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Carl Haas.
Das Stilvollfle unter Allem war eine grofse im Antikilile gehaltene Vafe,
gezeichnet von M. Reiber, in wirklich flaunenerregender Weife durch Incruflation
decorirt.
Zu der Serie der eigentlich par excellence fo zu nennenden Broncefabriken
übergehend, ifl die Aufgabe wirklich fchwer. Eigentlich wären fall Alle zu nennen,
denn auch die Minderen zeigen eine Gewandtheit der Technik, \velche Erftaunen
erregt; wir befchränken uns nur auf die dringende Hinweifung, dafs hier Jeder
lernen konnte, natürlich nicht durch blinde Nachahmung, fondern verfländiges
Forfchen nach den Urfachen der Erfolge.
Die ErzeugnifTe diefer ganzen Gruppe erflrecken fich von der grofsen
vStatue bis zum kleinen Handleuchter und dabei in der verfchiedenen Behandlung
durch Färbung der Bronce, deren eigentlich eintöniges Anfehen durch Firniffe.
Säuren, Vergoldung oder Verfilberung etc. manchmal durch combinirte Methoden
erzielt wird, untereinander in wechfelvollen Gegenfatz gebracht. — Selbflverftänd-
lich hat auch die Intelligenz und der künftlerifche Gefchmack des Einzelnen, je nach
feinen Intentionen, durch Heranziehen vorzüglicher Modelleure feinen Fach
genoffen Rivalität geboten.
Wenn wir die echten Broncefabricationen betrachten, fo führt gewifier-
mafsen die bekannte Firma G. Deniere den Reigen an. Hervorzuheben
find zwei weibliche Figuren in technifch höchft gelungener Ausführung, fall
lebensgrofs, mit dunkel ftahlgrüner Patina als Lampenträger; ein grofser Marmor
kamin im Stil Ludwig XV.; Kamingarnituren, Uhr, Candelaber und kleine
Leuchter in verfilberter und oxydirter Bronce mit Einlage in Limogesemail;
dann einzelnes Reizendes an Statuetten, fo namentlich eine Diana und viele
Gegenftände in polirtem Meffing, einem heute modernen, wenn auch namentlich
für feine Objecle nicht fehr künftlerifch anmuthendem Genre.
Bagu es Eugen zeigte eine Specialität hierin, er hat nämlich in taktvoller
Weife den Kreis feiner Modelle namentlich in älteren Gegenfländen gefucht,
deren gelungene Nachbildung das kalt Glänzende durch wohlthuende, gedämpfte
Farben verhüllt. Boyers Broncen, Statuetten und Uhren, find gut, aber etwas
theatralifch im Eff e <51, dagegen Bouchon fehr tüchtige Kaminvorlagen in fchönen
Formen brachte. Cornu & Comp, zeigte in reicher Ausflellung diverfe Bronce
in Verbindung mit Marmor und algier’fchem Onyx und brachte auch fehr Gelun
genes in Emailverzierung an Garnituren. Houdebine Henri ifl namentlich
wegen der Auswahl feiner durchgängig guten Modelle, feiner gediegenen fchönen
Vergoldung zu erwähnen.
Aehnlich wie Cornu verbindet auch G. J. Lewy feine, Bronceartikel
mit Unterfätzen oder ganzen Flauptbeflandtheilen von grauen oder rothen
Marmor; aufserdem waren von ihm hübfche kleine Geräthe von polirtem Meffing
exponirt.
Diefe letztere Specialität hat auch recht glücklich in der Ausflellung
Augufl Lemaire vertreten.
Wenn wir nun noch Raingo frkres, deren Arbeiten im foliden Stil
gehalten, ein befonders feines Mattgold zeigten, Servant mit feinem glücklich ver
wendeten Email champleve und die wirklich delicat ausgeführten Thierflatuetten
von P aut rot &Vallon erwähnen, fo iil das Wefentlichfle der Gruppe wohl
angedeutet. Noch eines Stückes fchliefslich zu gedenken, führen wir die reizende
Kinderfigur einen Hahn tragend an, mit welchen Louis Martin nach Cecioni’s
Modell ein köflliches Genreflück gefchaffen hat.
Wefentlich verfchieden von den vorhergehenden find die Broncegüffe von
Thiebault & fils in Paris. Es war diefs eine fehr lehrreiche, leider
nicht ganz günflig aufgeflellte Sammlung von Güffen in grofsen und kleinen
Exemplaren, deren Modelle meid von bedeutenden Bildhauern herrührten.
Es war da ein reelles Streben ohne in befondere kokette Färbungen zu ver
fallen. Einen hohen Grad von Meiflerfchaft im Giefsen und Formen bekun-