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Conrad Grefe.
Anderes zu bieten haben dürfte, da die ewigen Bürgerkriege, wenig fördernd auf
künftlerifche Unternehmungen einwirken dürften.
Die Thätigkeit der Schweiz auf dem Gebiete der Lithographie ift in
eigentlich künftlerifcher Beziehung nicht bedeutend; die künftlerifche Technik ift
noch ganz unentwickelt, die Wahl der Originalgemälde unglücklich, und nur was
die Erzeugung von Mafsenartikeln, und zwar fpeciell religiöfen Genres, betrifft,
tritt die grofse und alte Anftalt der Gebrüder Benziger in dem Wallfahrtsorte
Einfiedeln bedeutfam hervor. Ausführung und Druck find nett, fleifsig und corredl
und erfüllen alle Anforderungen, welche an derartige Produktionen billigerweife
geftellt werden können, in genügender Weife.
Der italienifche Farbendruck refpektive deffen künftlerifche
Seite, war zunächft, und zwar in höchft anerkennender Weife durch die Anftalt
von Borzino Uliffes in Mailand, deffen Arbeiten zu den b e ft e n der Ausftellung
zählten, vertreten; treffliche Wahl der Gemälde, mit befonderer Berückfichtigung
der alten Meifter, äufserft forgfältige, von genauem Verftändnifs des Originals
durchdrungene Lithographie, fatte, klare Farbe und eine feltene Weichheit der
Töne zeichnen fie fehr vortheilhaft aus; es ift eines der wenigen Ateliers, die eine
künftlerifch ausgebildete Technik in Anwendung bringen und die Originalgemälde
in jeder Beziehung vollkommen nachzubilden bemüht find. Andiefs Atelier fchliefst
fich die Societa olegraficain Bologna, welche fich bisher ausfchliefsend die
Reproduktion älterer Meifterwerke, z. B. Francesca Francia, Guido Reni Dome-
nichino u. f. w. als Ziel gefetzt hat und dasfelbe mit zahlreichen künftlerifchen
Kräften und gutem Erfolge zu erreichen trachtet.
Was aufserdem vonltalien an lithographifchen Arbeiten ausgeftellt wurden
bezieht fich zumeift auf wiffenfchaftliche und technifche Zwecke, worunter die
chromolithographifchen Tafeln zu dem Prachtwerke „Le face el Monumenti di
Pompeji“, fowie einige andere ähnliche Arbeiten, von R i c h t e r und GenaroDini
in Neapel, fehr vortheilhaft hervortraten.
Belgien war nur durch wenige, allerdings befriedigende Illuftrationsarbeiten
vei treten, dagegen hatte Holland ein umfaffendes Bild feiner Thätigkeit auf dem
Gebiete der künftlerifchen Chromolithographie entfaltet. Auch die Holländer
widmen fich mit Vorliebe ihren alten, grofsen Meiftern, die fie mit vieler Pietät,
wenn auch noch nicht immer mit dem beabfichtigten Erfolge nachbilden. Die
lithographifche Ausführung zeugt nämlich von vielem Fleifs und grofser Geduld,
läfst aber in Bezug auf das höhere Verftändnifs des Originales und die anzuwen
dende Technik vieles zu wünfchen übrig. Es ift eben ein fehr fchwieriges Unter
nehmen z. B. einen Rembrandt, diefen unübertroffenen Meifter des Hell
dunkels, oder einen P o 11 e r, bei welchem jeder Pinfelzug feine Bedeutung hat,
auf diefe Art in Farbendruck wiederzugeben. Da reicht das genaue Nachzeichnen
nicht aus, es mufs auch die Farbe, der Ton und die Stimmung des Bildes, fowie
die Wirkung der auf einander folgenden Lafuren , denen compa&e fatte Farben
unterliegen, forgfältig ftudirt uud berechnet werden, damit die Copie einen wirk
lichen und nicht blofs einen annähernden Erfatz für das Original bietet. Doch
abgefehen von diefen, allerdings etwas weit gehenden Anforderungen, find z. B.
die Leiftungen der Amfterdamer Anftalt von Trefsling, fowohl was die Wahl
derOiiginalbildei als deienNachbildung betrifft, fehrlobenswerth; mindereReful-
tate erzielten die lithographifchen Anftalten von A m a n o und Boosin Amfterdam ;
doch hatten auch fie einige gute Bilder ausgeftellt. Die Schwarzdrucke der könig
lichen Steindruckerei in Haag find forgfältig und nett lithographirt, auch rein
gedruckt, aber ohne befondere künftlerifche Bedeutung, dagegen ift ein Aetz-
verfuch von van Vor lag in Amfterdam, welcher durch fehr zart abgeftufte
Linirung und Aetzung drei Grundfarben in eine fehr grofse Menge von gebro
chenen Farbentinten zu verwandeln beftrebt ift, ein Vorgang, der zwar an fich
nicht neu, doch in diefer ftrengen Syftematik noch kaum verfucht wurde, und für
technifche und induftrielle Arbeiten fehr nützlich werden könnte, wie nicht minder