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Full text: Chirurgische Instrumente (Gruppe XIV, Section 4), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr. Mofetig von Moorhof. 
Geburtshilfe. 
Geburtszangen waren gewifs reich vertreten. Wir fanden alle möglichen 
Varianten, felbft den Leniceps von Ma11 e i und deffen Modification von Hamon 
de Fresnay. 
Neu und befonders intereffant find jedoch die zwei Forcipes ä tradlion con- 
tinuelle von Chaffagny (Frankreich) und Rouffe 1 (Schweiz). Der in diefen 
Inflrumenten vertretene gemeinfame Gedanke der beiden Erfinder ift, die Entwick 
lung des Kindes nicht der Armeskraft und der Gefchicklichkeit des Operateurs 
zu überlaffen, fondern diefelbe einem continuirlich wirkenden, mechanifchen Zuge, 
welcher vom Operateur blofs geregelt wird, zu übertragen. Die Erfinder meinen, 
ihre Methode führe fchneller zum Ziele, wirke fchonender auf Mutter und Kind 
als das gewöhnliche Verfahren, und fie fetze auch den minder gewandten Geburts 
helfer in die angenehme Lage, mit ficherem Erfolge und grofser Bequemlichkeit 
feines Amtes zu walten; ja fie geftatte die Exerese auch in jenen Fällen von 
bedeutenden Beckenverengerungen, wo bisher zu anderen Gewaltmitteln gegriffen 
werden mufste. 
Die Componenten der Apparate find: Eine Geburtszange, eine Spange, 
die an einem feilen Punkte am Körper der Kreifenden angelegt wird, und einer 
Schraube nebft Schnur, welche den conftant wirkenden Zug ausüben. 
Chaffagny’s Apparat ift der ältere und möge daher zuerft befprochen 
werden. Die Geburtszange hat nicht gekreuzte, fondern parallele Arme, welche 
ftatt dem Schlöffe durch einen Querftab vereinigt werden, und an den Handhaben 
eine Fixirfchraube tragen. Die Krümmung und der Bau der Kopftheile der Zange find 
denen gewöhnlicher, gefenfterter Geburtszangen gleich. Die Stützflange ift ziemlich 
lang, hat gepolfterte Enden und trägt am Mittelpunkte eine gerade und rechtwin 
kelig, nach rückwärts abgehende Schraube, an der durch eine Handwelle ein kleiner 
Cylinderhinauf und herunter bewegt werden kann, welcher centralwärts einen Flaken 
auffitzen hat. Diefe Stützflange wird der Kreifenden in der Geburtslage an den 
oberen Epiphyfen beider Unterfchenkel knapp unter der Patella angelegt; die 
Kniee bilden fonach bei Chaffagny die feilen Punkte, welche die Tradtion 
auszuhalten haben. Der Zug felbft wird durch eine Schnur bewerkftelligt, welche 
einerfeits um beide Fenfter der Geburtszange gefchlungen, und anderfeits am 
Haken des Schraubencylinders feftgemacht werden. Die Schnüre müffen fo hoch 
oben eingreifen, denn hätten fie am Ende der Handhaben ihren Angriffspunkt, 
fo würde trotz der parallelen Arme der Kindesfchädel gequetfcht werden können. 
Rouffel hat eine gewöhnliche, gefenfterte Geburtszange mit gekreuzten 
Branchen und eine Stützflange, welche dem Gefäfse der Kreifenden angepafst 
wird, und ftatt der langen Schraube eine kleine Schraubwelle mit Sperrvorrichtung 
trägt. Auch hier wird die Schnur um die Zangenfenfter herumgelegt und an der 
Welle befeftigt. Eine kleine Dynamometer-Vorrichtung gibt auch von der jeweilig 
angewandten Zugkraft genaue Kunde, ift aber infoferne überflüffig, als die Gröfse 
der Zugkraft ja nicht früher beftimmbar ift. Belfere Auskunft gibt jedenfalls die 
Welle oder Schraube nach der Kraft, mit der fie bewegt werden kann. So wie fall 
allgemein in der Chirurgie gibt auch hier das Gefühl des Operateurs den bellen 
Dynamoter ab. 
Der wefentliche Unterfchied beider Apparate ift demnach die Verschieden-, 
heit der Stütz- oder Angriffspunkte der Kraft; Chaffagny hat die Kniee, 
Rouffel die Sitzknorren dazu gewählt. Offenbar find letztere Habiler als erftere, 
deren Stellung durch jede Bewegung der Kreifenden geändert werden kann. Ift 
der Apparat angelegt, fo foll man ohne Rücklicht auf Wehen oder Wehenpaufen 
die Schraube wirken lallen, bis der Widerftand grofs wird. Nun wird paufirt bis 
der in der Bewegung der Schraube gefühlte Widerftand fich verringert hat, worauf 
neuerdings bis zur Erreichung des früheren Widerftandes fortgefchraubt wird,
	        
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