MAK

Full text: Bautischlerei (Gruppe VIII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

Bautifchlerei. 
11 
Italien. Die Italiener, welche lange Zeit der Bautifchlerei keine befon- 
dere Achtung widmeten, haben eingefehen, dafs auch das füdliche Klima gute 
Fenfter und Thüren nöthig macht. Die ausgeftellten Gegenllände, welche meift 
aus feinfaferigem Lärchenholz gefertigt find, zeigten eine exadte Behandlung; feit 
die Vortheile des wärmeren Bodens in gefundheitlicher Beziehung erkannt wurden, 
hat auch die Parquettenfabrication fich Eingang verfchafft und waren tüchtige 
Arbeiten von DalTedesco Marco in Venedig, Brunelli in Trevifo und Rone o 
in Padua ausgeftellt. 
Zu erwähnen find noch die ausgeftellten Oliven- und Citronenhölzer von 
Monaco. 
Belgien. Im Pavillon der belgifchen Commiffion, welcher von der Firma 
Gebrüder Deviffer in Molenbeck-Saint-Jean bei Brüffel ausgeftellt war, wurde die 
belgifche Bautifchlerei repräfentirt; franzöfifche Anklänge mit englifchen Motiven 
vermifcht, kamen zum Vorfchein; hiermit foll übrigens kein Unheil über die 
Bautifchlerei des Landes gegeben fein, da diefer Pavillon anfpruchslos, wohl auch 
ohne Detailpläne nur zu vorübergehenden Zwecken gebaut wurde, folglich nicht 
mafsgebend fein kann. 
Eine von Snyers Rang & Comp, in Brüffel ausgeftellte Wandverkleidung 
mit einem Buffet zeigte eine fehr forgfältige Arbeit; zu jedem Theil ift das paffend 
textirte Holz ausgefucht, was befonders anerkannt zu werden verdient. 
Von Bulens in Brüffel waren Jaloufien in der Art, wie fie in Paris häufig 
Vorkommen, ausgeftellt. 
Pelfeneer in Brüffel hat die Fachwerke gefertigt, welche die Gruppen 
der belgifchen Abtheilung trennten, eine Arbeit, welche deutlich zeigte, dafs auch 
in diefem Lande das Streben vorwaltet, die Formen, welche jeden Materialien 
entfprechen, zur Anwendung zu bringen. 
Vorzüglich gearbeitet und fchön in der Zeichnung waren die von T affon 
& Wafher in Saint-Joffe-ten Noode bei Brüffel ausgeftellten Parquettenmufter. 
Als eine meifterhafte Arbeit, wenngleich mehr Bildhauer-Arbeit als Tifchler- 
arbeit, ift die von Goij ers frjnes ausgeftellte, in reinem Eichenholz gefertigte 
Kanzel zu erwähnen, welche in der Rotunde ausgeftellt und zu dem billigen Preife 
von lo.ooo fl. angeboten war. 
Diefe Arbeit ift ein wahres Meifterwerk der Holzinduftrie zu nennen, fie ent- 
fpricht ebenfo den Anforderungen der Kunft als jenen der Conltrudtion und Solidität. 
Rufsland. Das von Rufsland ausgeftellte Bauernhaus, deffen aufser- 
ordentlich gewählte Conftrudtion mit, man könnte fagen, nationaler Decoration, 
fowie einigein ähnlichem Stile ausgeführte Kälten zeigten, welch bedeutenden Auf 
fchwung die Leiftungen der Bautifchlerei genommen haben ; diefe Induftrie fcheint 
zur Verwerthung des dort fo reichlich vorhandenen Materiales einen ähnlichen 
Weg wie Schweden zu nehmen, welchen es auch wohl mit Vortheil verfolgen kann. 
Die dargeftellten Gegenftände zeigten das Verftänclnifs der Conftrudtion, 
welcher in nationaler Weife künftlerifche Formen gegeben find. 
Türkei. Die türkifchen Bauten, zu welchen Theile verwendet waren, welche 
in der Türkei gefertigt wurden, zeigten, in welch’ unwichtiger Weife dem Schwinden 
des Holzes Rechnung getragen wird. Die byzantinifchenMufter, welche gewöhnlich 
zu Grunde gelegt werden, eignen fich allerdings vortrefflich zur Bildung fchmaler 
Füllungen; die Arbeit des Ineinanderfügens der vielen kleinen Füllungen ift 
bewunderungswürdig. 
Egypten. Die von Egypten ausgeftellt gewefenen Kälten im maurifch- 
byzantinifchen Stil, welche gleichmäfsig in reinem Holz behandelt find, gaben 
Zeugnifs, dafs auch hier die Bedeutung der Tufchlerei erkannt ift. 
Es war zu erkennen, dafs eine einheitliche Behandlung der Kälten die Aus- 
ftellung jeder Gruppe adelte, welche hievon Anwendung gemacht hat. 
Brafil ien. Eine Zufammenltellung der verfchiedenften Hölzer von allen 
erdenklichen Farben zierte die Ausltellung- Brafiliens; wo das Material in folcher
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.