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Dr. Wilhelm Friedrich Gintl.
Salonhölzchen, die P o 11 a k bekanntlich in vorzüglicher Qualität erzeugt, dann Zünd
kerzchen, von denen namentlich jene mit Silber- und Bronceköpfchenein originelles
Product waren.
Auch Pollak, deflen Firma hervorragende Verdienite um den Auf-
fchwung der Zündhölzchen-Induftrie Oefterreichs hat, gehört zu den bedeutend-
ften Induftriellen diefer Branche. *
Bemerkenswerth war auch die von Hermann & Gabriel ausgeftellte
Mufterfammlung ihrer Zündhölzchen, welche fie neuefter Zeit auch in fehr netten
wafferdichten Emballagen zum Verkaufe bringen, eine Neuerung, welche vielleicht
für die Pergamentpapier-Induftrie nicht ohne Bedeutung ift. Das Etabliffement
diefer Firma zählt gleichfalls zu den bedeutendften Oefterreichs. Es befchäftigt circa
250 Individuen und producirt jährlich 1 Million bis 1,200.000 Stück Schachteln
Zündhölzchen, faft ausfchliefslich Salonwaare in runden Dofen, welche theils
nach denDonauländern, theils nach Rufsland, dann aber auch nach Egypten, Indien,
China etc. exportirt werden.
A. Scheinolt in Schüttenhofen, deflen Fabrik, die eine Jahresproduktion
im Werthe von etwa 130.000 fl. öfterreichifcher Währung aufweift, 150 bis 160
Arbeiter befchäftigt und gleichfalls faft ausfchliefslich für den überfeeifchen Export
arbeitet, hatte neben Muftern aller Arten von Zündhölzchen auch ganz gute Ziind-
kerzchen ausgeftellt.
G. Kollmann & Comp, in Stainz unterhalten gleichfalls ein gröfseres
Etabliffement, deffen Jahresproduktion trotz des kurzen Beftandes (1871 gegründet)
fleh im verfloflenen Jahre bereits auf 8 Million Zündhölzchen belief. Sie befchäf-
tigen 90 Perfonen und arbeiten mit 3 eifernen (Sebold) und 31 hölzernen Einlege-
mafchinen, fowie einer Sebold’fchen Auslegemafchine. Ausgeftellt hatten fle neben
ordinärer W^aare auch ganz fchöne Proben ihrer Erzeugniffe an Salonhölzchen.
F. Dydacki und C. Göd el & Comp., welche fleh die, wie erwähnt, von
Sigle in Paris bei der Ausftellung 1867 angewandte und damals mit grofsem Beifalle
aufgenommene Ausftellungsweife in „Mofaikbildern“ zum Vorbilde genommen
hatten, brachten nur Zündhölzchen gewöhnlicher Gattung, von denen jene Gö de Ts
feinere Waare, mit bunten Köpfen, jene Dydacki’s dagegen völlig ordinäre
Waare repräfentirten.
L. Achleitner brachte abermals, feine fchon von früheren Aufteilungen
her bekannten „patentirten, giftfreien Schnellzünder“ (Späne, welche beim rafchen
Herausziehen aus dem Etuis Feuer fangen), an die fleh das Publicum bisher noch
nicht anders als an eine Curiofltät gewöhnt hat.
Sehr zu bedauern ift, dafs fleh aufser Fürth nicht auch andere Fabricanten
von Sicherheits-Zündhölzchen, welche nachgewiefener Mafsen auch in Oefterreich
in ziemlichem Umfange producirt werden, an der Ausftellung betheiligt haben,
fowie man auch nicht ohne Bedauern wahrnahm, dafs fleh die um die Fabrication
phosphorfreier Zündhölzchen (die auf jeder Reibfläche zünden) fo verdiente Firma
Wawra & Kempny (ehemals Forfter & Wawra) von der Ausftellung gänzlich
ferne gehalten hat.
Vielleicht hätte die Betheiligung folcher Fabricanten dazu geführt, das.
öfterreichifche Publicum davon zu überzeugen, dafs es nicht nöthig habe, giftfreie
und Sicherheits-Zündhölzchen vom Auslande zu beziehen.
Ungarn, das feit jeher an dem guten Rufe des öfterreichifchen Fabricates
participirt und den Vortheil des kürzeren Wafferweges für den Handel nach den
Donauländern und der Türkei für fleh hat, macht der Zündhölzchen-Induftrie
Cisleithaniens namentlich auf den türkifchen Märkten einige Concurrenz. Seine
Leiftungen auf dem Gebiete diefer Induftrie verdienen übrigens alle Anerkennung,
zumal mit Rückflcht auf den Umftand, dafs es über weniger reiche Quellen
* Leider blieb ein Anfuchen des Gefertigten um Mittheilung von Daten über die Betriebs-
gröfse der A. M. Pollak’fchen Etabliffements, angeblich wegen Abwefenheit des Chefs, unbe-
rückfichtigt!