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MAK

Full text : Kupfer- und Stahlstich-Druck (Gruppe XII, Section 2 und Gruppe XXV, d), officieller Ausstellungs-Bericht

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Conrad  Grefe.

Wir  haben  bereits  angedeutet,  dafs  die  höchfte  künftlerifche  Aufgabe  der
Chromolithographie  in  der  treuen  Wiedergabe  vorzüglicher  Gemälde,  das  heifst
echter  Kunftwerke  befteht,  und  diefe  Erkenntnifs  hat  fich  auch  feit  der  letzten
Parifer  Ausftellung  in  immer  weiteren  Kreifen  Bahn  gebrochen;  bis  dahin  waren
was  die  Herftellung  von  Gemälden  betrifft,  meift  nur  Aquarelle  nachgebildet  worden.
  Nun  fchritt  man  zur  Wiedergabe  von  Oelgemälden  moderner  Meifter  und
jetzt  wagt  man  fich  bereits  an  Hauptwerke  der  gröfsten  claffifchen  Meifter  —  an
Gemälde,  wo  die  Feinheit  der  Farbentöne,  die  Tiefe  des  Colorits  und  der
Schmelz  der  Lafuren  —  grofse  und  fcheinbar  unüberwindliche  Schwierigkeiten
entgegenfetzen.  Allein  inzwifchen  hatten  fich  auch  tüchtige,  ausgezeichnete
Künftler  diefem  Kunftzweige  zugewendet  und  die  Technik  den  höheren  Zielen
desfelben  entfprechend  reformirt;  bisher  hatte  man  zumeift  die  einzelnen  Farbenfteine
  mit  fein  gefpitzter  Kreide  gezeichnet,  eine  ebenfo  langweilige  als  mühfame
Methode,  die,  ungeachtet  der  Verwendung  zahlreicher  Farbenfteine,  doch  niemals
die  volle  Wirkung  eines  Oelgemäldes  zu  erreichen  geftattete  und  dabei  ebenfo
ermüdend  als  geifttödtend  auf  den  Zeichner  wirkte.  Man  griff  nun  zu  Tufch,
i  infei  und  Schabmeffer,  als  dem  eigentlichen  Handwerkzeug  des  Künftlers  Die
Darftellung  wurde  freier  und  geiftreicher,  felbft  der  Pinfelzug  des  Originals  konnte
mit  ucherer  Hand  nachgebildet  und  fowohl  die  Kraft  der  Farbe,  als  der  Reiz  des
Tones  erreicht  werden.
Auch  in  Bezug  auf  den  Druck,  die  Bereitung  der  Farbe  und  die  Behandlung ­
  der  Steine  in  der  Preffe,  ging  man  bedeutend  vorwärts  und,  wenn  diefe
Entwicklung  mit  der  obigen  nicht  ganz  gleichen  Schritt  hielt,  fo  liegt  die  Urfache
wohl  dann,  dafs  die  Lithographie  immer  noch  den  hochgebildeten  praktifchen
C  lemiker  erwartet,  der  Farbe  und  Firnifs,  Tufch,  Kreide  und  Aetzmittel  zum
Gegenftande  ernfter  und  eingehender  Studien  macht.  Doch  waren  diefe  technifchen
F  ortfchntte  in  Verbindung  mit  denen  auf  künftlerifchem  Gebiete  bedeutend
genug,  um  die  obgenannten  Schwierigkeiten  zum  gröfsten  Theile  überwinden  zu
können,  und  was  noch  in  diefer  Richtung  zu  thun  ift,  liegt  unbedingt  in  den
Grenzen  der  Möglichkeit;  allem  wenn  es  auf  diefe  Art  auch  erreichbar  geworden
ift,  das  fchonfte  Gemälde  taufchend  ähnlich  nachzubilden,  fo  zeigt  es  fich  doch
als  unendlich  fchwerer  davon  die  nöthige  Auflage,  das  heifst  eine  grofse  re
Anzahl  gediegener  Abdrücke  herzuftellen,  und  hier  treffen  wir  auf  den  eigentlichen ­
  wunden  Punkt,  an  welchem  die  lithographifchen  Anftalten  aller  Länder
ge a b n iMe n ten  Drucketn.  ^  ^  empfindlicher  -  entfprechend  aus-Die
  jetzige  Uebung  befteht  darin,  dafs  der  nächftbefte  Junge  als  gewöhnlicher ­
  Lehrling  oder  Aufleger  beginnt  und,  die  verfchiedenen  Stadien  des
ordinären  und  Schwarzdruckes  durchmachend,  endlich  beim  Farbendruck
an  angt,  wo  er  bald  da  Noth  an  Mann  ift,  zum  drucken  von  eigentlichen  Kunfthibverwendetwird
  Llth ° graph  ° ft  monatelan S  mit  gröfstem  Eifer  gearbeitet
Allerdings  haben  fich  auch  auf  diefem  Wege  viele  tüchtige,  ja  ausgezeichnete ­
  Arbeiter  herangebildet  und  fall  jede  gröfsere  Anftalt  befitzt  einen  oder
vielleicht  auch  einige  derfelben,  allein  diefe  reichen  kaum  aus,  die  vielen
“.?,  hlg /"  Probedrucke  herzuftellen,  während  die  Auflagen  in  den  meiften
1  allen  Arbeitern  anvertraut  werden  muffen,  denen  jede  theoretifche  Vorbildung
jedes  Verftandmfs  der  Farbe,  des  Tones  oder  der  Zeichnung  abgeht  und  bei  dem
Mangel  von  entsprechenden  Fachfchulen  auch  nothwendigerweife  abgehen  mufs
Fachfchulen  wo  intelligente  junge  Leute,  die  wenigftens  zwei  bis  drei
Jahrgange  einer  Mittelfchule  abfolvirt  haben,  die  nöthigften  Kenntniffe  der
Farbe  und  ihrer  Mifchung,  des  Aetzens  und  der  Kreidebereitung  fowie  eine
wenn  auch  geringe  Ausbildung  im  Zeichnen,  nebft  dem  praktifchen  Unterrichte
an  den  Hand-  und  Schnellpreffen  erhalten  können,  find  eine  unbedingte
Nothwendigkeit  für  die  weitere  Entwicklung  der  Lithographie
            
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