Der Zeichen- und Kunftunterricht.
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übrig. Es mag wohl die Haupturfache an den fchwachen Erfolgen fein, dafs die
Vorbildung der Schüler von der Elementarfchule aus eine äufserft ungleichmäfsige
ift und überhaupt der fchwächere Theil der Schüler jener vorbereitenden Claffen
den Fortbildungsfchulen zugeführt wird, dann aber find oft locale Verhältniffe zu
berückfichtigen, welche ein fyftematifches Vorgehen im Unterricht beeinträchtigen.
Gediegene Vorlagewerke wären aber dann das dringendfte Bedürfnifs in
den Zeichenfälen. Wer jedoch die zahlreichen Portefeuilles diefer Kategorie
von Schulen durchblätterte, mufste in Bezug auf den letzten Punkt noch manchen
Mangel conftatiren. Es flehen zum grofsen Theil noch Formen im Ornamente in
Verwendung, die veraltet und feiten in Bezug zur Praktik flehen. Was das Technifche
anbelangt, wird dann meiit zu früh in Schatten gearbeitet, vielfach auch das
Formenzeichnen verladen und zum Bildchenmachen in Landfchaften die Zuflucht
genommen. Im linearen Zeichnen mangelten in den meiden Schulen die Giundelemente
der Geometrie ; es werden Zirkelübungen von Flächendecorationen,
Mofaikböden etc. auf der erden Stufe gepflegt, an welcher fich dann das Progedions-
und Bauzeichnen anfchliefst.
Eine lobenswerthe Ausnahme bildeten nur die Arbeiten der Schule zu
Töls, von welcher gute Contourornamente und fehr andändige Fachzeichnungen
Vorlagen; auch von Grünzburg id Befferes zu verzeichnen; gutes Streben zeigten
ferner die Andalten von Werdenfels, Landsberg und Aichach. In den Fortbildungsfchulen
der landwirthfchaftlichen Richtung wird auch das Situationszeichnen
hie und da mit ziemlichem Erfolge geübt.
Beffere Refultate werden felbdverdändlich in den Tagesfchulen erzielt und
lagen von der Andalt in Rofenheim ganz gediegene Arbeiten vor. Es dürfte hier
auch der Platz fein, die Leidungen der Regensburger Baugewerk-Schule zu erwähnen,
welche den Lehrgang in allen Setflionen des Bauzeichnens klar illudrirten
und an und für fielt zu dem Beden gezählt werden konnten, was im Linearzeichnen
von den baierifchen Unterrichtsandalten überhaupt ausgedellt wai.
Die Erfolge des Zeichenunterrichtes an den eigentlichen Gewerbefchulen
waren im Allgemeinen befriedigend zu nennen und verdienten die fogenannten
Kreis-Gewerbefchulen* (von Kreismitteln erhalten) theilweife den Vorzug, was
übrigens der reicheren Dotirung und der belferen Situirung diefer Andalten zuzufchreiben
id. In der Einrichtung der Schulen id vielfach localen Bedürfniffen
Rechnung getragen und herrfcht im Allgemeinen die commercielle Richtung vor;
einen ausgefprochen gewerblichen (indudriellen) Charakter befitzen nur die
Schulen von Nürnberg und München.
Die vorgelegten Schülerzeiclmungen zeigten du.rcligeh.ends ein zweck*
mäfsiges Syftem im Unterrichtsgang.
Es wird zumeift im erden Curfe des Freihand-Zeichnens mit den Herdtlefchen
oder Volz’fchen Uebungsblättern begonnen und im zweiten Curfe zu leicht
fchattirten und Gypsornamenten übergegangen, zugleich aber das Projeblionszeichnen
in umfaffender Weife durchgenommen ; im dritten Curfe wird dann mehr
fachliches Zeichnen gepflegt und zwar im Freihand-Zeichnen ausfchliefslich nach der
Natur gearbeitet und im linearen Architektur- und Mafchinenzeichnen betrieben.
Sehr gute Arbeiten lagen vor von den Gewerbefchulen zu Würzburg, Regensburg,
Nürnberg und Fürth. Letztere Anflalt hatte auch eine umfangreiche Sammlung
von flereometrifchen Modellen (aus Glasflächen gebildet) ausgeflellt, welche von
dem verdienflvollen Mitgliede 'des Lehrkörpers der Schule Dr. Langhans
gefertigt waren und an exacter Ausführung und praktifchei Zufammenflellung
andere ausgeflellte Lehrmittel diefes Genre weit hinter fich liefsen. **
* In Baiern beftehen im Ganzen 31 mittlere Gewerbefchulen, wovon fechs der bedeutendften
den Namen Kreis-Gewerbefchulen führen.
** Der Berichterftatter glaubt diefe treffliche Arbeit hier befonders hervorheben zu
müffen, da fie merkwürdigerweife von der Jury überfehen wurde.