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Full text : Der Zeichnen- und Kunstunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

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J.  Langl.

Tradition  hmausgehen  und  mithin  von  einem  Fortfehritte  diefsbezüglich  feit  fahren
wenig  bemerkbar  ift,  hat  feine  Urfache  lediglich  in  den  Schulen,  in  welchen  eben
nur  das  Alte  nachgeahmt  wird  und  neue  Elemente  aus  der  Univerfalquelle  für
alle  Kunft,  der  Natur,  nicht  herangezogen  werden.  Schon  der  Mangel  des  fWalen
Zeichnens  wirkt  hemmend  auf  die  freiere  Entfaltung  des  Ornamentes  efu  und
gerade  diefem  mufs  in  erfter  Linie  in  den  Unterrichtsanftalten  Rechnung  getragen
werden,  wenn  das  Volk  auch  zum  höheren  Verftändnifs  der  Kunft  erzogen  werden
foll  Der  italiemfchen  Induftrie  fteht  heute  nicht  mehr  wie  im  Cinquecento  eine
giofse  Kunft  zur  Seite,  die  einen  weiteren  Impuls  auf  fie  ausüben  würde  ■  fie
arbeitet  allein  auf  den  alten  Wegen  fort  und  erhält  blofs  anGeiftigem,  was  damals
ihr  verliehen.
1  IV  lft  dle  Zeit ’  111  welcher  Reformbeftrebungen  mit  Bewufstfein  in
der  Kunftmduftne  angeftellt  werden,  eine  noch  fehr  junge  und  die  Denkmäler
Welt  Italiens  noch  lange  nicht  dafür  erfchöpft  -  aber  gerade  in  dem  Lande  wo
edlere  Formen  he.mifch  find,  könnte  zuerft  eine  freiere  Bewegung  im  Geifte  des
I  ortfehnttes  ftattfinden.
Wenn  wir  die  Publicationen  für  die  Zwecke  des  Kunftunterrichtes  feit
20  Jahren  Überblicken,  fo  ift  der  Inhalt  derfelben  gewifs  in  zwei  Dritttheilen  den
Denkmälern  Italiens  entnommen.  England,  Frankreich,  Deutfchland  und  Oefterreich
  haben  die  Schätze  diefes  Landes  für  die  Erziehung  der  heimatlichen  Kunft
herangezogen  und  fie  als  Schule  für  die  Fortbildung  des  Gefchmackes  benützt
Die  politifchen  Verhältniffe  Italiens  mochten  es  wohl  hauptfächlich
gewefenfem,  die  emfelbftftändiges  Verwerten  des  im  Lande  Vorhandenen  bisher
hmderten.  Jetzt,  wo  die  lange  angeftrebte  Einheit  vollzogen  ift,  dürfte  auch  in
diefer  Hinficht  eine  erfreulichere  Thätigkeit  fich  entfalten.  —  Was  von  neueren
I  ublicationen  in  Betreff  des  Zeichen-  und  Kunftunterrichtes  vorlag  beftanu
grofstentheils  in  Photographien,  einem  Induftriezweig,  der  bekanntlich  befonders
im  Reproduciren  in  Italien  gegenwärtig  auf  der  höchften  Stufe  fteht.  —  Neben
grofsen  Copien  nach  Gemälden  der  claffifchen  Meifter  ift  hier  des  hohen  Inter
effes  wegen  die  vorzügliche  Publication  der  Handzeichnungen  aus  der  Pina
kothek  in  Venedig  von  A.  Srini  zu  erwähnen.  —  Unter  dem  Titel  „Sülle  scoperte
archeologiche  nelle  citta  et  provincia  di  Roma  negli  anni  1871  —  1872“  ift  in
prachtvollen  Bildern  (v.  fratelli  Rofa)  die  alte  Tiberftadt  mit  ihrer  Umgebung
felbft  auf  der  Ausftellung  erfchienen.  b
Von  lithographifchen  Werken  fei  noch  genannt  „Racolta  di  Ornamenti“
nach  leiracotten  in  Siena  (aus  dem  XV.  und  XVI.  Jahrhundert)  von  S.  Rotellhr
und  G.  Breuci  (Siena  1873);  reizvolle  Renaiffance-Motive  in  die  verfchiedenften
Räume  componirt  —  und  „Mufaici  chriftiani  e  faggi  pavimenti  della  Chiefe  di
Roma“  (aus  dem  XV.  Jahrhunderte)'von  G.  B.  di  Roffi  in  fchöner  chromolitho
graphifcher  Ausführung,

England.
Es  wurde  bereits  hervorgehoben,  dafs  England  nach  der  erften  Londoner
Weltausftellung  im  Jahre  1851  allen  Staaten  Europas  darin  voranging,  durch  den
Zeichenunterricht  den  beftehenden  Gefchmack  in  der  Kunftinduftr’ie  zu  reformiren
  und  damit  feine  eigenen  Produktionen  diefer  Richtung  zu  heben.  Als
Centralftelle  diefes  Unternehmens  wurde  das  South-Kenfington-Mufeum  mit  der
damit  verbundenen  Kunftfchule  gegründet  und  ein  eigenes  Adminiftrativamt  für
Kunft  und  Wiffenfchaft  (Science  and  Art-Departement)  eingefetzt.  In  allen
bedeutenden  Induftrieftädten  des  Landes  wurden  „Schools  of  Art“  errichtet  (bis
jetzt  über  100),  in  welchen  den  jeweiligen  Bedürfniffen  entfprechend  Unterricht
im  Zeichnen,  Malen  und  Modelliren  ertheilt  wird.  Die  Vorbilder,  nach  welchen
diefe  Schulen  arbeiten,  gehen  alle  von  der  Centralftelle,  der  reichen  Sammlung
des  genannten  Inftitutes  aus,  welches  auch  in  allen  anderen  Beziehungen  für  den
            
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