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Emil Twerdy.
arbeitung diefes Materiales fehr lohnend, denn der Centner lufttrockener Rinde
kollet i fl. 50 kr. und entfällt demnach für den Centner vollkommen gebleichten
Halbftoffes ein Preis von nicht ganz 18 fl., bei welchem man noch mit Vortheil
Cigarrettenpapier zu 48 bis 52 fl. den Centner verkaufen kann. Herrn Ritter
v. Zahony gebührt das Verdienft, durch Einführung diefes Induflriezweiges die
Ertragsfähigkeit der in füdlichen Gegenden allenthalben mit Maulbeer-Bäumen
bepflanzten Felder um ein Bedeutendes erhöht zu haben, was um fo mehr ins
Gewicht fällt, als nur zu häufig durch Ungund der Witterung oder durch das
Auftreten einer Krankheit die Hoffnungen der Landleute auf das Erträgnifs der
Seidenernte getäufcht werden, während der Ertrag aus dem ausgefchälten Bade
ihnen jedenfalls gefichert bleibt. Wenn die Verwerthung diefes vegetabilifchen
Stoffes zu Zwecken der Papierfabrication auch nur locale Bedeutung hat, ift es
immerhin von Werth und Intereffe, diefes bisher ganz unbeachtete Naturprodukt
in der Reihe der Hadernfurrogate mit Erfolg auftreten zu fehen.
Die Brennneffel. In der ungarifchen Papierabtheilung hatte die Her-
manetzer Papierfabrik J. B. Hü ttne r nebft verfchiedenenSortenfehrfchönerfeiner
Papiere, Couvertpapier aus purem Brennneffel-Stoff, fowie fein melirtes Concept-
papier ausHadern und einer Beimifchung von 5oPercent diefes Stoffes ausgeftellt.
Die Brennneffel-Fafer ift gewonnen von den Gattungen Urtica urens und divica.
Die Qualität der Waare ift überrafchend gut, und glaubt der Ausfteller, dafs fich
diefe bei weiterer Ausbildung der Stoffbereitung noch wefentlich beffer geftalten
dürfte. Es ift wohl das erfte Mal, dafs die Brennneffel-Fafer in gröfseremMafsftabe
als Papier-Rohmaterial zur Verwendung kam, und entnehmen wir den freund
lichen Mittheilungen des Herrn Ausftellers, dafs die in den, der Hermanetzer
Papierfabrik nahen grofsen Waldcomplexen verkommende, grofse Menge der
Brennneffel dazu Veranlaffung gab. Die Brennneffel wird, wenn fie in der Blüthe
fteht, grün eingefammelt, die Blätter und Blüthen mit der Hand gereinigt, und
dann die Stengel an der Sonne, unter Zuhilfenahme von Wafler, womit man die-
felben täglich drei oder vier Mal begiefst, fchwach gerodet und getrocknet. Die
getrockneten Stengel werden zwifchen Walzen fo lange zerquetfcht, bis die Fafer
zum Vorfchein kommt. Das darauf folgende Wolfen befreit die Fafer gänzlich von
den Stengelreden, die fo gereinigte Fafer wird gekocht und im Holländer
gebleicht. Die Anwendung von Chlorgas id, als der Brennneffel-Fafer im hohen
Grade fchädlich, zu vermeiden. Der gebleichte Neffeldoff wird nun entweder ohne
jede Beimifchung zu Papier verarbeitet, wie das ausgedellt gewefene Couvert
papier zeigte, oder mit einem beliebigen Zufatz von Haderndoff gemifcht, wie
aus dem ausgedellt gewefenen weifsen Conceptpapier erfichtlich war. Der Herr
Ausdeller id der Meinung, dafs man bei weiterer Ausbildung des Verfahrens ein
fehr fedes, reines und weifses Papier erzeugen kann. Die Rentabilität id bei dem
heutigen Stande der Papierpreife zu bezweifeln, felbd wenn man die Brennneffel
ganz umfond bekömmt, denn das Einfammeln und Putzen der Neffel id im Ver-
hältnifs zu dem Nutzquantum viel zu theuer. Hundert Pfund grüne Brennneffel
geben geputzt und getrocknet circa 35 Pfund Stengel und diefe circa i 3 / 4 Pfund
Fafer. So ausfichtslos auch die Verwendung diefes Rohmateriales für den gegen
wärtigen Stand der Papierfabrication id, fo verdient es doch alle Anerkennung,
dafs Verdrehe auf diefem Gebiete gemacht, und die Refultate in fo freundlicher
Weife den Fachcollegen zurKenntnifs gebracht werden. Die Hermanetzer Papier
fabrik id ihrer vorzüglichen Leidungen wegen eines der hervorragendden
Etabliffements Ungarns.
Kartoffeldengel. Gebrüder S p i r o , Mafchinenpapier-Fabrikanten in
Rothfecitz, Böhmen, haben eine Collektion von aus Kartoffeldengeln gefertigten
Pack- und Zuckerpapieren, fowie Proben diefes Stoffes in mehreren Stadien der
Bearbeitung exponirt. Die Papiere find von bedeutender Fedigkeit, jedoch