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Full text : Der Zeichnen- und Kunstunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Der  Zeichen-  und  Kunftunterricht.

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bis  zur  höchftmöglichen  Vollendung  anzuftreben,  und  zugleich  die  Anwendung
der  Kunft  auf  die  Gewerbe  und  dadurch  die  Veredlung  der  letzteren  fich  zum
Ziele  zu  fetzen.
Der  Unterricht  beginnt  mit  dem  Ornamentenzeichnen  nach  plaftifchen
Modellen  und  hat  der  Schüler,  nach  corredter  Wiedergabe  der  Conturen,  die
ebenfo  wichtige  innere  Bewegung  der  Formen  zu  ftudiren.  Das  Modelliren  im
Ornamente  gefchieht  meift  nach  Zeichnungen  mit  theilweifer  Benützung  alter
Vorbilder  und  das  für  das  Induftrielle  fo  nothwendige  Uebertragen  vom  Graphifchen
  ins  Plaftifche  zu  lernen.
Für  die  Uebung  in  der  Holz-  und  Metalltechnik  werden  an  der  Anftalt
fowohl  Holzfchnitzerei-  als  Cifelirarbeiten  gefertigt,  die  entweder  als  Modelle  in
die  Werkftätten  der  Gewerbetreibenden  übergehen  oder  diredl  für  kirchliche
oder  profane  Zwecke  verwendet  werden.
In  der  Architektur  führt  das  conftrudlive  Zeichnen  nach  antiken,  gothifchen
und  Renaiffancemuftern  zu  felbftftändigen  Entwürfen  baulicher  und  baugewerklicher
  Gegenftände  und  der  Anwendung  der  Architektur  auf  die  Ausftattung  kunft  -
gewerblicher  Objedte.
Im  figuralen  Fache  folgt  nach  der  Antike  das  Naturftudium  im  Porträt
und  dem  Adle  —  fowohl  im  Zeichnen  als  im  Modelliren.  Damit  ftehen  auch  die
Uebungen  im  Malen  in  Verbindung.
Das  Inftitut  pflegt  auch  den  das  Kunftgewerbe  fördernden  Zweck,  unter
Leitung  der  einzelnen  Lehrer  von  den  Schülern  gröfsere  plaftifche  oder  bildliche
Gegenftände  zu  gewerblichen  Zwecken  auf  Beftellung  auszuführen,  fo  auch  rein
künftlerifche  Aufgaben  in  derfelben  Weife  zu  löfen.  Die  Anftalt  bildet  fonach
durch  diefe  aus  der  Erfahrung  hervorgegangene  Einrichtung,  was  der  deutfchen
Induftrie  vielfach  mangelt  und  was  an  der  Spitze  diefes  Auffatzes  betont  wurde,
eine  Brücke  zwifchen  der  Kunft  und  dem  Kunftgewerbe.  Die  Organifation  der
Nürnberger  Kunftfchule,  fo  wie  wir  fie  hier  flüchtig  gefchildert  haben,  läfst  mit
ihren  Ergänzungen  der  kunftwiffenfchaftlichen  und  anatomifchen  Vorträge,  der
Zuhilfenahme  verfchiedener  Vervielfältigungsmittel  für  ihre  Produdlionen  etc.
gewifs  keinen  Wunfch  übrig;  es  handelt  fleh  nur  darum,  wie  die  Richtung  der
Schule  (in  Bezug  auf  Stil)  fleh  zu  der  allgemeinen  Strömung  der  Zeit  verhält  und
welche  Rolle  fie  in  diefer  Beziehung  in  der  Gegenwart  und  für  dienächfte  Zukunft
für  die  deutfehe  Induftrie  fpielt.  Wir  berühren  damit  freilich  eine  Frage  von  viel
allgemeinerer  Bedeutung,  nämlich:  was  fpielt  die  Gothik  heute  mehr  für  eine
Rolle  im  Baulichen  und  Induftriellen  überhaupt?
Wer  das  alte  Nürnberg  durchwandert,  wird  es  begreiflich  finden,  dafs  in
Mitten  der  lebendigften  Traditionen  des  Mittelalters,  unter  den  fchönften  Blüthen
der  deutfchen  Kunft  in  einer  Kunftfchule  dafelbft  diefe  Elemente  noch  foitleben
muffen,  felbft  wenn  anderwärts  die  Zeit  längft  der  Kunft  ein  neues  Gewand
gefchaffen  und  der  in  fteter  Entwicklung  wandelnde  Gefchmack  fich  in  reichen
Veränderungen  erging.  Seitdem  die  moderne  Kunft  vorzugsweife  durch  die  Vorbilder ­
  der  italienifchenRenaiflance  wieder  zurNatur  zurückkam  und  die  dichtende
Phantafie  ihre  reinften  Quellen  wieder  erkannte,  verlor  die  Gothik  das  Gebiet
der  Profankunft  gänzlich;  fie  lenkte  fpeciell  zum  Kirchlichen  hin,  in  welchem
fie  fich  ja  in  der  Vergangenheit  in  den  grofsartigften  Schöpfungen  entfaltet  hatte.
Hier  allein  wird  fie  auch  noch  ihr  Fortkommen  finden,  fowohl  im  Baulichen  als
im  Kunftgewerklichen.  —  Die  Nürnberger  Kunftfchule,  die  ehedem  vorwiegend
die  Gothik  pflegte,  hat  nun  wohl,  von  der  Zeit  gedrängt,  nach  und  nach  die
deutfehe  und  auch  die  italienifche  Renaiffance  aufgenommen.  Die  heiteren  For
men  des  Südens  neben  den  ftrengen,  markigen  des  Nordens  1  —  Die  verfchiedenen
Elemente  berühren  fich,  aber  vereinigen  fich  nicht  zu  neuer  Fruchtbarkeit.  So
achtenswerth  die  Leiftungen  der  Schule  nach  den  verfchiedenen  Richtungen  hin
genannt  werden  müffen,  fo  war  daraus  doch  nur  zu  erkennen,  dafs  in  diefem  Nachahmen ­
  des  Hergebrachten  auch  ihr  Erreichtes  liegt.  Es  fehlen  die  pulfirenden
            
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