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Full text: Der Zeichnen- und Kunstunterricht (Theilbericht der Gruppe XXVI), officieller Ausstellungs-Bericht

Der Zeichen- und Kunftunterricht. 
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und Franzofen und tritt nur im Ornamente das exadl Nationale wieder hervor. 
Erwähnung verdienen auch die fehr fchönen kalligraphifchen Arbeiten. Eingehend 
wird auch das Zeichnen für die textilen Zwecke betrieben, wobei nur bezüglich 
der Farbenharmonie noch manche Wünfche übrig blieben. Auch hierin fanden 
fich wieder franzöfifche Blumen den Deffins untermifcht. 
Das geometrifche Zeichnen wird in den Elementarcurfen fehr ausführlich 
genommen und auch Projedtionslehre und Perfpedtive umfaffend gepflegt; daran 
fchliefsen fleh dann die Fachcurfe für Bau- und Mafchinenkunde, worin nach 
beiden Richtungen tüchtige Arbeiten Vorlagen. — Weniger günftig mufs das 
Urtheil über das figurale Zeichnen lauten; es wird nach den Julien’s Vorlagen 
mit Kreide auf weifsem Papier gearbeitet und zu viel Werth auf die Schattirungen 
gelegt. Die Gypszeichnungen waren zu „lithographifch“ behandelt; die Acle 
ohne gründliches Verftändnifs der Formen. Freilich hat das rufflfehe Ornament 
keine figürlichen Motive in fleh und bezieht fein Leben blofs durch die Farbe; 
allein eine Kunftfchule, wenn fle auch vorwiegend das Ornament zu pflegen 
berufen ift, foll nie das figurale Zeichnen hintanfetzen; für die Freiheit und Ver 
edlung der Formen in jeder Beziehung ift das Studium der menfchlichen Geftalt 
vom reichften Nutzen. 
In ganz ähnlichem Sinne arbeitet in St. Petersburg die„Societe d’en- 
couragement des a r t s“. Sie hatte aus ihrer Induftriefchule nur Zeichnungen 
der „CI affe de Compofition“ ausgeftellt, die vorzüglich genannt werden konnten. 
Es waren meiftGefäfse und kirchliche Geräthe für Gold und Email, Bücherdeckel, 
profane und kirchliche Holzarbeiten etc., vorwiegend im byzantinifchen Stil. 
Auch hatte das Mufeum der Gefellfchaft eine intereffante Colledlion „plaques 
emaillees“ aus dem XIV. und XV. Jahrhundert als Müller für die Schule ausgeflellt, 
fowie eine Sammlung von nationalen Gewändern und anderen Hausgegenftänden, 
welche die rufflfehe Volksinduftrie illuftrirten. Die von dem Inftitute herausgege 
benen „Nationalornamente“ beziehen fleh meift auf textile Kunft, und werden 
damit die Tendenzen der allgemeinen Reform in Rufsland verfolgt. 
Neben diefen fpeciell kunftgewerblichen Schulen waren von Rufsland noch 
die technologifchen Inftitute von St. Petersburg und Moskau mit 
Lehrmitteln für den praktifch-technifchen Unterricht auf der Aufteilung vertreten. 
In beiden Inftituten wird neben dem Theoretifchen ein Hauptwerth auch auf 
die praktifche Ausübung der verfchiedenen Fächer gelegt, und ift befonders die 
Moskauer technifche Schule darnach eingerichtet, die Zöglinge in allen Zweigen 
des Mafchinenbaues und der Mechanik auch in der Werkftätte heranzubilden. 
Die Anftalt zerfällt in zwei Abtheilungen und zwar in eine allgemein wiffenfehaft- 
liche und eine fachwiffenfchaftliche oder Specialabtheilung mit je dreijährigem 
Curfus. Die Lehrmittel, welche ausgeftellt waren, bezogen fleh nur auf den prak- 
tifchen Unterricht in den Werkftätten, welcher ganz fyftematifch in den verfchie 
denen mechanifchen Fertigkeiten der Drechslerei, Tifchlerei, Metalldreherei, 
Schlofferei etc. ertheilt wird. Die Schule hat darin nicht den Charakter, wie die 
in Frankreich exiftirenden, mittleren technifchen Schulen (zu Chalons, Aix, 
Angers etc.), wo blofs technifch gebildete Werkführer erzogen werden; fle ift 
lediglich Hochfchule, an welcher das Theoretifche den anderen europäifchen Hoch- 
fchulen gleichkommt, und dient der praktifche Unterricht nur zur Ergänzung des 
theoretifchen Wiffens. Es befteht zu diefem Behufe bei der Anftalt eine gröfsere 
Mafchinenfabrik mit Arbeitern auf Taglohn, welche Beftellungen auf Dampf- 
mafchinen, Werkzeug-Mafchinen, Pumpen und fonftige landwirthfchaftliche Mafchi- 
nen annimmt und ausführt * 
Es konnten leider wegen Raummangel von den einzelnen Kategorien der 
Lehrmittel nur Bruchtheile ausgeftellt werden, was zu bedauern war, da gerade 
* Die Fabrik liefert jährlich Mafchinen bis zur Summe von 100.000 fl.; diefelbe hatte 
auch Objecte in der Mafchinenhalle ausgeftellt.
	        
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