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Full text : Der Zeichnen- und Kunstunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Der  Zeichen-  und  Kunftunterricht.

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übrig.  Es  mag  wohl  die  Haupturfache  an  den  fchwachen  Erfolgen  fein,  dafs  die
Vorbildung  der  Schüler  von  der  Elementarfchule  aus  eine  äufserft  ungleichmäfsige
ift  und  überhaupt  der  fchwächere  Theil  der  Schüler  jener  vorbereitenden  Claffen
den  Fortbildungsfchulen  zugeführt  wird,  dann  aber  find  oft  locale  Verhältniffe  zu
berückfichtigen,  welche  ein  fyftematifches  Vorgehen  im  Unterricht  beeinträchtigen. ­
  Gediegene  Vorlagewerke  wären  aber  dann  das  dringendfte  Bedürfnifs  in
den  Zeichenfälen.  Wer  jedoch  die  zahlreichen  Portefeuilles  diefer  Kategorie
von  Schulen  durchblätterte,  mufste  in  Bezug  auf  den  letzten  Punkt  noch  manchen
Mangel  conftatiren.  Es  flehen  zum  grofsen  Theil  noch  Formen  im  Ornamente  in
Verwendung,  die  veraltet  und  feiten  in  Bezug  zur  Praktik  flehen.  Was  das  Technifche
  anbelangt,  wird  dann  meiit  zu  früh  in  Schatten  gearbeitet,  vielfach  auch  das
Formenzeichnen  verladen  und  zum  Bildchenmachen  in  Landfchaften  die  Zuflucht
genommen.  Im  linearen  Zeichnen  mangelten  in  den  meiden  Schulen  die  Giundelemente
  der  Geometrie  ;  es  werden  Zirkelübungen  von  Flächendecorationen,
Mofaikböden  etc.  auf  der  erden  Stufe  gepflegt,  an  welcher  fich  dann  das  Progedions-
  und  Bauzeichnen  anfchliefst.
Eine  lobenswerthe  Ausnahme  bildeten  nur  die  Arbeiten  der  Schule  zu
Töls,  von  welcher  gute  Contourornamente  und  fehr  andändige  Fachzeichnungen
Vorlagen;  auch  von  Grünzburg  id  Befferes  zu  verzeichnen;  gutes  Streben  zeigten
ferner  die  Andalten  von  Werdenfels,  Landsberg  und  Aichach.  In  den  Fortbildungsfchulen ­
  der  landwirthfchaftlichen  Richtung  wird  auch  das  Situationszeichnen
hie  und  da  mit  ziemlichem  Erfolge  geübt.
Beffere  Refultate  werden  felbdverdändlich  in  den  Tagesfchulen  erzielt  und
lagen  von  der  Andalt  in  Rofenheim  ganz  gediegene  Arbeiten  vor.  Es  dürfte  hier
auch  der  Platz  fein,  die  Leidungen  der  Regensburger  Baugewerk-Schule  zu  erwähnen, ­
  welche  den  Lehrgang  in  allen  Setflionen  des  Bauzeichnens  klar  illudrirten
und  an  und  für  fielt  zu  dem  Beden  gezählt  werden  konnten,  was  im  Linearzeichnen ­
  von  den  baierifchen  Unterrichtsandalten  überhaupt  ausgedellt  wai.
Die  Erfolge  des  Zeichenunterrichtes  an  den  eigentlichen  Gewerbefchulen
waren  im  Allgemeinen  befriedigend  zu  nennen  und  verdienten  die  fogenannten
Kreis-Gewerbefchulen*  (von  Kreismitteln  erhalten)  theilweife  den  Vorzug,  was
übrigens  der  reicheren  Dotirung  und  der  belferen  Situirung  diefer  Andalten  zuzufchreiben
  id.  In  der  Einrichtung  der  Schulen  id  vielfach  localen  Bedürfniffen
Rechnung  getragen  und  herrfcht  im  Allgemeinen  die  commercielle  Richtung  vor;
einen  ausgefprochen  gewerblichen  (indudriellen)  Charakter  befitzen  nur  die
Schulen  von  Nürnberg  und  München.
Die  vorgelegten  Schülerzeiclmungen  zeigten  du.rcligeh.ends  ein  zweck*
mäfsiges  Syftem  im  Unterrichtsgang.
Es  wird  zumeift  im  erden  Curfe  des  Freihand-Zeichnens  mit  den  Herdtlefchen
  oder  Volz’fchen  Uebungsblättern  begonnen  und  im  zweiten  Curfe  zu  leicht
fchattirten  und  Gypsornamenten  übergegangen,  zugleich  aber  das  Projeblionszeichnen
  in  umfaffender  Weife  durchgenommen  ;  im  dritten  Curfe  wird  dann  mehr
fachliches  Zeichnen  gepflegt  und  zwar  im  Freihand-Zeichnen  ausfchliefslich  nach  der
Natur  gearbeitet  und  im  linearen  Architektur-  und  Mafchinenzeichnen  betrieben.
Sehr  gute  Arbeiten  lagen  vor  von  den  Gewerbefchulen  zu  Würzburg,  Regensburg,
Nürnberg  und  Fürth.  Letztere  Anflalt  hatte  auch  eine  umfangreiche  Sammlung
von  flereometrifchen  Modellen  (aus  Glasflächen  gebildet)  ausgeflellt,  welche  von
dem  verdienflvollen  Mitgliede  'des  Lehrkörpers  der  Schule  Dr.  Langhans
gefertigt  waren  und  an  exacter  Ausführung  und  praktifchei  Zufammenflellung
andere  ausgeflellte  Lehrmittel  diefes  Genre  weit  hinter  fich  liefsen.  **

*  In  Baiern  beftehen  im  Ganzen  31  mittlere  Gewerbefchulen,  wovon  fechs  der  bedeutendften
  den  Namen  Kreis-Gewerbefchulen  führen.
**  Der  Berichterftatter  glaubt  diefe  treffliche  Arbeit  hier  befonders  hervorheben  zu
müffen,  da  fie  merkwürdigerweife  von  der  Jury  überfehen  wurde.
            
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