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Dr. Wilhelm Friedrich Gintl.
Auf der Ausfüllung war Norwegen nur durch die Firma H. Jo 1 fe n zu
Enebak bei Chriftiania vertreten, welche Sicherheits-Zündhölzchen , ganz
nach Art des fchwedifchen Fabricates und diefem in nichts nachftehend,
ausftellte.
Dän eraark hat ebenfalls fchon feit geraumer Zeit feine, wenn auch nicht
bedeutende Zündhölzchen-Induftrie. Als Repräfentant derfelben erfchien auf
der Ausftellung die Adlien-Zündholzfabrik zu Godthaab bei Copenhagen, mit
Muftern von phosphorfreien Sicherheits-Zündhölzchen (in Spanfchachteln), die ganz
im Genre des fchwedijchen Produdles waren und demfelben an Qualität mindeftens
gleichkamen. Von derfelben Fabrik waren, was übrigens auch bei den meiden
Ausftellern aus Schweden der Fall war, Holzfpäne für die Herftellung der Zünd
hölzchen-Schachteln ausgeflellt.
Belgien, deffen Zündhölzchen-Induftrie, welche aus dem Jahre 1850
datirt, ziemlich entwickelt ift und feiner Zeit in Paris fehr gut vertreten war,
zählte diefsmal nur einen einzigen Ausfteller diefer Branche, Es war die Firma
JanfsenMariotte & Comp, zu Cureghem bei Brüffel, welche eine fehr hübfche
Colledtion ihrer diverfen Sorten von Zündkerzchen, fowie des zu ihrer Erzeugung
verwendeten Wachsdrahtes zur Ausftellung brachte.
Die Erzeugniffe diefer im Jahre 1869 gegründeten Fabrik verdienten das
Attribut „vorzüglich“ im vollen Mafse und waren namentlich auch die Enveloppes
den heften franzöfifchen Fabricaten diefer Art völlig ebenbürtig.
Deutfchland, mit feiner namentlich in den füdlichen Provinzen doch
ziemlich bedeutenden Zündhölzchen-Induftrie, die gleich jener Oefterreichs
fchon aus dem Anfänge der dreifsiger Jahre datirt, war, wie feiner Zeit zu Paris,
auch diefsmal auffallend ärmlich vertreten. Es hatten blofs zwei Fabriken die
Ausftellung befchickt. Die eine derfelben, jene von H. H o c h ft ä 11 e r zu Lan
gen bei Frankfurt, die fchon feit dem Jahre 1852 im Betriebe fteht, brachte ein
neues, fehr beachtenswerthes Fabricat zur Ausftellung. Es waren das geruchlofe
und giftfreie Zündhölzchen mit amorphem Phosphor in der Zündmaffe, welche an
jeder beliebigen Reibfläche üch ficher und ebenfo leicht entzünden als gewöhn
liche Phosphor-Zündhölzqhen und ohne zu fpritzen, ruhig brennen.
Vor ähnlichen Erzeugniffen anderer Art, die, wie erwähnt, fchon mehrfach
auftauchten, follen diefe Zündhölzchen den wefentlichen Vorzug haben, dafs die
Herftellungskoften ihrer Zündmaffe geringere find, als jene einer gewöhnlichen
Phosphormaffe. Da fie übrigens auch vollkommen widerftandsfähig gegen
Feuchtigkeit fein follen, würde diefes Fabricat alle Eigenfchaften in fich vereinen,
die man von einem brauchbaren Zündhölzchen fordern darf und wenn, was wohl
erwartet werden kann, das gewöhnliche Produkt der Ausftellungswaare in nichts
nachfteht, fo wäre das Problem, deffen Löfung feit Jahren fo vielfach verflicht
worden ift, endlich glücklich gelöft. Freilich find diefe Hölzchen keine eigent
lichen Sicherheitshölzchen mehr, denn wiewohl fie einer etwas höheren Tempe
ratur zur Zündung bedürfen, fo fchliefst der Umftand, dafs fie überhaupt durch
Reibung entzündbar find, wieder einen gewiffen Grad von Feuergefährlichkeit in
fich, die unftreitig bei den eigentlichen Sicherheits-Zündhölzchen, welche hur an
einer beftimmten Reibfläche entzündbar find, in wefentlich geringerem Mafse vor
handen ift. Der zweite Zündwaaren-Fabrikant Deutfchlands, der fich an der Aus
ftellung betheiligte, war R. Zennig in Berlin. Seine erft im Jahre 1871 gegrün
dete Fabrik, zugleich die erfte in Deutfchland, welche nach dem Mufter der
Marfeiller Fabriken Zündkerzchen erzeugt, hatte eine fehr nette Mufterfammlung
von Zündkerzchen aller Art ausgeftellt, welche den Vergleich mit ähnlichen
Erzeugniffen anderer Länder nicht zu fcheuen brauchen. Das Etabliffement hat
bei der Kürze feines Beftandes auch immerhin fchon bedeutende Erfolge aufzu
weifen und betrug der Umfatz desfelben im verfloffenen Jahre bereits 40.000 Tha-
ler. Auch die Cartonnagen, in welchen Zennig fein Fabricat auf den Markt
bringt, flehen denen franzöfifcher Fabriken nicht wefentlich nach.