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Full text : Der Zeichnen- und Kunstunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Der  Zeichen-  und  Kunftunterricht.

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künftlerifchen  Geflalt,  flieg  er  von  dem  erhabenen  Ernft  zum  Naiven,  Profanen,
herab.  Peinlich  mufste  es  den  Kunftfreund  berühren,  in  den  italienifchen  Sculpturen
  eine  fo  glänzende  Technik  an  fo  viel  Nichtsfagendes  verfchwendet  zu  fehen.
Es  würde  zu  weit  führen,  hier  auf  die  Hauptzweige  der  italienifchen  Kunflinduflrie
in  Bezug  auf  die  Formen  und  das  Technifche  näher  einzugehen.  Ihre  Glas-  und
Marmorarbeiten,  Fayencen,  Broncen,  und  obenan  die  Holzfchnitzereien  find
Erbgut  der  claffifchen  Periode  des  XV.  und  XVI.  Jahrhundertes.  Innig  hängt  mit
diefen  verfchiedenen  Zweigen  der  Induftrie  die  traditionelle  Erziehung  des
Formenwefens  durch  die  Schulen  zufammen.  Es  ift  z.  B.  auffallend,  dafs  in  der
Stoffornamentik,  die  feit  Langem  in  den  Schulen  ignorirt  wird,  die  Traditionen
aus  der  Renaiffance  fall  ganz  erlofchen  find  und  am  meiften  fremde  (franzöfifche  j
Elemente  Eingang  gefunden  haben.  Ein  Beweis,  welcher  Zufammenhang  zwifchen
dem  Kunftunterricht  und  der  Formbewegung  in  der  Induftrie  befteht.  In  Italien  hat
zwar  nur  der  Handel  die  Modelle  für  die  Schule  beftimmt  und  die  im  Geifte  der
Renaiffance  erzogenen  Künftler  machten  die  Formen  traditionell;  wenn  nun  die
Künftler  mit  der  franzöfifchen  Blume  in  den  Stoffdeffms  der  Mode  folgten  —
kümmerte  fich  nicht  die  Schule  darum;  hätte  aber  die  Schule  die  Zeichner  auch
in  diefem  Zweige  an  den  claffifchen  Formen  erzogen,  fie  würden  gewifs  das  Feld
behauptet  haben.
Der  Zeichenunterricht  ift  in  Italien  demzufolge  in  den  Induftriebezirken
mehr  als  Bedürfnifs  und  findet  auch  überall  die  forgfältigfte  Pflege.  Die  fcuola
tecnica  hat  zumeift  auch  den  Charakter  einer  Induftriefchule,  in  welcher  mehr
befondere  technifche  Zwecke  verfolgt  werden,  als  dafs  den  Elementen  der
allgemeinen  Bildung  Rechnung  getragen  würde.  Ueberall  fprach  auch  aus  den
Zeichnungen  der  praktifche  Zweck  des  Decorateurs,  felbft  im  linearen  Zeichnen,
wo  ftets  das  geometrifche  Ornament  (Mofaikböden  etc.)  eine  bedeutende  Rolle
fpielte.  Die  Ausftellung  war  mit  Schülerarbeiten  im  Zeichenfache  fehr  reich
befchickt.  Aus  allen  Provinzen  des  Landes,  das  ferne  Sicilien  nicht  ausgenommen,
lagen  Portefeuilles  auf,  und  war  es  bei  der  Maffe  des  intereffanten  Materiales  nur
zu  bedauern,  dafs  weder  in  geographifcher  Beziehung,  noch  nach  den  Kategorien
der  Anftalten  irgend  welche  fyftematifche  Anordnung  getroffen  war  und  überdiefs
diö  Regierung  es  verfäumt  hatte,  zu  näheren  Auffchlüffen  über  das  Unterrichtswefen
  einen  Fachmann  für  die  Ausftellung  zu  beftimmen.  Auf  die  Darftellung  des
Lehrganges  wurde  nur  theilweife  Rückficht  genommen;  zumeift  fanden  fich  blofs
Ausftellungsobjedle,  das  heifst  die  bellen  Leiftungen  der  Schüler.  Wir  beginnen ­
  mit  Norditalien,  dem  Theile,  welcher  die  Ausftellung  am  reichften
befchickt  hatte.
Pas  „Iftituto  induftriale  e  profeftionale“  zu  Turin  hatte  Schülerleiftungen
aus  allen  Gebieten  des  Zeichenfaches  vorgelegt.  Befonders  hervorragend  waren
die  Arbeiten  der  technologifchen  Abtheilungen,  unter  denen  auch  der  Lehrgang
in  der  vorbereitenden  CI  affe  klar  dargeftellt  wurde.
Aus  den  Fachcurfen  war  neben  tüchtigen  Leiftungen  im  Mafchinen-  und
Architekturzeichnen  auch  das  Situationszeichnen  mit  trefflichen  Arbeiten  vertreten.
Im  freien  Zeichnen  brillirte  das  Ornament  (in  Blei).  Der  Zeichenunterricht  fleht  an
der  Anftalt  unter  der  ausgezeichneten  Leitung  des  Profeffors  G.  A.  Boidi,'Von  welchem
auch  zahlreiche  fachliche  Werke  vorgelegt  waren,  die  hier  Erwähnung  verdienen.
Sein  „Manuale  di  difegno  lineare  geometrico“  umfafst  die  Formenlehre,  angewandt
in  geometrifchen  Ornamenten,  die  Projedlionslehre,  angewandt  in  Bauobjeclen,
und  das  Wichtigfte  der  Perfpeblive.  Als  Fortfetzung  für  die  höheren  Curfe  ift  dann
des  Verfaffers  „L’Ingegnere“  zu  betrachten,  in  welchem  Werke  die  darftellende
Geometrie  ausführlich  durchgenommen  erfcheint  und  vorzugsweife  Beifpiele  aus
dem  Mafchinenfache  herbeigezogen  find.  Für  das  Baufach  bietet  der  „Corfo
compiuto  di  difegno  geometrico  induftriale“  eine  treffliche  Schule  im  Conftrudliven,
während  fein  „Manuale  di  difegno  architedlonico“  fchöneMotive  für  Decoratives
in  der  Architektur  enthält.
            
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