8
Johann Newald. Waffen mit Ausnahme von Kriegswaffen.
Griff und Korb derfelben Gegenftände für die Entwicklung einer eigentümlichen
reich belebten Technik — ja nur zu oft einer hervorragenden Kunftthätigkeit.
Auch cliefe Periode ift abgefchloffen und erlitt fomit in Bezug auf Civil-
waffen die Waffenerzeugung eine abermalige erhebliche Befchränkung ihres
Gefchäftsfeldes.
Die Seitengewehre, welche in mehreren Ländern Civilbeamte zu ihrem
Amtskleide oder zur Uniform tragen, können für diefen Rückgang unmöglich als
ein Erfatz genommen werden, denn den modernen, fchablonengemäfs angefertigten
Degen oder Säbeln läfst fich doch nur eine fehr untergeordnete Bedeutung
beilegen. ,
Auch die bei einigen Völkern in Uebung flehende Sitte des Tragens von
Seitengewehren zu ihrer Nationaltracht ilt im Rückgänge begriffen. Zahlreiche
Prachtwaffen find die Zierde der Cabinette und Sammlungen vieler Regenten und
grofser Herrfchaftsherren. In unferer Zeit dürften derartige Waffen nur feiten
mehr angefertigt werden — ja es fcheint, dafs das Verftändnifs für die Behand
lung folcher Schauftücke entfchwunden ift, wie fich folches aus dem durch die Firma
Mayer&Plener aus Stuttgart ausgeftellt gewefenen Ehrenfehwert ergeben dürfte.
Der einft fo bedeutungsvolle Kreis erfcheint für die Cjvilwaffen dermalen
auf die Jagdgewehre und Hirfchfänger, ferner auf die fogenannten Stand- oder
Scheibenrohre und Piftolen eingeengt.
Durch die Einführung der Hinterlad-Syfteme ift unverkennbar eine Art
Unruhe und Unfertigkeit in die Erzeugung der Hand - Feuerwaffen getragen
worden. In dem Streben nach neuen Syftemen und Ideen fcheint man vielfach die
Anforderungen, welche in Bezug auf Einfachheit der Gewehrconftru<aion, Leich
tigkeit in der Handhabung, Sicherung gegen Unglücksfälle und Befchädigung des
Schützen, Treffficherheit u. f. w. geftellt werden muffen, aus dem Auge verloren
zu haben. . T 1
Es ift aber bereits hervorgehoben worden, dafs mit dem Stande des Jagci-
wefens und der Wildpflege in einem Lande auch der Umfang in der Verwendung
und fomit in der Anfertigung von Jagdwaffen aller Art im Zufammenhange fleht.
Mit der Freigebung der Jagd ift eine Reduktion des Wildftandes und
endlich deffen gänzliche Vernichtung in der Regel verbunden. Jagdgewehre
treten aufser Verwendung und werden Gegenftände von Alterthumsfammlungen.
Allein felbft in jenen Ländern, wo dem Jagdwefen eine fachgemäfse
Behandlung zu Theil wird, verliert dasfelbe mit der zunehmenden Bevölkerung
und der Entwickelung der Bodencultur fort und fort an Bedeutung, fo dafs fich die
Jagdausübung fchliefslich auf eine mäfsige Zahl von Berechtigten befchränken wird.
Wie fehr das einft fo ausgebreitete und mit fo vieler Vorliebe gepflegte
Schützenwefen und Preisfchiefsen nach der Scheibe, fei es mit dem Rohre oder
mit der Piftole — leider zum grofsen Nachtheile für die Wehrhaftigkeit des
Volkes — im Rückgänge begriffen ift, wurde oben bereits angedeutet.
Wenn wir zum Schluffe der vorliegenden Darftellungen unfer Dafürhalten
dahin ausfprechen, dafs in Bezug auf die Erzeugung von Civilwaffen, — wir mögen
dabei lediglich die gewerbliche oder induftrielle Seite, oder auch das leid
für eine künftlerifche Thätigkeit in das Auge faffen — der Höhepunkt bereits
überfchritten ift, fo dürfte uns von vielen Seiten die Zuftimmung nicht vorent-
halten bleiben.