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Full text : Die Maschinen und Werksvorrichtungen in der Thonwaaren-Industrie (Gruppe XIII, Section 2), officieller Ausstellungs-Bericht

Dr.  Emil  Teirich.

nicht  nur  alle  etwa  noch  feuchten  Stücke  nachgetrocknet,  fondern  auch  bis  zu  dem
Grade  erwärmt,  dafs  die  in  den  Verbrennungsprodutften  enthaltenen,  aus  den
erhitzten  Waaren  entweichenden  Wafferdämpfe  üch  nicht  an  der  Oberfläche  der
frifchen  Waare  niederfchlagen  und  diefelbe  dadurch  verunftalten.  Es  ift  felbftverftändlich
  ,  dafs  diefes  Schmauchverfahren  in  der  Regel  nur  bei  maffigen
Fabricaten,  wie  beifpielsweife  bei  Ziegelwaaren,  nicht  aber  bei  Porzellan  oder
Steingut  angewendet  wird  ,  die  wenig  Wafferdämpfe  geben  und  bei  denen  die
Verbrennungsprodudle  bei  höherer  Temperatur  entweichen.
Die  Kammergröfse  kann  ohne  fichtlichen  Einflufs  auf  die  Gleichförmigkeit
des  Brandes  zwifchen  6  bis  44  Cubikmeter  variiren,  ja  letztere  Dimenfion  noch
überfteigen.
Nach  diefen  und  der  Waarenforte  ändert  fich  die  Brenndauer  der  Kammer.
Verblend-  und  Chamotteziegel  brauchen  15  bis  25  Stunden,  feine  Verblender
und  Terracotten  25  bis  40  Stunden  je  nach  Empfindlichkeit  des  Materiales,  Thonröhren ­
  10  bis  12,  Porzellan  -  Verglühbrand  circa  4  Stunden,  Scharfbrand  bei
Vollfeuer  in  demfelben  Ofenfyftem  10  Stunden  im  Durchfchnitte.
Gegenüber  den  alten  Porzellanöfen  mit  Benützung  der  abgehenden  Hitze
für  das  Verglühen  ftellt  fich  die  Brennftoff-Erfparnifs  in  Mendheim’s  Ofen  auf
circa  25  Percent  ,  da  bei  diefem  Syfteme  Verglüh  und  Kapfelbrände  gefondert
gemacht  werden  müffen.  Für  leicht  brennende  Ziegel  (vom  Normalmafs
250  X  120  X  65  Millimeter)  genügen  circa  500  Pfund  oberfchlefifche  Steinkohle
pro  10.000  Pfund  Waare,  ein  Brennftoff-Verbrauch,  der  fich  bei  fehr  fchwer
brennenden  Materialien  und  Klinkerbränden  auch  verdoppeln  kann.
Bei  Thonröhren  und  Steingut  rechnet  man  100  bis  160  Pfund  per  Cubikmeter ­
  Kammerinhalt  je  nach  dem  zu  erzielenden  Feuergrade.
Es  ift  zwar  einleuchtend,  dafs  die  Vorzüge  diefes  Ofenfyftemes  in  vollftem
Mafse  nur  dann  hervortreten,  wenn  dasfelbe  für  continuirlichen  Betrieb  gebaut
ift  und  ein  folcher  darin  auch  wirklich  unterhalten  wird,  doch  fchliefst  diefs  keineswegs ­
  aus,  dafs  im  gegebenen  Falle  nur  ein  Complex  von  4  oder  5  etc.  Kammern
für  intermittirenden  Betrieb  in  Anwendung  kommt.
Alle  jene  Brennmaterialien,  welche  für  Flammfeuerungen  gut  verwendbar ­
  find,  können  auch  für  Generatorbetrieb  verwendet  werden.  In
neuerer  Zeit,  wo  die,  beifpielsweife  in  Steiermark  mit  den  Leobner  Gri'eskohlen
  angeftellten  Verfuche,  deren  Verwendbarkeit  im  Siemens’fchen  Gasofen
gezeigt  haben  ,  können  diefe,  dann  aber  wahrfcheinlich  auch  jüngere  Braunkohle ­
  ,  Lignit  und  Torf  zur  Gaserzeugung,  und  dann  mit  grofsem  ökonomifchen
Vortheile  verwendet  werden.
Der  Mendheim’fche  Ofen  hat  jedenfalls  die  gröfste  Zukunft  in  der  Thonwaaren
  Induftrie  bei  Erzeugung  feinerer  Waaren;  zum  Brennen  für  Ziegel,  ja  vielleicht ­
  felbfl  noch  für  gewöhnliche  Steinzeug  -  Röhren  brennt  er  naturgemäfs  zu
theuer  und  macht  daher  dem  bekannten  Ofen  von  Friedrich  H  offmann  in
Berlin  keine  Concurrenz.  Mit  deffen  Erfindung  und  Ausbreitung  begann  unftreitig
eine  neue  Epoche  für  die  Thonwaaren-Induftrie,  die  befonders  jenem  Zweige  derfelben,
  welcher  die  gröfsten  Maffen  zu  bewältigen  hatte,  alfo  der  Ziegelfabrication,
zu  gute  kam  und  fich  von  diefer  auf  die  Erzeugung  von  Kalk,  Cement  und  Gyps
übertragen  hat.
Als  im  Jahre  1858  Hoftmann  zuerft  mit  feinen  Ringöfen  vor  die  Oeffentlichkeit
  trat,  wurden  diefelben  zwar  lebhaft  von  der  Wiffenfchaft  als  theoretifch
vollkommenfler  Brennapparat  begrüfst,  aber  nur  allmälig  fand  die  neue  Idee  eine
praktifche  Geftaltung  ;  als  aber  die  überrafchenden  Refultate  der  enormen  Brennftoff-Erfparnifs ­
  und  die  Güte  des  erzielten  Produktes  Würdigung  gefunden  hatten,
nahm  die  Zahl  der  Ringöfen  in  erftaunlicher  Weife  fo  zu  ,  dafs  heute  beinahe
taufend  nach  den  Entwürfen  des  Erfinders  errichtet  worden  find.  Sieben  Achtel
davon  dienen  der  Ziegelinduftrie  ,  der  Reft  zur  Erzeugung  von  Kalk  und
Gementen.
            
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