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Full text: Der Zeichnen- und Kunstunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Der Zeichen- und Kunftunterricht. 
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fchliefsen fich einfache Gypsmodelle und Geräthe unter Berückfichtigung von 
Licht und Schatten. 
In den Mädchenclaffen wird dann noch in der oberen Abtheilung das 
Zeichnen von Stickmuftern angefchloffen, und werden die Schülerinen zunächfl 
mit den wichtigflen Elementarformen vertraut gemacht, dann zum Abändern und 
Benutzen einer gegebenen Form für verfchiedene Zwecke geführt und fchliefslich 
zum felbftftändigen Erfinden angeleitet. 
In der Gewerbefchule wird ausfchliefslich nach Modellen gezeichnet, und 
zwar im Anfang mit Contouren und allmälig zum Schatten fchreitend, dabei aber 
die verfchiedenen Darftellungsmittel berückfichtigt. Das figurale Zeichnen wird 
nur von jenen Gewerbebefliffenen geübt, die derfelben in der Praxis bedürfen. 
Die ausgeftellten Arbeiten bewiefen, dafs an der Anftalt alle Richtungen 
des Zeichnens gewiffenhafte Pflege finden, dafs dem Ornamente das Studium der 
Blume zur Seite fleht und es nicht verfäumt wird, auch die Selbflthätigkeit im 
Erfinden anzuregen. 
Die Objedle, welche aus denFachcurfen der Decorateure, Möbeltifchler etc. 
vorgelegt waren, zeigten in dem zweckmäfsigen, einfachen Aufbau der Formen 
und in der richtigen Geflaltung und Anwendung des Ornamentes, dafs die Schule 
dem Fortfehritte in Bezug auf Reform des Gefchmackes, welcher fleh in England 
und Oefterreich Bahn bricht, mit regflem Eifer folgt. Es werden bei der Dar- 
flellung der Gegenflände, die nicht als Bilder auf dem Papier zu gelten haben, 
fondern nur für die praktifche Ausführung gefchaffen werden, die leichterten Mittel 
angewandt und alle überflüffige Malerei und zeitraubende Ausführung vermieden. 
An der Anftalt wird nur gezeichnet und modellirt und ift es dem Fleifse 
und der Thunlichkeit der einzelnen Schüler überlaffen, in ihren Werkftätten Ent 
würfe, die fle in der Schule unter der Leitung ihrer Lehrer machen, auszuführen. 
Es ift diefs ein treffliches Mittel, die Vortheile der Schule unmittelbar in das 
Gewerbe zu verpflanzen und dadurch das Intereffe für die Schule in den Kreifen 
der Induftriebefliffenen rege zu halten. Einzelne Objecfte, welche auf diefe Weife 
durch die Anftalt gefchaffen wurden, waren auch ausgeftellt und zeugten von ganz 
edler Gefchmacksrichtung. Befonders hervorragend waren davon die Tifchler- 
arbeiten. In den Modellirungen (in Gyps und Wachs) waren ornamentale und 
figurale Vorwürfe behandelt und verdiente die .exadle, ftrenge Behandlung der 
Formen volles Lob. 
Ebenfo fyftematifch wie im Freihand-Zeichnen wird auch im Linearzeichnen 
vorgegangen, und finden die geometrifchen Conftrudlionen ftets in praktifchen 
Beifpielen ihre Anwendung. Ganz tüchtige Arbeiten lieferte befonders die Schule 
für Bau-Handwerker, aus welcher auch fehr hübfehe bauliche Entwürfe Vorlagen. 
Der Vortrag war in den Zeichnungen ebenfo präcis als einfach, und waren nirgends 
fogenannte Ausftellungsblätter zu finden, die fonft blofs die Augen der Laien zu 
feffeln berufen find. 
Sehr gute Arbeiten lagen auch von der feit 1870 unter der Aufficht und 
Verwaltung der allgemeinen Gewerbefchule flehenden St. Pauli-Gewerbefchule vor. 
Brillirten die Hamburger Gewerbefchulen auch nicht in pomphaften 
Tableaux, und begnügten fie fich, in befcheidener Form ihre Leiftungen dem 
Urtheile des Publicums vorzulegen, fo zogen fie gerade durch ihr ungefchminktes 
Auftreten die Aufmerkfamkeit der Fachmänner in hohem Grade auf fich, und 
konnten fich die Leiftungen von allen Seiten ungeteilter Anerkennung erfreuen. 
Das Inftitul hatte fall feine fämmtlichen Lehrkräfte zum Befuch der Au 
fteilung nach Wien gefchickt und dürften die dafelbft gemachten weiteren Erfah 
rungen das Aufblühen der Anftalten um fo mehr fördern. * 
* Es war nur zu bedauern, dafs dem Hamburger gewerblichen Mufeum diefsmal wenig 
Mittel zur Verfügung geftellt waren, um Einkäufe von kunftinduflriellen Gegenftänden auf der 
Weltausftellung zu veranlaffen, in welcher Hinficht die Sammlungen Deutfchlands, Oefterreichs 
und Rufslands reichlicher bedacht waren.
	        
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