28
Dr. Hans Adler.
Sonden und vor Allem das v. Gräfe’fche Schmalmeffer, feine Cyftotome und
Löffel.
Uns erfcheint diefe Purganz vom alten Ballade fehr gefund und vortheilliaft,
wir begrüfsen diefe Thatfache als einen wefentlichenFortfehritt, namentlich
infoferne wir darin den glorreichen Sieg der Extradlionsmetode gegenüber der
Niederlage der Reclinationsmethode auf allen Linien erkennen; fpeciell berührt
uns die allgemeine Anerkennung des fchönen Vermächtniffes des unflerblichen
Gräfe freudig.
Doch dünkt uns, dafs diefe Revolution manchmal zu weit geführt, vorzüglich
nach Betrachtung eines fonft fehr gut componirten grofsen Etuis, in dem
wir Gräfe’s Schmalmeffer in io, fage zehn Exemplaren, das ehrwürdige Beer’fche
Lappenmeffer überhaupt gar nicht vorfanden.
In diefer Zeit der Gährung, des Kampfes der verfchiedenften Extractionsmethoden
darf der einzelne Augenarzt felbft zu Nutz und F rommen derWiffenfchaft für
feine Perfonverwerfen, was er nurmag; die Herren Inftrumentenmacher follen aber
dem „Augenetui“ den Boden der Neutralität wenigftens auf Kriegsdauer zu
bewahren trachten und nicht, wie fpeciell in diefem Falle, durch vorfchnelles
Abwerfen eines durch viele Decennien nicht grundlos als Souverän anerkannten,
verdienftvollen, jedenfalls noch heute verwendbaren Inflrumentes einer jüngeren
ärztlichen Generation die intereffante Gelegenheit benehmen, durch Selbftfchauen
und Selbftprüfen fich ein eigenes Urtheil zu verfchaffen.
Ein Etui war durch den Preis (5000 Francs) auffallend, vielleicht auch
durch die fehr hübfehen, aber unpraktifchen, viereckigen Perlmuttergriffe.
Wir fahen auch auf diefer Ausftellung fogenannte Augeninftrumente, die
lo koloffal in ihren Mafien, fo plump in ihrer Mache waren, dafs wir uns unwillkürlich
fragen mufsten, ob diefe Erzeugniffe nicht nach Angabe eines die Augen-Heilkunde
am gröfseren Säugethiere praktizirenden Thierarztes gefertigt
worden.
Diefe Erfcheinung rührt wohl daher, dafs faft alle chirurgifchen Inftrumenten-
und Bandagenmacher auch Augeninftrumente felbft erzeugen, ein alter
Ufus, von dem abgegangen zu fein, fo Mancher im Interefle feines eigenen
Renommes nicht bereuen wird; es wäre Vielen beffer, ohne eigene Mühe die
als gut anerkannten Inftrumente jenes Collegen in den Verkehr fetzen, der aus
der Verfertigung von Augeninftrumenten mehr oder weniger eine Specialität
gemacht hat.
Dafs das Princip der Arbeitstheilung ein richtiges, dafs die fpecialiftifche
Einteilung des Gefchäftsbetriebes keine fchädliche Maxime, zeigt der Erfolg der
drei erften Wiener Firmen nach jeder Richtung. Die mehr weniger bei jeder derfelben
hervortretende, fpecialiftifche Richtung hat nicht nur jedem einzelnen
befriedigende materielle Vorteile, fondern auch die gleiche auszeichnende
Beurteilung der Jury verfchafft.
Eine derfelben hat wenig exponirt, die zweite es ganz corredt unterlaffen,
oculiftifche Inftrumente überhaupt auszuftellen.
Und fo reftirt eigentlich nur Thürriegel als erwähnenswert, deifen
Fabricate als die fchönften unter den öfterreichifchen, fich durch gute Ausftattung
bei relativ billigem Preife hervorthun.
England und Amerika brachten keine, Deutfchland relativ nicht viele
Augeninftrumente zur Ausftellung.
Reichhaltiger war Italien (vorzüglich durch Lollini), Rufsland, Dänemark
(durch N y r o p) vertreten.
Der Glanzpunkt unterer Gruppe war in der franzöfifchen Abteilung
zu fuchen.
Diebeiden Parifer Häufer Mathieu und Collin überragen weitaus
an Mannigfaltigkeit, Glanz, und Schönheit der ausgeftellten oculiftifchen Inftrumente
ihre fämmtlichen Concurrenten. Die neuen Erfcheinungen in diefer