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Dr. L. Schrötter.
Inftrumente kaum möglich. Bei den meiften Operationen im Kehlkopfe handelt
es lieh darum, das Inftrument durch die Mund- und Rachenhöhle gedeckt in
den Larynx einzuführen und es erft, wenn es an der richtigen Stelle angelangt
ift, für die betreffende Wirkung: Schneiden, Aetzen, Kneipen etc. zu entfalten.
— So zieht es z. B. der Eine vor, die Deckung in der Weife zu beforgen, dafs
das eigentliche Inftrument fix ift, zur Deckung aber über dasfelbe eine Röhre
gezogen wird, während es der Andere für zweckmäfsig hält, wenn in einer fixen
Röhre das Inftrument vor- und zurückgefchoben werden kann. Der Eine wieder
will nur das Vorfchieben durch eigene Handbewegung beforgen, während das
Zurückfchieben durch eine beim Vorfchieben comprimirte Feder gefchieht. Der An
dere endlich, und das ift mein Standpunkt, will das Vor- und Rückfchieben vollkom
men in feiner Macht, alfo von jeder Feder-, Hebel- etc. Wirkung vollftändig unab
hängig haben. Mit Beweifen läfst lieh hier nicht ankämpfen, indem der Betreffende
eben antwortet, es liege ihm das Inftrument nach feiner Angabe beffer in der Hand etc.
Scheerenartige Inftrumente fanden fich bei Rauchfufs und Bruns und
in Zeichnung nach Merkel vor; fie haben fich theils wegen complicirten Baues,
theils wegen gröfserer Raumentfaltung, theils wegen Unficherheit nicht als zweck-
mäfsig erwiefen.
Guillotineartige Inftrumente lagen in reicher Auswahl vor. Die älteften, (ich
betone: die älteften) von Mathieu fchon 1858 und 1861 angegebenen; folche von
Türck (in befonders grofser Zahl), Bruns und Störk, endlich das fchönfte von
H.Reine r. Diefes ungemein elegant gearbeitete Inftrument ift nämlich die vollkom-
menfte, nur höher ausgebildete Nachahmung der Tonfillenguillotine und hat
folgende grofse Vortheile: Es ift erftens biegfam; zweitens wird die Gabel, die den
Tumor fixirt, felbftftändig vorgefchoben (gegen M a th i e u) und drittens ift die ganze
Guillotine fo drehbar, dafs das eine Inftrument für alle möglichen Fälle ange
wendet werden kann. Wenn alfo die Guillotine mit Berückfichtigung ihrer Com-
plicirtheit überhaupt angezeigt ift, fo ift diefe Form jedenfalls die vollkommenfte.
Schlingenfchnürer fanden fich ebenfalls in grofser Anzahl nach Bruns,
Lewin, Gibb, Störk, Schrötter, Sommerbrodt vor, ohne dafs das eine
oder andere diefer Inftrumente einen wefentlichen Vortheil darbieten würde.
Hieran fchliefsen fich die galvanocauftifchen, wohl entbehrlichften Inftru
mente in der ganzen Laryngo-Chirurgie, an. Wer die Sache vorurtheilsfrei beur-
theilt, mufs auch zugeben, dafs diefe Inftrumente, von der Batterie angefangen, bis
zu dem eigentlichen, in den Kehlkopf einzuführenden Theile, noch im Argen liegen.
Sie find hier hauptfächlich durch die Apparate von Bo uns und Voltolini ver
treten. Aufser einem von S c h r ö 11 e r angegebenen Griffe, der den Vortheil der
rafcheften Verkleinerung der Schlinge bei geöffnetem oder gefchloffenem Strome
bietet und mit einer Hand zu dirigiren ift, fo dafs alfo ein Affiftent entbehrlich
wird, findet fich nichts Neues.
Im Anhänge feien hier noch die Inftrumente von Dr. F. Fieber erwähnt,
deren Zweck es ift, Tumoren mittelft Elektrolyfe zu zerftören, über deren proble-
matifche Wirkung jedoch, abgefehen von der Umftändlichkeit und Langwierigkeit
des Verfahrens, noch kein unbefangenes Urtheil vorliegt.
Unter den rhinofkopifchen Inftrumenten find nur der gebogene
gedeckte Aetzmittel-Träger, und der gerade für Aetzungen von vorneher, beide von
Schrötter angegeben, neu. Der letztere befteht aus einem 12 Centimeter langen,
2 bis 3 Millimeter imDurchmeffer haltenden Rohre aus Silber, das an einer Seite mit
einem durch die ganze Länge verlaufenden Schlitze verfehen ift. In diefe Röhre wird
ein mit einer Rinne verfehener Stab gefchoben, in die das Aetzmittel eingefchmolzen
wird. Am Griffe ift bemerkt, ob das Aetzmittel dem Schlitze am äufseren Rohre
entfpricht oder bei Umdrehung nicht. Nach vorheriger Mafsnahme mit der Sonde
kann jede beliebige Stelle der Nafenmufchel etc. getroffen werden.
Vollkommen neu endlich find S c h r ö 11 e r’s Inftrumente zur Erweiterung
von Striöhiren des Larynx nach gemachter Laryngotomie, zu dem Zwecke, um die