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Full text: Türkei, officieller Ausstellungs-Bericht. Beiträge zum zweiten Bande

s 
Carl Sax. 
Armenier, faft 2'/ 3 Millionen Seelen, im eigentlichen Armenien und 
außerdem in vielen Diftricien der afiatifchen und in den meiften Städten der 
europäifchen Türkei angefiedelt. Sie find zum gröfsten Theile orientalifche, zum 
kleinen Theile katholifche und proteftantifche Chriften. 
Kurden — Gurany und Affireta — ein in viele Stämme getheiltes, 
zum grofsen Theile nomadifirendes, von der perfifchen Grenze bis in das weltliche 
Alien hinein verbreitetes mohamedanifches Volk von ungefähr i Million Köpfen. 
Als fremde Colonilten können hier auch die in Conltantinopel und 
Trapezunt etc. zahlreich angefiedelten Perfer erwähnt werden. 
Pontifch-kaukafifche Völker. 
1. Laien, ein zum georgifchen Stamme gehöriges, den örtlichen Kulten 
Itrich der Provinz Trapezunt bewohnendes, gröfsten Theils mohamedanifches Volk, 
von einigen Hunderttaufend Seelen. 
2. Tfcherkeffen, in den letzten 2 Decennien in der Gefammtzahl von 
ungefähr i Million Köpfen aus dem Kaukafus in die Türkei eingewandert, und 
dort in verfchiedenen afiatifchen und noch mehr in den örtlichen und mittleren 
europäifchen Provinzen angefiedelt. Sie theilen fich in 2 Hauptftämme: 
Eigentliche oder Adighe-Tfcherkeffen und Abchafen, und find gröfsten- 
theils, wenigftens äufserlich, Mohamedaner. 
Verfchiedene kleinere Völkerfchaften. 
Zigeuner, vielleicht ■/, Million, theils Mohamedaner, theils Heiden, 
angeblich mehr in Europa als in Afien anfäffig und herumziehend. 
Berbern, ein hamitifches, vielleicht mit den Semiten verwandtes 
TJrvolk in den nordafrikanifchen Gebieten, wo einige Hunderttaufend Köpfe hieher 
zu rechnen fein dürften. 
Sogenannte Franken, d. h. Einwanderer aus dem Occident, insbefon- 
dere Franzofen und Italiener, auch Deutfche, u. f. w., rvelche zum Theil ihre 
Nationalität bewahrt, zum Theil fich mit den Griechen und Armeniern vermifcht 
haben. Letztere Mifchlinge werden dann auch insbefondere Levantiner genannt. 
Sie find nur in den Seeftädten der Türkei zu finden. 
Unter den fremden Anfiedlern find die griechifchen und die öfterreichifchen 
Staatsbürger die zahlreichften, dann kommen die Italiener und die Perfer, endlich 
die Ruffen, Franzofen, Engländer, Deutfchen u. f. w. 
Volkswirthfchafdiche Ethnographie. 
Volkswirthfchaftliche Thätigkeit der einzelnen Nationen. 
Indem wir nun die vorhin aufgezählten Völker nach ihrer wirthfchaftlichen 
Thätigkeit charakterifirenwollen, miiffenwirzuerft den osmanifchen Türken, 
den Repräfentanten des politifch herrfchenden Stammes, näher betrachten. Der 
Osmane ift der Abkömmling eines Nomadenvolkes, hat fich aber feft angefiedelt 
und hauptfächlich zum Städter herausgebildet, ohne dabei feine alten Nomaden 
gewohnheiten ganz aufzugeben. Diefe zeigen fich in mannigfacher Richtung, z.B. 
in der beringen Sorge für das Wohngebäude, in der leicht transportirbaren 
Möblirung desfelben. in der fummarifchen Behandlung der Staatsgefchäfte, und 
überhaupt in der Geringfehätzung aller auf fefte Bafis gegründeten Einrichtungen
	        
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