Kupfer- und Stahlftich-Druck.
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machen dürften, wenn unfere Staatsdruckerei in wahrhaft des Staates würdiger
Weife den Weg zeigte und fich nicht von Privatinftituten in Schatten flellen liefse ?!
Ich glaube, dafs hier unfere fchwächfte Stelle ift. Bei den vorliegenden Mitteln
kann aber auch am leichteflen der Hebel angefetzt werden, um nicht allein diefe
Anftalt frudtificiren, fondern auch Ausgezeichnetes, Erfreuliches und den Staat
Ehrendes leiften zu laffen.
Es ift wohl hier am Platze, nach der Befchau und der Beurtheilung auch
das zu erwähnen, was wir bei uns nicht gefehen.
In der deutfchen und franzöfifchen Abtheilung nicht allein, auch in der der
Schweiz Iahen wir eine Kunftinduftrie (ich weifs keinen paffenderen Ausdruck
dafür), die wir bei uns vergeblich fuchen, von der wir nur im Handel die Bedeutung
für uns in Oefterreich erkennen. Es find diefs kleine, religiöfe Darftellungen im
Stich, die zum Cultus gehörig, eine aufserordentliche Verbreitung finden. Ich
entfinne mich wohl vor mehreren Jahren eines, von hohen und erlauchten Namen
Unterzeichneten Programmes, das in patriotifchem Sinne abgefafst, uns in feiner
Ausführung vom Auslande unabhängig gemacht hätte. Leider fcheint es bei dem
Programme geblieben zu fein, und wir haben heute dem Verlag von Manz in
Regensburg, Schulgen in Düffeldorf, Benziger in Einfiedeln (Schweiz),
Marne & fils in Tours, Hachette & Comp, in Paris nichts Gleichbedeutendes
gegenüberzuftellen.
Durch manche Erkenntnifs bereichert gelangen wir zum Schluffe.
Das einfache Zahlenverhältnifs, das numerifche Uebergewicht Frankreichs
allein zwingt uns fchon, an eine Abhilfe zu denken.
Wir haben erfehen, dafs das, was uns fehlt, nicht Mangel an Begabung ift.
An dem fchnellen Erblühen und Umfichgreifen der „Gefellfchaft für ver
vielfältigende Kunft“ haben wir ebenfo erkannt, dafs diefe Kunft auch auf Theil-
nahme im Volke rechnen darf.
Was uns fehlt, find die Kräfte und ihre ruhige , ftetige Fortbildung in
Inftitutionen, die diefes Ziel unverrückt vor Augen behalten.
Einft war es die Lithographie, jüngft die Photographie, die ihre falfchen
Propheten erzeugten und dem Kupferftich den Boden entziehen wollten.
Es mufs defshalb, wie in Frankreich feit mehreren hundert Jahren, Für-
forge getroffen werden, dafs die Sache, von allen Erfindungen und Zeitftrömungen
unbehelligt, ficher ihrer Wege gehe.
Es ift hier nicht der Ort, ein Programm über das Wie und Was aufzuftellen.
Schaffen wir ihr die Gelegenheit und die Kunft wird uns ihren Dank nicht
fchuldig bleiben.