Papierinduftrie.
23
der Stoff in den Trog zurückfällt, ohne gegen die Haube geworfen zu werden.
Um dabei das abfolute Freiwerden der Walzfchienen zu fichern, fteht der obere
Theil des Grundwerkes um mehrere Centimeter über das Niveau des Stoffes
heraus. Auffteigend vor dem Grundwerke ift eine ftark gebogene Fläche, welcher
der durch die fjiecielle Vorrichtung, die man Elevator nennt, aufgeführte Stoff
regelmäfsig folgt.
Der vor diefer gebogenen, fteil auffteigenden Fläche befindliche Elevator
befteht aus einem Rade mit Schaufeln von 1200 Meter Durchmeffer und derfelben
Breite wie die Walze, macht nur 1V4 Umdrehungen per Minute, wegen des tiefen
Eintauchens der Schaufeln, welche nach der Bewegungsrichtung des Stoffes hin
ftark gebogen find. Die Uebertragung der Bewegung erfolgt von der Walzenwelle
aus damit die relativen Bewegungen diefer beiden Theile des Apparates mit
einander wechfelfeitig in Verbindung ftehen.
Gleichmäfsig durch diefen Apparat hinaufgezogen, kommt der Stoff von
felbft oben an und gelangt auf natürliche Weife zwifchen die Schienen der Walze
und des Grundwerkes, um da wie in den älteren Mühlen gemahlen zu werden. Da
die Walze nicht mehr den Zugang des Stoffes zu bewirken hat, fo ift es nicht
mehr nöthig, dafs die Schienen fo ftark, wie früher hervorragen; diefs ift bis auf
fünf bis fechs Millimeter verhindert. Der durch den Stoff der Walzenbewegung
bereitete Widerftänd ift demnach auf das Geringfte reducirt, und kann diefe
Erfparnifs je nach dem Rauminhalt der Stoffmühlen und den verfchiedenen
Bedingungen der Aufftellung zwanzig bis dreifsig Percent betragen.
Die zweite Verbefferung, welche kein geringes Intereffe bietet, befteht in
der neuen Anordnung des Bodens der Stoffmühle. Betrachtet man die gewöhnliche
Form der Stoffmühl-Tröge, fo bemerkt man, dafs die dem Boden zunächft liegenden
Stofffchichten eine viel langfatnere Bewegung als die höheren Schichten haben,
fo dafs die letzteren viel öfter die Walze paffiren als die erfteren. Die einzige
Hilfe gegen diefen unangenehmen Vorgang ift das Aufrühren, und ift diefes
nur ein fehr mangelhaftes Mittel. Befonders unregelmäfsig ift die Gefchwindig-
keit der Stofffchichten am Boden und der Oberfläche, am auffteigenden Theile des
Kropfes, welchen der Stoff zu erfteigen genöthigt ift, um das Niveau zu erreichen,
wo in den älteren Mühlen durch die Walze die Auffchleuderung ftattfindet. Indem
man diefen Kropf befeitigt und den Elevator bis auf den Boden des Troges ein-
tauchen läfst, erreicht man eine faft abfolute Gleichartigkeit der Gefchwindig-
keiten aller Stofflagen. Die Reibung am Boden kann allein noch den Gang der
unterften Lagen ein wenig verlangfamen. Um diefen Uebelftand zu beheben, erhält
der ganze Boden des Troges eine ununterbrochene Neigung vom Austritte des
Stoffes unter der Walze an bis zu dem Punkte, wo der Elevator ihn von Neuem
erfafst. Es beftand noch eine Ungleichheit des Mahlens durch die fehr verfchie
denen Bewegungen, welchen mit einer ziemlich gleichen Gefchwindigkeit die Stoff
fchichten nahe an der Mittelwand und der Aufsenwand folgen. Um diefe Unregel-
mäfsigkeit zu überwinden, wird das Uebermafs von Stoff benützt, den der Elevator
beftändig vor die Walze bringt. Diefes Zuviel wird durch einen Canal an den
äufseren Rand der inneren Mittelwand geführt, und findet fomit in ununterbrochener
Weife und während der ganzen Zeit des Mahlens ein Querabflufs an verfchiedenen
Theilen des Troges ftatt, der die vollkommene Vermifcfrang fichert. Diefe beiden
letzteren Anordnungen liefern die wirkliche Löfung des Rührers, ohne jede Mit
hilfe eines mechanifchen Werkzeuges. .
Die ökonomifchen Ergebniffe beftehen in einer beträchtlichen Befchleum-
gung des Mahlens, daher Zeiterfparnifs und einem geringeren Kraftverbrauch auch,
welcher faft nur 50 Percent von dem bei älteren Stoffmühlen benöthigten ausmacht.
Die neuen Anordnungen bieten jedoch auch noch andere Vortheile von
grofser Wichtigkeit.
Seit mehreren Jahren hat fich die Anwendung von Grundwerken mit
Schienen ohne zugefchliffene Schneide allgemein eingebürgert und ift diefe auch