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Emil Twerdy.
Weife erreicht wird. Das gefchnittene Holz wird von der Schneidmafchine in
Cylinder von gelochten Blechen gebracht, welche nach gefchehener vollftändiger
Füllung in einen horizontalen Kochkeffel gefahren werden, worin fie während des
Kochproceffes verbleiben.
Nachdem fo viele mit gefchnittenem Holze gefüllte Cylinder in den Koch
keffel eingefahren find, als derfelbe faffen kann, wird die Einfahröffnung ver-
fchraubt, Soda in den Keffel gepumpt, und durch ein auf zwei Seiten des Keffels
befindliches diredtes Feuer der Kochprocefs eingeleitet. Wenn die Flüfsigkeit im
Keffel eine Temperatur erreicht hat, welche circa io AtmofphärenDruck entfpricht,
was in 314 his 4 Stunden ftattfindet, ift der Kochprocefs beendet, die Flüfsigkeit
wird herausgelaffen, der Keffel abgekühlt, und die mit gekochtem Holzftoff
gefüllten Blechcylinder werden aus dem Keffel herausgefahren, um fchliefslich in
ein mit horizontalem Rührwerk verfehenes Blechgefäfs entleert zu werden. Nach
dem der Holzftoff in diefem Blechgefäfs, mit Waffer vermifcht, eine kurze Zeit
gerührt worden ift, fliefst er in eine Wafchmafchine und hat auf derfelben
dreizehn mit Meffingfieben verfehene, horizontale Wafchtrommeln in der Weife
zu paffiren, dafs der reinfte Stoff immer mit dem klarften Waffer in Berührung
kommt.
Von der Wafchmafchine wird der ausgewafchene Stoff in zwei mit verticalem
Rührwerk verfehene Holzbottiche gepumpt, von welchen er vermitteln eines end-
lofen Siebes zwifchen horizontal rotirende Walzen gelangt, und vom gröbsten Theil
feines Waffers befreit wird.
Der auf diefe Weife bis auf5o Percent von Waffer befreite Holzftoff-Streifen
wird dann von Trockencylindern aufgenommen, vermitteln Rollen über eine
Dampfleitung geführt und gelangt fchliefslich ganz trocken zu einer Schneid
mafchine, welche ihn in das zum Verfandt geeignete Format fchneidet. Da die
wenigften Papierfabriken durch ihre Geldmittel und ihre örtliche Lage im Stande
find, eine eigene Holzftoff-Fabrik anzulegen, fo kann der Holzftoff als Verkaufs-
objecft einen Werth nur beanfpruchen, wenn er leicht transportabel, das heifst in
abfolut trockenem Zuftande geliefert wird. J. L e e ift bisher der einzige Fabrikant,
welcher Mafchinen zur Herftellung von ganz trockener Cellulofe liefert. Von der
zum Kochen des Holzes verwendeten Soda werden 75 Percent im flüfsigen
Zuftande wiedergewonnen. Der Gewinn an trockenem Holzftoffe beträgt circa
35 Percent von der aufgewandten lufttrockenen Holzmaffe, das heifst Holz, welches
beiläufig zwei Monate im Walde gelegen hat.
Zur Herftellung von 20 Centner Holzmaffe find nöthig: 56 Centner luft
trockenes Holz, 15 Centner kauftifche Soda, von welcher 75 Percent wieder
gewonnen werden, demnach der Verbrauch nur 3% Centner ift, ferner 40 Centner
Steinkohlen, 18 Centner Kalk.
Die Herftellungskoften von 100 Pfund ungebleichter Cellulofe betragen
4 Thaler 4 Silbergrofchen. Da man zum Bleichen des Stoffes per 100 Pfund Holz
maffe 35 Pfund Chlorkalk braucht, koftet ganz gebleichter Stoff 6 Thaler 10 Sil
bergrofchen.
Anlagen unter 200 Centner Prodiuftionsfähigkeit per Woche werden nicht
ausgeführt, dagegen liefert J. Lee Einrichtungen für 200, 400, 600, 800, 1000
und 2000 Centner I'roductionsfähigkeit per Woche. Die hiezu nöthige Betriebs
kraft beträgt 30 bis 65 Pferdekräfte.
Der Wafferverbrauch für eine mittlere Anlage beträgt circa 70 Cubikfufs
per Minute, die chemifche Befchaffenheit des Waffers ift ohne Bedeutung.
Sämmtliche Mafchinen für eine Fabrik mit Dampfbetrieb, um wöchentlich
in 6 Tagen a 24 Stunden 400 Centner trockenen gebleichten oder ungebleichten
Holzftoff herzuftellen, koften ohne Emballage und Montage, franco, Dock London
10.059 Pfund Sterling. Betriebskraft 35 Pferde.
Für 200 Centner Wochenprodudlion koften die Mafchinen für Dampfbetrieb
9324 Pfund Sterling.