MAK

Full text: Chirurgische Instrumente (Gruppe XIV, Section 4), officieller Ausstellungs-Bericht

18 
Dr. Mofetig von Moorhof. 
Einführung ifl ziemlich leicht. Der Nachtheil des ingeniös erdachten Apparates 
mag aber wohl darin beflehen, dafs er die Schneidezähne als Angriffspunkt der 
Kraft nimmt und diefe hiedurch leicht Schaden nehmen können. Auch bedarf es 
damit einer gröfseren Kraftentfaltung, als wenn man den Angriffspunkt näher dem 
Winkel des Unterkiefers verlegt. 
Tonfillotome. Zur blutigen Abtragung hypertrophirter Mandeln finden 
wir mehrere Varietäten von guillotineartig wirkenden Inflrumenten. Aufser den 
bekannten Apparaten von Fahnenltock, Charri&re und Mathieu und 
deren Modificationen, hat Nyrop (Dänemark) zwei neuere Varietäten ausgeflellt, 
und zwar: Ein Charri&re’fches Modell, wobei flatt der Gabel zwei von der Seite 
eingreifende Doppelhaken angebracht find. Statt demnach die abzutragende 
Tonfille aufzufpiefsen, wird diefelbe unmittelbar vor der Abtragung wie durch eine 
Mufeux’fche Hakenzange von beiden Seiten her gefafst. Eine zweite Variante ift 
der Tonfillotom von Morell Machenfis aus London. Das Inflrument, ähnlich 
der alten Guillotine zur Abfchneidung der Uvola, befleht aus einer breiten, vorne 
oval gefenflerten Metallplatte, beflimmt, die Tonfille aufzunehmen. In den falz 
artig eingekerbten Rändern der Platte fpielt ein gleich breites, vorne fcharf 
gefchliffenes Meffer, über welchem noch eine Gabel zum Faffen und Vorziehen der 
Mandel verfchiebbar angebracht ifl. Mit diefem Apparate wird demnach die 
Tonfille von vor- nach rückwärts durchtrennt, während die übrigen Inflrumente 
diefs durch die entgegengefetzte Bewegung vollführen. Ein befonderer Vortheil 
ifl diefem Inflrumente nicht abzufehen. 
Zur Stillung der Haemorrhagie nach vollführter Operation hat Ri cord 
(Frankreich) einen Compreffeur des amygdales conflruiren laffen, nach der Idee 
. des Signoroni’fchen Tourniquets. Zwei auf langen und mäfsig gekrümmten Stäben 
befefligte Metallpelotten bilden die Componenten des Apparates. Die kleinere 
Pelotte wird intrabuccal auf die blutende Tonfille angepafst, die gröfsere zweite 
Pelotte findet aufsen am Hälfe ihren Angriffspunkt. Verbindet man nun die Trag- 
fläbe miteinander und läfst die an letztere angebrachte Schraube wirken, fo ifl 
man im Stande, die Pelotten beliebig zu nähern und hiedurch die Compreffion 
auszuführen. 
Oefophagusinflrumente. Zur Entfernung fremder Körper aus dem 
Oefophagus find zwei neue Zangenmodelle ausgeflellt worden, das eine, von C o 11 i n, 
hat das Princip der Mathieu’fchen Urethralzange, das zweite, von Mathieu, hat 
eine Länge von etwa 52 Centimeter und befleht aus einer etwa 20 Centimeter 
langen Zange, deren etwas gekrümmte Branchen je eine Kettenreihe von vier 
beweglich miteinander verbundenen fchmalen Metallgliedern tragen. Je zwei der 
acht Kettenglieder find in ihrer Mitte gekreuzt und artikuliren dafelbfl durch eine 
Schlofsvorrichtung. Oeffnet man die Zangengriffe, fo divergiren die Kettenglieder 
fcheerenartig mit ihren Enden aus einander, indem fie fich in ihren Kreuzungs 
punkten bewegen, fchliefst man fie, fo nähern fie fich. Das Ganze erinnert unwill 
kürlich an jene Soldatenfpiele der Kinder, welche das Aufflellen von breiten 
oder fchmalen Colonnen ermöglichen. Die Mathieu fche Zange ifl fehl* handfam 
und ihrer Biegfamkeit wegen leicht in die Schlundröhre einzuführen. Die Branchen 
(die oberflen zwei Gliederketten find hiezu löffelförmig gehöhlt und abgerundet) 
faffen mit fehl* grofser Kraft und halten ficher, da ja der Druck der Hand durch 
die vielen einzelnen Hebelarme natürlich auch verflärkt werden mufs. 
Silveflri (Italien) hat ein Inflrument zur Entfernung von tief in der 
Schlundröhre fleckenden Fremdkörpern anfertigen laffen, welches er pinzetta 
efofago-thoracica nennt. Eine bewegliche und entfprechend lange Röhre birgt 
ein durch Vorfchieben fich öffnendes Zängelchen, welches den Fremdkörper faffen 
foll. Damit man nicht aber zugleich die Oefophagus-Schleimhaut mitfaffe, wird 
über dem Zängelchen , aber am unteren Ende der Röhre, ein Schwammflück oder 
ein aufzublafendes Kautfchukbeutelchen befefligt und hiemit die Oefophaguswände 
knapp über dem Fremdkörper auseinandergehalten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.