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Franz Kupelwiefer.
Gufsftahl aus den betten fteierifchen Materialien und verarbeitet denfelben
meift felbft. Es ift diefs der Gröfse der Produktion nach die drittgröfste Tiegel-
Gufsftahl-Hütte Oefterreichs. In einer Beziehung fteht fie jedoch allen übrigen
weitaus voraus, und zwar in Beziehung auf Stahl-Fagongufs, der fehr gut betrieben
wird und durch viele ausgeftellte Gegenftände fehr fchön repräfentirt war. Horn-
amboffe, Gefenke etc., fowie Zahnräder gebrochen, mit tadellofem Bruch u. f. w.
geben Beweis für die Fertigkeit, welche bei Herftellung von Fagongufs bereits
erreicht wurde. Ebenfo zeigen die Feilen eine vorzügliche Qualität.
Steierifche Eifeninduftrie-Gefellfchaft. Diefelbe befitzt in
Eifenerz und in der Radmer feit dem Jahre 1871 Eifenftein-Bergbaue, welche erft
neu aufgefchürft und in der Ausrichtung begriffen find. Diefelben find ihrer
Zufammenfetzung nach den Erzberger Erzen ganz ähnlich und ift das Vorkommen
der Erze als aequiform mit dem des Erzberges anzufehen. Auf diefe Erze bafirend
wird in Zeltweg, dem Hauptetabliffement der Gefellfchaft, vorläufig ein Coaks-
Hochofen gebaut, der noch im Laufe diefes Jahres in Betrieb gefetzt werden wird.
Die Hütten von Zeltweg, welche das erforderliche Brennmateriale von den
eigenen Braunkohlen-Bergbauen in Fohnsdorf (Jahresproduktion von 1872 mit
1217 Arbeitern 4,512.261 Centner) beziehen, beftehen der Hauptfache nach aus
dem älteren Werke, an der Pols gelegen, jedoch mit Dampf betrieben, und der
neueren, unmittelbar an der Bahn gelegenen Anlage. Die ältere Hütte enthält die
Puddlings- und Schweifsöfen, die Hämmer und Walzwerke für Schienen, Fagon-
eifen und Blechfabrication, die Giefserei für Erzeugung von Gufswaare für den
eigenen Bedarf und den Bedarf der fehr bedeutenden Mafchinenfabrik.
Die neue Anlage befteht vorläufig aus einer Beffemerhütte mit zwei Con
vertern, einer Dampffchmiede und einem Kopfwalzwerke zur Erzeugung von
Achfen und Bandagen und dem der Vollendung nahen Coaks-Hochofen.
Die Beffemerhütte, obwohl erft im Jahre 1871 in Betrieb gefetzt, erzeugte
im Jahre 1872 fchon 142.0,00 Centner. Die Leiftungsfähigkeit des Werkes ift
folgende: Schienen 200.000 Centner, Fagoneifen 15.000 Centner, Bleche 15.000,
von welchen ein Theil verkauft und etwaio.000 Centner auf Keffelfchmied-Waaren
verarbeitet werden, 2500 Stück Räderpaare oder 43.000 Centner, Wechfel
12.000 Centner, Gufs und grobe Mafchinenwaare 36.000 Centner, fertige
Mafchinen 14.000 Centner, Schmiedewaaren 5000 Centner.
Unter den ausgeftellten Gegenftänden find befonders hervorzuheben: An
Schmiedeftücken eine Welle 33 Fufs lang, 14 Zoll dick und 180 Centner fchwer.
An Blechen von folgenden Dimenfionen^8.693 x 948 X 26Millim.,32 Ctr. fchwer
aus Eifen (6.875x1.580x6-6 „ 12 „ „
„ Beffemerftahl 8.219 x 922 x 5 „ 5'5 „ „
Eifenbahn-Schienen aus Beffemerftahl, Weicheifen, Puddlingsftahl und Tyres
aus Beffemerftahl in den Zwifchenftadien der Fabrication, fowie fertige, zufammen-
gebogen, um die Qualität zu zeigen etc.
Als ein Fortfehritt, der an diefer Hütte gemacht wurde, ift die Anwendung
von heifsem Wind bei Durchführung des Beffemerproceffes zu bezeichnen. Der
Wind wird in einem Regenerativ-Erhitzungsapparat auf etwa 700 Grade Celfius-
erhitzt und bei diefer Temperatur verwendet, ermöglicht derfelbe die Verwen
dung von ganz lichten Roheifen-Sorten, die Aufarbeitung einer grofsen Menge von
Railsenden etc. — Zu erwähnen ift noch, dafs in diefer Hütte zuerft Siemensöfen
zum Umfchmelzen von Roheifen für den Beffemerbetrieb verwendet wurden.
Actien gefellfchaft der Judenburger Eifenwerke. Diefe
Gefellfchaft befitzt den Eifenftein-Bergbau und Hochofen in Olfa, welcher jährlich
mit Holzkohlen nahezu 80.000 Centner erzeugt. Den Kohlen-Bergbau Sillweg,
der jedoch erft in einigen Jahren denVerbrauch des Werkes an Kohle decken
dürfte, und endlich die Puddlings- und Blechwalz-Hütte von Judenburg und das in
Bau begriffene Walzwerk in Hetzendorf. Die Produaion befteht der Hauptfache
nach nur aus Blechen für Locomotiv- und Tenderrahmen, Keffelblech etc.