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Volltext: Der Zeichnen- und Kunstunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

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J. Langl. 
in der Wandlung des Gefchmacks wahrgenommen werden. Zwar dominirt noch 
immer der Stil aus der Zeit Louis XV., noch immer finden wir die Blume, und 
das plaftifche Ornament auch dort, wo Beides nicht hingehört: jedoch Schritt für 
Schritt dringt fchon die ftilifirte Form vor, und das ehemals verpönte Architek- 
tomfche findet feinen Eingang in Stofifdeffins, in den Broncen, Fayenzen etc 
Es mag der mehr als ehedem gereizte Nationalftolz mit-Urfache fein, dafs weniger 
die Elemente der allgemeinen Reform Eingang finden, als die Imitation des alten 
und vorzugsweife des Orientes, wobei jedoch dem nationalen Charakter zufolge 
vielfach das Effectvolle dem eigentlichen Schönen vorgezogen wird 
Wir haben nun zunächlt zu erörtern, welche Richtung in Bezug auf Stil 
an den Schulen gepflegt wird, und auf welcher Stufe der Kunftunterricht überhaupt 
gegenwärtig in Frankreich fleht. F 
In Betreff des erden Punktes müffen wir hier an die Spitze Hellen: „Was 
gezeichnet wird“, denn mit den Formen, in welchen der Zeichner erzogen wird 
fpricht er fpäter als Ausübender, oder findet doch feinen Gefallen daran. Die Wichtig 
keit, welche Vortagen, Modelle etc. für den Zeichenunterricht haben, wurde in 
lanueich langft anerkannt, und feit Jahrzehnten beherrfchen damit alle Welt 
die rarifer Verleger. 
Julien mit feinen zahlreichen Vorlagewerken war bis in die fünfziger Tahre 
herein der tonangebende Autor und nicht nur in Frankreich, wo es überhaupt 
Zeichenfchulen gab fand man feine glatt gezeichneten Köpfe, feine phrafenhaften 
Ornamente beftechlich für das Auge— bedenklich für einen rationellen Unterricht 
Das figuraie Zeichnen mufste damit entfchieden auf Abwege gerathen, und auf 
der We tausftellung beftätigten diefs wieder die Schülerarbeiten vieler Anftalten 
an welchen noch die alteren Schulen des genannten Autors in Verwendung flehen! 
Beben diefem wurde dann das leichte Ornament cultivirt, worin vielleicht Bilor- 
deaux das Elegantefte leiftete —und die Blume. Im letzteren Genre entftanden 
nun frühzeitig und noch bis heute muftergiltige Vorlagen: diefs war ja das Haupt 
element in der Induftrie ! 1 
Nun kamen die Weltausftellungen und die Concurrenz forderte exaftere 
lonnten In derInduftrie ’ die aber nur durch den Kunftunterricht eingeführt werden 
„ , De , r Umfchwung, der auf dieiem Gebiete in den letzten Jahren fich in 
I rankreich vollzog, war das bedeutfamfte Signal für den allmäligen Umfchwung 
des Gefchmacks in der franzöfifchen Kunftinduftrie. Vorlagewerke entftanden 
nicht mehr wie ehedem aus der Phantafie Einzelner; es wurde bei der Wahl der 
Motive ftrenger vorgegangen, und zu den Claffikern eingedenk. 
i • Die Firma „Julien“ felbft brachte die „Etudes d’apres l’antiques“, die aber 
leider wieder nur zu genial, zu breit gezeichnet waren, als dafs fie für die Elemen- 
tarftufe des figuralen Zeichnens muftergiltig genannt werden könnten. Im Orna 
mente wurde zunächft zur Renaiffance umgekehrt; dann aber Motive und Formen 
aus der ganzen Kunftgefchichte, von den Indern, Aegyptern etc. angefangen, bis 
herauf zum Zopf in den Vorlageblättern vorgeführt. Es mag das Imitiren verfchie- 
dener Stile in der modernen franzöfifchen Induftrie damit in Wechfelbeziehung 
flehen. Eine Anzahl hervorragende Verleger, wie Delagrave, Delarue, Ducher 
Monrocq (freres), Baudri, Morel etc. erzeugten in diefer Jlinficht wahre Pracht 
werke Das Zurückgreifen nach den claffifchen Vorbildern und insbefondere im 
l'iguralen nach der Antike, fteigerte fich noch feit der letzten Ausftellung und 
ward diefs Beftreben auch von der Regierung in Frankreich felbft bis zur Gegen- 
wart reichlichft unterftiitzt. Zwar find im Allgemeinen die Früchte noch nicht 
überall zu Page getreten, aber energifches Hinarbeiten, edlere Elemente in das 
I ormenwefen zu bringen, mufs allenthalben conftatirt werden. 
All den neueflen Erfcheinungen, die auf der Ausftellung Vorlagen, ift vor 
Aüemp. Ravaiffon’s „Claffiques de l’art, modelles pour 1’enfeigement du deffin“ 
zu nennen. Die Photographien find gröfstentheils nach den claffifchen plaftifchen
	        
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