der Einwirkung der 
meill ziemlich eifenoxydulreichen Schlacke entfprechend widerftand. Die Ent 
kohlung wurde foweit als möglich getrieben, und dann mittelft manganhältigen 
Spiegeleifens bis zum gewünfchten Härtegrade zurückgekohlt. 
Nachdem man diefen Ofen, der zur Durchführung des Siemens-Martin- 
Proceffes ganz vorzüglich ift, als nicht ganz entfprechend gefunden hatte, baute 
Siemens den fogenannten Cascadenofen, in welchem Erze mit Flufsmitteln 
auf der höheren, der Gaseinftrömung näher gelegenen Ofenfohle eingetragen, ein- 
gefchmolzen und in die zwei tiefer gelegenen Ofenabtheilungen abwechfelnd 
abgelaffen wurden, worauf Kohlenftoff haltende gepulverte Materialien, welche mit 
Erzklein gemifcht waren, eingetragen, und mittelft Krücken eingerührt wurden. 
Nach und nach erfolgte die ReadHon, die Eifenoxydate wurden reducirt und das 
Eifen durch Handarbeit zu einer Luppe geformt, ausgenommen und auf die 
gewöhnliche Weife gezängt. 
Bei all diefen Verfuchen zeigte fich aber, dafs die Reaktion erft dann voll 
kommen erfolgt, wenn das Erz früher vollkommen eingefchmolzen ward. Selbft 
die Anwendung von früher reducirten Erzen führte zu fchlechteren Refultaten, 
als die waren, welche durch Reducftion des Eifens in bereits gefchmolzenen Erzen 
erzielt wurden. Wenn die Refultate, welche mit Hilfe des Cascadenofens erreicht 
wurden, auch gerade nicht fchlecht waren, fo war doch mit diefer Arbeit noch 
der Uebelftand verbunden, dafs viele Handarbeit, ähnlich wie beim gewöhnlichen 
Puddlingsproceffe erforderlich war, wefshalb Siemens fchliefslich auf die 
Anwendung von rotirenden Oefen überging. 
Die Schwierigkeiten, welche fich bei Anwendung von rotirenden Oefen 
überhaupt herausftellten, wurden bei der diretften Verarbeitung der Erze noch 
empfindlicher; es war beinahe nicht möglich ein Materiale zu finden, welches 
gleichzeitig die hohe Temperatur aushielt, und der Einwirkung der Schlacke, 
den Eifenfilicaten, widerftehen konnte. Endlich fand Siemens, durch Herrn 
Le Chatelier aufmerkfam gemacht, in den Bauxiten ein Materiale, welches den 
Anforderungen noch am beften entfprach. 
Die befferen Sorten von Bauxiten enthalten, nach einer grofsen Anzahl 
von Analyfen, welche Siemens gibt, im gebrannten Zuftande nahezu 60 bis 80 
Percente Thonerde, 2 bis 8 Percente Kiefelerde und den Reft an Eifenoxyd. Diefe 
gebrannten Bauxite werden nur mit fo viel Percenten feuerfeften Thones angemacht, 
um eine bindende Maffe zu geben, mit welcher der rotirende Ofen ausgekleidet 
werden kann. Ein Zufatz von fünf bis fechs Percent Graphit dient dazu, bei der hohen 
Temperatur das Eifenoxyd des Bauxites zu reduciren, um auf diefe Weife einer Ver- 
fchlackung vorzubeugen. Diefe Auskleidung vonBauxit wird dann noch mit einei dün 
nen Schlackenkrufte überzogen, und wird diefe Ausfütterung während des Gebrau 
ches fo feft, dafs fie auch der mechanifchen Abnützung gut zu widerftehen vermag. 
Der Verlauf des Proceffes ift etwa folgender: 
Ein rotirender Ofen von etwa neun Fufs Länge und heben Fufs fechs Zoll 
Durchmeffer wird, nachdem er durch Regenerativfeuerung bis zur Weifsglüh-Hitze 
erwärmt wurde, mit zwanzig Centner von etwas über fechzig Peicent Eifen halten 
den Hämatiten chargirt, die nöthigen Flufsmittel zugefetzt, und bei voller Hitze 
in langfame Rotation verfetzt. Die eingetragenen Erze follen nur Erbfen- bis 
Bohnengröfse haben. Als Flufsmittel wird je nach der Zufammenfetzung der eidigen 
Beftandtheile der Erze, Kalk oder auch Thoneifenftein genommen. Ein Zufatz 
von manganhältigen Erzen ift immer erwünfcht. Nach etwa vierzig Minuten Zeit 
find die Erze nahe bis zum Schmelzpunkte erhitzt und nun werden 5 bis 6 Centner 
magerer Kohle, etwa in der Gröfse einer Nufs, eingetragen, und der Ofen nun in 
rafchere rotirende Bewegung verfetzt, um eine innige Mifchung des Eizes mit dei 
Kohle zu bewerkftelligen. Es erfolgt nun eine rafche I^eadtion; das Eifenoxyd wird 
zu Eifenoxydul-Oxyd verwandelt, welches gefchmolzen mit den Kohlenftücken in
	        
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