Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen.
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Die Phosphorbronce widerfteht auch weitaus beffer der Oxydation, als
gewöhnliche Bronce, beffer als das reinfte englifche Kupfer.
Ein Verfuch, welcher mit 6 j 10 Millimeter ftarken Schiffsbefchlägen aus
Phosphorbronce und gleichdimenfionirten Gegenftänden aus reinftem englifchem
Kupfer ausgeführt wurde, die man einer fechsmonatlichen Immerfion in See-
waffer unterwarf, ergab, dafs der Gewichtsverluft durch die oxydirende Ein
wirkung des Seewafifers für befte englifche Kupferbleche 3-058 Percent, für
Phosphorbronce-Bleche aber nur 1158 Percent betrug. Diefe aufserordentliche
Widerflandsfähigkeit der Phosphorbronce gegen oxydirende Einflüffe macht fie
namentlich dort zur Benützung geeignet, wo die aus ihr angefertigten Fabricate
einer intenüven Oxydation ausgefetzt find.
Diefs, dann die leichte Reinigung der Bronce veranlafsten die Firma
zur Anwendung des mehrerwähnten Materiales bei jenen Gewehr-Beflandtheilen,
welche der oxydirenden Wirkung des Pulverrückftandes ausgefetzt find, und
vermöge ihrer Fundlion nicht aus Stahl hergeftellt werden müffen.
Die Firma Chriflophe und Montigny in Brüffel verfertigt nach
ihrem Syfleme Mitrailleufen für jede beliebige Zahl von Läufen; bisher
fabricirte fie folche von 37, 31, 19 und 7 Läufen von 11 bis 38 Millimeter Kaliber.
In der Mafchinenhalle waren jedoch nur zwei diefer Gefchütze, das eine mit 19,
das andere mit 7 Läufen fammt Lafifeten exponirt.
Die fiebenläufigen Mitrailleufen. deren es von 25 bis 38 Millimeter Kaliber
gibt (das ausgeflellte Gefchütz befafs den erfteren), fchiefsen S p r e n g-G e f c h o ffe
im Gewichte bis zu 100 Gramm auf dieMüximal-Entfernung von 4500 Meter. Trotz
ihres bedeutenden Kalibers find diefe Gefchütze nicht um viel fchwerer als jene
mit kleinem Kaliber.
Die Ausflattung und Einrichtung des Rohrbündels ift bei beiden Gattungen
(nämlich vom grofsen und kleinen Kaliber) gleich, und unterfcheidet fich die
belgifche Mitrailleufe von der öfterreichifchen im Allgemeinen nur durchFolgen-
des : Bei der belgifchen find die Hülfe und die Gabelwände aus gefchmiedetem
Eifen; ftatt des Rahmenauffatzes haben fie einen an der rückwärtigen Fläche des
Verfehlulfes angebrachten Stangenauffatz; die Ladeplatten find verzinnt, wodurch
das Roften derfelben verhindert und die Reinigung erleichtert wird.
gegen das Ausbrennen durch die Pulvergafe vermindern. Nachdem es auf rein mechanifchem Wege
ganz unthunlich fcheint, diefe Oxyde vollftändig aus der Legirung zu entfernen, fo war man
gezwungen, zu chemifchen Agentien feine Zuflucht zu nehmen. Dr. Ktinzl, der Gefell-
fchafter Montefiore-Levi's, bedient fich nun hiezu des Phosphors. Die folgende Tabelle
enthält die Refultate eines Zerreifsverfuches mit Broncebarren von zehn Zoll Länge und einem
Quadratzoll Querfchnitt, welche deutlich den Einflufs der Oxyde auf die mechanifchen Eigen-
fchaften der Bronce erkennen laden.
Abfolute
Fertigkeit
Elafticitäts-
grenze
Verlängerung
der Barren vor
dem Zerreifsen
Verringerung
der Sedtion der
Barren am
Zerreifsungs-
p unkte
in Kilogrammen per Quadrat-
centimeter
in Percenten
I.
Alte Gefchützbronce
1616
1209
2*0
3*2
II.
Diefe gepolt
1755
1244
2-8
3-2
III.
Diefe durch Phosphor
desoxydirt
2384
135«
6-8
67
7