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Guftav Semrad und Johann Sterbenz.
fachen Schneckenmechanismus combinirt; für gröbere Richtungen tritt nämlich
die Zahnbogen-Richtmafchine allein in Acftion, wenn vorher die endlofe Schraube
um ein an der äufseren Laffetenwand befefligtes Drehftück gefchwenkt und fo
mit dem Schneckenrad aufser Eingriff gebracht wurde; bei feineren Richtungen
jedoch geht die Rohrbewegung vom Handrädchen der nunmehr wieder eingerück
ten endlofen Schraube aus. Selbftverftändlich ift bei diefer Anordnung die Brems
mutter zum Feftftellen der Richtmafchine entbehrlich.
Bei den Küftenlaffeten waren die bezüglichen Hartgufs-Granaten, gleich
falls Produdle Grufon’s, und zwar im verfeuerten und unverfeuerten Zuftande
ausgeftellt.
An den verfeuerten Gef ch offen fall man die aufserordentlich folide
Haftung des dünnen Bleimantels. Es haben derartige Hartgufs-Granaten, und
zwar von 15-Centimeter-Gefchützen bei 8 Kilogramm Pulverladung durch 155 Milli
meter und von 21-Centimeter-Gefchützen bei 17 Kilogramm Ladung durch
235 Millimeter ftarke fchmiedeeiferne Panzerplatten glatt durchgefchlagen, ohne
die geringfle Veränderung zu erleiden.
Die Feldlaffeten befitzen eine grofse Fettigkeit bei geringem Gewichte
(495 Kilogramm).
Die Bremsvorrichtung, mit welcher diefelben verfehen find, befleht
aus einem inneren Bremsconus, der an die Radnabe angegoffen ift, und einem
äufseren, der durch eine fcheibenförmige Feder, welche durch eine Schraube mit
Handrad gefpannt werden kann, gegen den inneren Bremsconus geprefst wird.
Je nach der Stellung der Schraube werden die Bremskonufe mehr oder weniger
gegeneinander gedrückt und dadurch die hemmende Reibung regulirt.
An dem äufseren Konus befindet fich ein Sperrrad, in welches eine Sperr
klinke, die mit der Radachfe feft verbunden ift, fo eingreift, dafs beim Rücklauf
der Laffete der äufsere Conus das Beftreben hat, den inneren feftzuhalten,
wodurch das Rad gebremft wird, während beim Vorlauf fich das Sperrrad mit der
Radnabe frei bewegen kann. Beim Transport der Laffeten wird die Sperrklinke
ausgerückt, fo dafs fich die Räder frei bewegen können. Die Bremfe ift durch die
Scheibenräder vollftändig abgefchloffen, um das Eindringen von Schmutz zu
hindern.
Die königliche Gefchützgiefserei in Augsburg* hatte eine
kurze 12-Centimeter-Bröncekanone ausgeftellt. Das Gefchützrohr,
gezogener Hinterlader mit Doppelkeil-Verfchlufs und kupfernem Liderungsring,
für den Feftungs- und Belagerungsdienft beftimmt, zeichnete fich durch feine
fchöne Bronce und reine Ausarbeitung aus. Es hatte 18 Keilzüge mit 7-8 Milli
meter vorderer und 3-5 Millimeter hinterer Felderbreite; die Züge hatten vorne
131 Millimeter, rückwärts 175 Millimeter Breite; die Länge des gezogenen
Bohrungstheiles betrug 158 Meter, die Dralllänge 4708 Meter, der Drallwinkel
4 Grad 36 Minuten.
Ohne Verfchlufs wiegt es 849 Kilogramm; der Verfchlufs hat ein Gewicht
von 48 Kilogramm.
Mit der Ladung von 105 Kilogramm baierifchen Gefchützpulvers erreicht
das 16 y 2 Kilogramm fchwere, 3 Kaliber lange, gufseiferne Hohlgefchofs eine
Anfangsgefchwindigkeit von 284 Meter.
Die Abgangswinkel wurden auf 1000 Meter mit 3 Grad 15 Minuten, auf
2000 Meter mit 8 Grad, die Einfallswinkel auf 1000 Meter mit 4 Grad 7 Minuten,
auf 2000 Meter mit 9 Grad 30 Minuten gemeffen. 50 Percent Treffer bedürfen
auf 1000 Meter ein horizontales Trefferfeld von 7 5 Meter Länge und 0-2 Meter
11 V * Befiehl feit 1830 und beforgt fowohl die vollftändige Herftellung von Broncegefchützen
aller Kaliber, als auch die Ausarbeitung von Stahl- und Eifengefchütz-Blöcken, ferner Kleingufs
in Elfen, Bronce und MelTing. Im Jahre 1871 wurden 2312 Centner Metall verarbeitet und
Kanonen etc. im Werthe von 75.440 Gulden gefertigt. Die Fabrik hat einen Stand von 65 Arbei-
tern und 2 Dampfmafchinen von 19 Pferdekraften.